Essen & Trinken, Geschichten aus der großen Stadt
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Verpackungsfreier Supermarkt für München

Wir müssen reden. Über einen Satz. Genauer gesagt über einen wie diesen: „So neu ist das aber nicht.“ Ein Satz, der beispielsweise gerne fällt, wenn es um Stoffbeutel, Holzzahnbürsten, Foodsharing und Co. geht, um Müllvermeidung, umweltverträgliche Produkte oder das gegenseitige Bereitstellen von Konsumgütern bzw. Dienstleistungen. Spätestens dann liegt dieser ostentative „Haben wir doch alles schon gehabt“-Gestus irgendwie in der Luft. Und genau hier liegt der Hund begraben. Denn was nutzt eine gute Idee (von gestern), wenn wir sie nicht (mehr) leben, wenn sie nicht weitergetragen wird oder zu schnell versandet. Eine junge Familie aus Bayern möchte das ändern. Und greift ein Konzept auf, das in anderen deutschen Städten bereits an Boden gewonnen hat.

Teil 6 unserer Reihe „Geschichten aus der großen Stadt“ über Crowdfunding und einen verpackungsfreien Supermarkt für München.

Von Müllreduziert zu Zero Waste
Für Hannah (30) und Carlo (32) gehören Bioläden, Wochenmärkte, Secondhandshops und eine Kultur der Reparatur schon lange zu ihrem Lebensalltag. Doch als die gelernte Schneiderin und der Ingenieur Eltern werden, rücken Themen wie Selbstversorgertum, Nachhaltigkeit und die Alternative „Landleben“ noch stärker in den Fokus. Denn schnell wird eines klar: Von einem müllreduzierten Leben sind die beiden zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt. Aber wie sieht das „richtige“ Lebenskonzept aus? „Sowohl „plastikfrei“ als auch „Zero Waste“ erschienen uns unheimlich kompliziert zu realisieren. Im Nachhinein sind wir das Ganze einfach zu verkopft angegangen“, resümiert Hannah. Doch dann starteten zwei Läden in Deutschland mit dem Ziel, die Flut der Einwegverpackungen in deutschen Supermärkten in Frage zu stellen: Am 1. Februar 2014 öffnete „unverpackt“ in Kiel seine Türen, wenige Monate später sprach man in Berlin von „original unverpackt“ und auf einmal war da wieder dieses Gefühl, dass es auch anders gehen müsse.
Allerdings bleibt es dieses Mal nicht dabei. Die beiden Münchner beginnen erneut das Internet nach Anleitungen, Tipps und Vorschlägen für ein Leben ohne Müll zu durchforsten. „Mutig und mit eigenen Gefäßen gerüstet habe ich mich auf in unseren Biomarkt um die Ecke gemacht, nur um mir sagen zu lassen Nein, das dürfen wir aus Hygienegründen nicht”, erinnert sich Hannah. „Viele haben zu Beginn spöttisch reagiert, so als hätten wir nichts Besseres zu tun… Das hat mich eingeschüchtert. Wir haben unsere ersten Versuche nach kurzer Zeit wieder eingestellt.“

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Spenden erwünscht: die Crowdfunding-Seite von Hannah und Carlo auf Startnext

Zum Schlüsselerlebnis wird der Blog „Zero Waste Home“ der Französin Bea Johnson, die seit 2008 müllfrei in den USA lebt und über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben hat. Nach der Lektüre ging es aufwärts. Das Paar beginnt, schrittweise alles Überflüssige aus seinem Alltag zu entfernen: Stofftücher ersetzen Papiertaschentücher, selbstgenähte Putz- und Spüllappen herkömmliche Schwämme. Wegwerfwindeln und Feuchttücher für unterwegs werden ebenso vom Einkaufszettel gestrichen wie abgepackte Cornflakes, Schokoriegel und dergleichen. Als Restmüllbeutel verwenden sie fortan Kompostbeutel aus Papier. Die werden ungefähr alle drei Wochen geleert – je nachdem, was so anfällt. Doch das war den beiden nicht genug. Auf ihrem eigenen Blog „Zero Waste München“ schrieben sie fortan über ihren müllreduzierten Alltag und verliebten sich in die Lebensphilosophie. Ihr langfristiges Ziel: „den Münchnern die Möglichkeit geben, die Schönheit des verpackungsfreien Einkaufens kennenzulernen.“ Um ihr Projekt zu realisieren, haben Hannah und Carlo eine Schwarmfinanzierung ins Leben gerufen. Bis Mitte Juni wollen die Gründer 55.000 Euro durch Crowdfunding einsammeln.

