Alle Artikel mit dem Schlagwort: Minimalismus

Shopping kann tödlich sein

„Shopping kann tödlich sein.“ Wie oft bin ich in den letzten Wochen über diesen Satz gestolpert. Aus meiner Beschäftigung mit dem Minimalismus heraus leicht verständlich: Wir konsumieren, als wenn es kein Morgen gäbe; ohne Rücksicht auf (ökologische) Verluste. Das belegen entsprechende Zahlen des Statistischen Bundesamts. 2016 wuchs die Wirtschaft insgesamt um knapp zwei Prozent – „und damit so stark wie zuletzt vor fünf Jahren. Gründe […] sind der Bau- und Immobilienboom sowie die allgemeine Konsumlust der Deutschen“, so ZEIT Online. Hirnbiologisch lässt sich dieses Verhalten gut erklären. Unser Belohnungssystem wird immer dann aktiv, wenn wir es mit Reizen füttern, die uns Freude und Lust bereiten wie Einkaufen, Essen, Sex etc. Das verschafft uns ein Gefühl der Befriedigung und inkludiert zugleich den Wunsch nach permanenter Wiederholung. Hirnforscher Dr. Kai Fehse vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München erklärt unser Verhalten wie folgt: „Der Mensch macht zunächst einmal das, was ihn sofort belohnt. Das bedeutet: Wird eine unserer Handlungen sofort mit Freude belohnt, dann machen wir das auch. Bleibt die Belohnung aus, machen wir es nicht.“ Die Felix …

#Reset 7: Hilfe, ich lebe in einer Bibliothek!

Vor Kurzem habe ich mein Bücherregal neu geordnet, ein bisschen minimalisiert und die letzten Nachwehen unseres Umzugs beseitigt: Endlich meine Fach- und Schullektüre wieder thematisch zusammengestellt, damit sie sich effektiv und schnell nutzen lässt. Einzelne Lehrwerke aussortiert, um den Besitz so schlank wie möglich zu halten; aber viele waren es ohnehin nicht mehr. Denn eigentlich habe ich meinen Bestand schon auf das für mich Wesentliche reduziert. Zumindest bilde ich mir das ein. Könnte ich womöglich auf mehr verzichten? Vielleicht mache ich mir sogar etwas vor: Stimmt es denn, dass ich trotz digitaler Medien und Internet immer noch so stark auf Bücher angewiesen bin? In der Schule steht mir für meine Fachbibliothek kein Platz zur Verfügung. Deshalb lagern meine Unterrichtsmaterialien zu Hause. Und deshalb bin ich durchaus darauf bedacht, den Bestand regelmäßig zu sichten und auf seinen aktuellen Nutzen zu überprüfen. Die Vorgabe des Minimalisten in mir lautet: Die vorhandene Regalwand muss für meinen Job als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Ethik genügen. Mehr Platz räume ich meiner Arbeit in den eigenen vier Wänden nicht mehr …

Nachlese: Ich bin raus (Robert Wringham)

Ich bin raus liest sich wie eine Brandrede, denn Robert Wringham ist ein entflammter Autor. Einer, der Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung aufzeigen möchte. Einer, der bereits im Vorwort sämtliche Formen der „Lohnknechtschaft“ verteufelt. Einer, der keinen bzw. kaum Platz für Menschen lässt, die ihren Job nicht grundsätzlich als moderne Sklaverei und alternativlose Tretmühle empfinden. Der Herausgeber des Magazins New Escapologist benutzt – wie passend – eine historische Figur, die als Metapher und Vorbild den Weg aus den Fesseln der modernen Konsumgesellschaft beschreiben soll: Harry Houdini, amerikanischer Entfesselungs- und Zauberkünstler. Arbeit und Konsum entkommen Wir werden benebelt und verbraucht. Von den sozialen Fesseln der Gesellschaft, von Personalabteilungen, Großraumbüros, unbefriedigenden Berufen, (selbstverursachten) Schuldenbergen, 40-Stunden-Wochen uvm. Wenn man Arbeitszeit, Konsumzeit und Schlafzeit abrechnet, bleibt nicht mehr viel Zeit für Freiheit, so Wringham. Sein Alter Ego Houdini dagegen beherrscht eine Kunst, die auch wir auf das wirkliche Leben anwenden sollen: Raus aus den sklavischen Gedanken, die uns die Wirtschaft einimpfen möchte, darunter ein stetes Gefühl der ungesättigten Unzufriedenheit dank ausgeklügelter Marketingstrategien. So weit, so …