Alle Artikel in: Nachlese & Seitenblicke

Nachlese: Adieu, Wachstum! (Norbert Nicoll)

Wir schreiben das Jahr 1900. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert besaß der mitteleuropäische Haushalt durchschnittlich 400 Gegenstände. Eine traumhafte Vorstellung für viele „moderne“ Minimalisten. Ein Alptraum für die Wirtschaft. Denn sie trichtert den Menschen nur ein Ziel ein: Nicht mit dem Kaufen aufhören. Um diese Maschinerie am Laufen zu halten, forciert die Industrie ein perfides Wechselspiel aus geplanter Obsoleszenz, Krediten und Werbung. Und das äußerst erfolgreich. In den Industriestaaten scheint der Konsum von Wohlstandsballast kein Ende zu kennen, obwohl 80 Prozent aller erworbenen Güter lediglich einmal ge- bzw. benutzt werden. Das hat massive Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft. Denn ein dauerhaftes exponentielles Wachstum ist auf einem endlichen Planeten unmöglich. Für unser kapitalistisches System bedeutet das: Mit Wachstum gehen wir unter den gegebenen Bedingungen zugrunde, ohne Wachstum aber auch. Warum das so ist, hat Norbert Nicoll in seiner interdisziplinären Darstellung Adieu, Wachstum! Das Ende einer Erfolgsgeschichte umfassend dargestellt. Eine interdisziplinäre Geschichte der kapitalistischen Wachstumsidee Geologie, Geschichte, Ökologie, Ökonomie, Politik, Soziologie: Der promovierte Politikwissenschaftler Nicoll nimmt den Leser mit auf eine Reise, die den Homo Sapiens …

Heldenmarkt 2017: Konsum fürs gute Gewissen

Sturmböen, Regen, Märzwinter: Für Minimalismus21 genau das richtige Wetter für einen Abstecher ins MVG Museum München. Dort gastiert an diesem Wochenende der Heldenmarkt. Die steife Brise hat die Verbrauchermesse für nachhaltigen Konsum von ihrer letzten Station aus Hamburg mit in die bayerische Landeshauptstadt gebracht. Und irgendwie sind auch wir bei unserem diesjährigen Besuch nicht so richtig warm geworden mit dem Angebot. Digitale Abbitte für Ökosünden Über 80 Aussteller präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen vor der historischen Kulisse aus alten Straßenbahnen, Bussen und Arbeitsfahrzeugen. Lokale Nahverkehrsgeschichte trifft hier auf Food, Fashion sowie Naturkosmetik bis hin zu Finanzdienstleistungen und Carsharing-Angeboten wie DriveNow. Alles kann vor Ort gestestet und gekauft werden. Ein buntes Rahmenprogramm aus Expertenvorträgen, Workshops und interaktiven Elementen rundet das Programm ab. Wer Lust hat, bekennt sich in einem interaktiven Beichtstuhl zu seinen Ökosünden und erhält praxistaugliche Tipps zur Wiedergutmachung. Zweifelsfrei ein charmantes Konzept mit zahlreichen Alternativen für alle Bessershopper. Nach eigenen Angaben verfolgen Heldenmarkt-Team und Aussteller ein gemeinsames Ziel: „der Welt zeigen, dass bewusster Konsum ohne Verzicht möglich ist.“ Denkanstöße und Lösungsansätze inklusive wie die …

Shopping kann tödlich sein

„Shopping kann tödlich sein.“ Wie oft bin ich in den letzten Wochen über diesen Satz gestolpert. Aus meiner Beschäftigung mit dem Minimalismus heraus leicht verständlich: Wir konsumieren, als wenn es kein Morgen gäbe; ohne Rücksicht auf (ökologische) Verluste. Das belegen entsprechende Zahlen des Statistischen Bundesamts. 2016 wuchs die Wirtschaft insgesamt um knapp zwei Prozent – „und damit so stark wie zuletzt vor fünf Jahren. Gründe […] sind der Bau- und Immobilienboom sowie die allgemeine Konsumlust der Deutschen“, so ZEIT Online. Hirnbiologisch lässt sich dieses Verhalten gut erklären. Unser Belohnungssystem wird immer dann aktiv, wenn wir es mit Reizen füttern, die uns Freude und Lust bereiten wie Einkaufen, Essen, Sex etc. Das verschafft uns ein Gefühl der Befriedigung und inkludiert zugleich den Wunsch nach permanenter Wiederholung. Hirnforscher Dr. Kai Fehse vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München erklärt unser Verhalten wie folgt: „Der Mensch macht zunächst einmal das, was ihn sofort belohnt. Das bedeutet: Wird eine unserer Handlungen sofort mit Freude belohnt, dann machen wir das auch. Bleibt die Belohnung aus, machen wir es nicht.“ Die Felix …