Minimalismus21 hat mit den beiden Jungunternehmern gesprochen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen „verpackungsfreien Laden“ in München zu eröffnen?
Lange Zeit haben wir gedacht, das macht sowieso jemand anderes. Als dann jedoch nichts in dieser Richtung geschah, war unser Entschluss schnell gefasst. Wir hatten uns in diese Lebensphilosophie verliebt und wollen den Münchnern die Möglichkeit geben, die Schönheit des verpackungsfreien Einkaufens kennenzulernen. Wir hatten aus reinem Interesse schon sehr viel zu der Thematik recherchiert und aus unseren alltäglichen Erfahrungen bereits einiges an Hintergrundwissen gesammelt. Dann haben wir angefangen, einen Businessplan zu schreiben und unsere Crowdfunding-Kampagne vorzubereiten. Und genau da sind wir jetzt, am Anfang eines unheimlich spannenden Prozesses.

Was glaubt ihr, warum existiert in München noch kein derartiger Laden? Gibt es große Hygieneauflagen, z.B. bei frischer Ware? In welchem Stadtteil wollt ihr eröffnen?
Auf einen Stadtteil möchten wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht festlegen. Da stehen einige zur Auswahl. Warum es einen solchen Laden noch nicht gibt, wissen wir auch nicht, aber wir kümmern uns jetzt darum. Ja, es gibt definitiv große Hygieneauflagen und das finden wir auch richtig so. Es ist uns ein großes Anliegen, dass alles sauber und hygienisch ist. Alles andere fänden wir selbst auch nicht ansprechend.

Was werdet ihr außer Lebensmittel noch anbieten? Sichert ihr die Grundversorgung?
Oh, da haben wir schon einige tolle Produkte am Start, die zu diesem Zeitpunkt natürlich noch streng geheim sind. Was wir auf jeden Fall haben werden, sind diverse Behälter (Flaschen, Gläser und Säckchen) in verschiedensten Größen zum Kaufen oder Leihen. Wir sichern die vegetarische Grundversorgung in jedem Fall. Für Fleisch und Wurst müsste unsere Kundschaft vorerst weiterhin zum Metzger gehen…

OHNE – Verpackungsfrei Einkaufen in München from zerowaste on Vimeo.

Wie läuft das im Laden in spe: Gibt es genügend Lieferanten, die ausreichend große Verpackungen anbieten, die ihr in die Bulks Bins ab- bzw. umfüllen könnt? Ist das nicht sehr beschränkt auf einige wenige Produkte?
Lieferanten gibt es genügend, ja. Und wir freuen uns sehr, schon einige Münchener Lieferanten mit im Boot zu haben, die tolle, regionale Bioprodukte anbieten. Man ist nicht beschränkt auf wenige Produkte, allerdings hängt das wahrscheinlich davon ab, wie man beschränkt definiert. Wir werden bspw. nicht fünf verschiedene Sorten Schwarztee anbieten, sondern erst Mal eine, die natürlich besonders gut ist.

In welchem Bereich ist es am schwierigsten, Müll zu vermeiden?
Schwierig, na, da gibt es einiges, Backzutaten zum Beispiel. Meistens versuchen wir uns jedoch zu disziplinieren oder Dinge selbst herzustellen. Vor einer Weile habe ich zum Beispiel Cornflakes selbst gemacht, weil ich einen solchen Heißhunger hatte… Mit Toilettenpapier ist es schwierig. Es gibt die großen Rollen, wie man sie aus Restaurants kennt. Die sind in Papier verpackt, jedoch ziemlich sperrig. In Amerika gibt es wohl einzelne Rollen in Papier verpackt. Wir verwenden nach wie vor recyceltes Toilettenpapier, das in Plastik verpackt ist. Damit sind wir nicht glücklich, aber wir versuchen seit geraumer Zeit, mit den Herstellern ins Gespräch zu kommen, ob man da nicht doch etwas ändern kann. Ich habe gehört, dass manche Menschen Kleenextücher aus der Pappschachtel als Ersatz für Toilettenpapier verwenden. Ob das so sinnvoll ist, weiß ich nicht. Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) sagt, dies würde die Rohre verstopfen. Und das wäre dann ja auch Quatsch.

Ist es schwieriger, mit Kindern müllfrei zu leben? Was sind ggf. die Herausforderungen? Wie reagiert eure Umwelt darauf?
Wir haben zwei Kinder und nein, wir finden nicht, dass es schwieriger ist. Unsere große Tochter ist drei und ich bin immer wieder fasziniert darüber, wie selbstverständlich sie alle Änderungen in unserem Alltag akzeptiert. Als wir uns ganz am Anfang im Bioladen nach unverpacktem bzw. in Papier verpacktem Toilettenpapier erkundigten, wollte der Angestellte wissen, warum das so wichtig für uns ist. Da hat sie sich vor den Mann hingestellt und gesagt, „weil wir doch keinen Müll mehr machen wollen“. Das hat mich restlos begeistert.
Klar gibt es Tage, an denen sie auch einen Lolli haben will, wenn ihre Freunde einen bekommen. Wenn sie darauf besteht, dann bekommt sie ihn auch. Das Ganze soll ja nicht vollkommen spaßfrei sein. Für solche Fälle hat sie ein kleines „Müllglas“, in dem sie über das Jahr hinweg ihren Müll sammeln kann. Unsere jüngere Tochter kennt es ja nicht anders und macht sowieso alles super mit. Stoffwindeln sind toll und ich wünschte, ich hätte das vorher gewusst. Leider habe ich mich da immer durch Argumentationen wie „das viele Waschen ist auch nicht gerade umweltfreundlich…“ beeindrucken lassen.
Unsere Umwelt findet es entweder total super, was wir machen, oder belächelt uns etwas. Da sind die Reaktionen sehr verschieden. Die meisten Menschen stellen sich unser Leben als unheimlich aufwendig und kompliziert vor, finden den Gedanken aber gut. Im Grunde ist es jedoch lediglich eine Frage der Organisation und manchmal auch der Geduld. Man muss schon oft erklären, warum man da unbedingt `ne „Extrawurscht“ braucht. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Wir wünschen euch viel Erfolg und bedanken uns herzlich für das informative Gespräch!

10 Kommentare

  1. Die Idee finde ich gut. Nur die Umsetzung als Kunde ist mir weiterhin ein Rätsel. Ich hätte nicht die Geduld meine ganzen Einkäufe abzufüllen. Einkaufen muss bei mir schnell gehen. So ein Laden bei mir an der Ecke wäre toll. Sonst wüsste ich gar nicht, wie ich das bewerkstelligen sollte.

    In was soll ich die Sachen füllen? Gläser kann ich als Fußgänger ja gar nicht tragen. Und so sind auch die Reaktionen wenn ich über diese Läden rede. Oder ist das nur für Autofahrer gedacht? Das kann ja nicht sein. „Mit Vollgas in den Bioladen“ finde ich immer ganz schrecklich und geht am Thema vorbei. Dann doch lieber zu Fuß und verpackt. Ich meide auch Plastik so gut es geht.

    Klärt mich auf. Wie kauft ihr ein, M21? Alles zu Fuß und in Glas und unverpackt oder plastikfrei? Lg Tanja

  2. HerrM21er

    Hallo Tanja!

    Danke für Deine kritische Einschätzung. Auch wenn wir die Idee eines Unverpackt-Ladens für München sehr begrüßen und unterstützen, geht es uns in vielen Punkten genauso wie Dir.
    Das Einkaufen von Lebensmitteln gehört oftmals eher zu den notwendigen Übeln, die eben auch erledigt werden müssen… Der Idealzustand wäre natürlich: an einem lauen Frühsommervormittag über einen schönen Bauernmarkt schlendern, probieren und mit den Verkäufern plaudern. Der Alltag sieht jedoch ganz anders aus. Da muss es auch bei uns schnell gehen und praktikabel sein.

    Du fragtest, wie wir einkaufen? Nun, ich (HerrM21er) werde berichten! 😉

    Da ich bei uns sozusagen der „Einkäufer“ bin, fahre ich auf dem Heimweg nach der Arbeit mit dem Auto bei einem klassischen Stadtteil-Supermarkt (Rewe City) vorbei, der auf dem Weg liegt und eine kostenfreie Tiefgarage hat (Ich bin als Berufspendler sowieso damit unterwegs; mit dem Auto nur zum Einkaufen zu fahren, vermeide ich weitestgehend). Und das meist alle ein bis zwei Tage, denn ich entscheide kurzfristig, was gekocht wird, will frische Zutaten und bin an sich kein Freund von Großeinkäufen (abgesehen davon lohnt sich das für einen 2-Personen-Haushalt nicht).

    Dort achte ich so gut es geht darauf, müllvermeidend und plastikfrei & regional und saisonal sowie in Bioqualität einzukaufen. Wir kochen frisch und selbst zubreitetet, Convenience-Food oder Fertigessen gibt es schon lange nicht mehr bei uns. Damit fällt einiger unnötiger Verpackungsmüll weg!
    Ich habe immer Einkaufstaschen (aus Stoff oder Papier) oder einen großen Einkaufskorb im Auto, sodass ich keine Tüten brauche. Kaufe ich z.B. ein paar lose Äpfel, Mandarinen, Bananen oder ähnliches, benutze ich keine der dünnen Gemüsetüten. Joghurt und Milch nehme ich nur noch in Glaspfandflaschen mit. Tetrapaks oder gar Plastikflaschen kommen mir nicht mehr in den Einkaufswagen (vor allem wegen der Weichmacher, aber auch wegen des Mülls). Wir trinken zu Hause das gute Münchner Leitungswassser, für Schorlen hole ich Saft in Glaspfandflaschen vom Getränkemarkt in unserer Straße. (Bayerisches) Bier in Dosen habe ich noch nie gemocht, das gibt es nur aus der Flasche (oder im Biergarten frisch aus dem Fass). Wenn es ab und zu mal eine Coke gibt, dann auch nur in Glas.

    Obst und Gemüse besorge ich entweder im Supermarkt oder beim türkischen Gemüsehändler um die Ecke – und der hat seine Leidenschaft für dünne Plastiktüten auch schon deutlich reduziert, denn die meisten Kunden reichen ihm ihre mitgebrachten Beutel über die Theke… 😉 Abgepackte Wurst kaufe ich gar nicht mehr, abgepackten Käse selten; Fleischwaren gibt es nur vom ausgewählten Metzger, den ich gut zu Fuß erreichen kann. Wenn man einmal das Holzofenbrot der Münchner Hofpfisterei gegessen hat, kommt abgepacktes Industriebrot auch nicht in die Tüte! 🙂

    Wir haben das Glück, in unserem gehbaren Umfeld in Schwabing bestens mit verschiedenen Lebensmittelläden – vom Bäcker über Gemüsehändler, Metzger, Käseladen, Biosupermarkt, Konditor bis zur Feinkost und zum täglichen Markt am Elisabethplatz – ausgestattet zu sein! Wir schätzen die kleinen Spezialläden in unserem Viertel und unterstützen sie gerne mit unserem regelmäßigen Einkauf – auch wenn es manchmal ein paar Euro mehr kostet (und etwas mehr Zeitaufwand bedeutet). Schrecklich finde ich die großen Einkaufzentren im Industriegebiet am Stadtrand.

    Den Schritt, mit eigenen Einmachgläsern und Behältnissen einkaufen zu gehen, stelle ich mir auch mühsam vor. Letztendlich wäre es für uns nur praktikabel, wenn es ein Geschäft bei uns in der Nähe gäbe… Sollte also der Unverpackt-Laden in unserem Stadtteil eröffnen, werden wir sicherlich versuchen, vor allem einige „plastiklastige“ Lebensmittel dort zu kaufen; quer durch die Stadt zu fahren, um unverpackte Nudeln zu erstehen, erscheint uns jedoch auch nicht sinnvoll (nebenbei bemerkt gibt es bei uns im Viertel eine Nudelmanufaktur, bei der wir ab und zu frische Tagliatelle offen kaufen…).

    Trotzdem ist das Projekt „Ohne“ ein wichtiger und unterstützenswerter Anstoß (für München), damit auch konventionelle Supermärkte schrittweise gegen die Verpackungsflut vorgehen.

    Beste Grüße
    HerrM21er

  3. Juhu, endlich! Ich wünsche mir, dass es mehr davon gibt!

    Den Zeitaufwand des Abfüllens ist es mir definitv wert, wenn ich dafür Müll vermeide, der ewig erhalten bleibt. Außerdem würde ich die Zeit ja sonst in die Suche nach verpackungsfreien Dingen investieren. 😉

    Alles Liebe,
    Philipp

    • M21
      M21 sagt

      Ja, mehr und flächendeckender wäre toll.

      Wir sind immer wieder entsetzt, wie viel Plastikmüll im Alltag trotz aller Bemühungen noch anfällt bzw. wo dieses Material überall zum Einsatz kommt.

      M21, die aktuell auf einem Laptop schreibt, der jede Menge davon enthält :-(…

  4. Die Idee finde ich super. Müllvermeidung ist was Tolles: schon aus dem Grund, dass das ständige Müllrunterbringen einfach doof ist. Und dass Müllvermeidung gut für die Umwelt ist, ist ja sowieso klar.

    Ich finde diese ganze Müllverwaltung sehr lästig und fände es toll, wenn sie gar nicht mehr sein müsste. Mülltrennung mache ich natürlich, aber nervig finde ich sie schon … wenn man das auf ein Minimum reduzieren könnte, bin ich auf jeden Fall dabei.

    Da ich in Frankreich lebe, ist die Plastiktüte allgegenwärtig. Man bekommt einfach alles in Plastiktüten eingepackt. Da ich diese sofort zu Mülltüten umwidme, ist es für mich sogar recht praktisch (ich brauch dann keine Mülltüten zu kaufen), aber wenn ich an die Berge von Tüten denke, die am Ende eines Tages hier zusammenkommen und NICHT wiederverwendet werden … Horror.

    Wie macht Ihr das eigentlich mit dem Bio-Abfall ? Also alles an organischen Resten, sowas fällt ja auch beim minimalistischsten Haushalt an… Wir haben hier keine braune Tonne, aber wenn wir eine hätten, würde ich die boykottieren 🙁 ich habe furchtbarste Erinnerungen an die braune Tonne damals im Studium, 1989 in Gießen … mitten in der Innenstadt, 35°C im Hinterhof, dann an die braune Tonne ran (den Gestank beschreibe ich mal lieber nicht), Tonne auf, die Wolke von aufschwirrenden Fliegen rauslassen, Müll rein, Tonne zu – und FLÜCHTEN … nee echt: nie wieder das – es war grauenvoll und ich bin sicher, dass aus der fauligen Soße in der Tonne niemals Kompost geworden ist.

    Hätte ich einen Garten, dann gäb es da einen Kompost, aber so mitten in der Stadt ist es nix damit. Wie macht Ihr das?

    Liebe Grüße 🙂

    • HerrM21er

      Hallo Susanne,

      ja, die Flut von Plastiktüten ist mir auch ein Dorn im Auge – am nervigsten sind die ganz dünnen, die letztendlich für nichts richtig zu gebrauchen sind… absolut unnötig!

      Ganz unminimalistisch werde ich mal wieder shoppen und mir einen Satz dünner durchsichtiger Stoffsäckchen besorgen, in die man im Supermarkt loses Obst einpacken kann. Dann erntet man nicht immer genervte Blicke an der Kasse, wenn die Äpfel übers Band kullern… 🙂
      Gedacht habe ich dabei an die ECOBAGS: http://www.kivanta.de/ECOBAGS-Marktnetz-mit-Kordelzug-aus-Biologischer-Baumwolle-verschiedene-Groessen-naturfarben

      Tja, mit dem Bio-Abfall hast du uns ertappt! Da geht es uns nämlich so wie Dir während Deines Studiums… die braune Tonne bei uns im Hof ist wirklich eine (stinkende) Herausforderung, der wir uns noch nicht stellen… 🙂
      Und das, obwohl der Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb daraus tatsächlich neue Blumenerde herstellt: http://awm-muenchen.de/privathaushalte/muenchner-erden/muenchner-erden.html
      Bei unseren jährlichen Gärtner-Versuchen auf unserem kleinen Balkon greifen wir gerne auf dieses regionale Produkt zurück, wie man auf dem zweiten Beitragsbild erkennen kann: http://minimalismus21.de/2015/04/26/minimalistisch-gaertnern/ … eigentlich wäre es also an der Zeit, auch unseren Biomüll entsprechend zu sammeln! Mal sehen, wann wir uns für den perfekten Öko-Kreislauf überwinden können… 😉

      Viele Grüße aus München
      Herr M21er

  5. Die Beutelchen sind ja schön 🙂 hab ich noch nie hier gesehen!
    Auf dem Markt könnte ich mir das ganze Obst und Gemüse natürlich auch direkt in meinen Riesenbeutel einfüllen lassen, das wär kein Problem.
    Aber dann fehlen mir meine Müllbeutel, und ich müsste extra welche kaufen. Das wär blöd. Deshalb sammel ich einfach die Plastiktüten, die ich kriegen kann. Denn die fallen ja eh an. Irgendwann finde ich sicher mal eine bessere Lösung, aber zur Zeit muss es halt noch so gehen…

    Nee ich hab Euch ja nicht „ertappt“ 😉 wir leben alle in der Stadt, in teils kleinen Etagenwohnungen … da kann man nun mal keinen Komposthaufen anlegen, also nicht so ohne weiteres jedenfalls. Das Problem kennen ja viele … Wenn man ein Haus mit GArten hat, ist ads alles ganz anders, klar.

    Dass aus der braunen Tonne irgendwann man wirklich Blumenerde wird – also das finde ich ein echtes Wunder! Aber toll. Super, wenn das klappt.

    Ich hatte damals im Studium in meinem WG-Zimmer (aus echtem Ökogewissen heraus!) eine eigene winzige braune Tonne angelegt, und zwar eine alte Kaba-Dose, wo man den Deckel fest verschließen konnte… jedes Öffnen des Deckels im Sommer war Folter 😀 ich hab das dann irgendwann bleiben lassen.

    Mittlerweile muss ich sagen, dass ich wirklich nur noch sehr wenig Bioabfall habe; durch die Katzen kommt halt so einiges zusammen, aber ich selbst habe kaum Essensreste (ok, irgendwelche Schalen von Obst oder Gemüse, sont eigentlich nix).

    Interessanterweise ist der Papier- und Plastikabfall echt gigantisch im Vergleich zum „Rest“ – obwohl ich schon sehr auf wenig Verpackung achte. Ist das bei Euch auch so?

  6. PS: muss mich korrigieren: bei der Biotonne bin ich dabei, wenn sie spätestens alle 2 Tage geleert wird. Im Sommer besser jeden Tag.
    Damals in Gießen mussten wir ganze 2 Wochen darauf warten, dass das Grauen endlch verschwand – und dann gings von vorne los. Für die, die (wie ich) ihr Zimmer in den Hinterhof raus hatten, eine echte Heimsuchung 🙁

  7. Sofia sagt

    Die Biotonnen sind das Beste was es gibt, regionale Münchner Erde entsteht, es gibt weniger Restmüll und ist somit auch billiger, gleichzeitig wird weniger Müll verbrannt.
    In der Küche habe ich einen alten Rumtopf als Minikompostbehälter und seitdem weniger Fruchtfliegen im Sommer. Schaut auch noch hübsch aus und ist plastikfrei.
    Als Tipp: gebrauchtes Küchenpapier dazu, so gibt es weniger Geruchsentwicklung (sagt auch AWM)

    Danke für den schönen Blog!

    • M21
      M21 sagt

      Liebe Sofia,

      herzlichen Dank für Dein positives Feedback – das freut und motiviert uns sehr!

      Die Sache mit dem Rumtopf klingt spannend: Kannst Du etwas mehr dazu sagen? Ich kann es mir nicht so ganz vorstellen.

      Herzliche Grüße
      M21

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