Alle Artikel mit dem Schlagwort: Postwachstumsökonomie

transform. Magazin für das gute Leben

Ich mache irgendwas mit Medien. Beruflich. Im Hintergrund meines Arbeitgebers steht ein großer Verlag. Diskussionen um neue Erlösmodelle, um Paywalls, verändertes Konsumentenverhalten und die als selbstverständlich angesehene Gratis- bzw. Kostenloskultur im Internet sind mir nicht fremd. Der damit einhergehende Mentalitätswandel vieler Endverbraucher beschneidet nach meiner Ansicht jedoch einen zentralen, gesellschaftlichen Punkt: die Pluralität unserer Informationslandschaft. Wer keine müde Mark für gut recherchierte Artikel ausgeben will, vergisst in letzter Konsequenz die Menschen dahinter – Journalisten, Redakteure, freie Autoren, Lektoren, Grafiker, Fotografen und all diejenigen, die am Monatsende von ihrer Arbeit leben und die Miete bezahlen müssen. Alleine über Anzeigen und Werbung ist dieses Dilemma in den meisten Fällen schon lange nicht mehr zu lösen. Einzelnen Printprodukten wie Tageszeitungen, aber auch Programm- und Jugendmagazinen  geht es vor diesem Hintergrund „heftig an den Kragen“. Wer grundsätzlich nicht für journalistische Inhalte (im Internet) bezahlen möchte, muss in Zukunft vielleicht auf seine Lieblingslektüre verzichten. Eine unfreiwillige Form von Minimalismus. Umformen beginnt im Kopf Umso mutiger ist es, wenn Blattmacher einen anderen Weg gehen. In diesem Fall sind es Richard Gasch …

Nachlese: Luxus der Einfachheit. Eine Ausstellung

Alternative Lebensformen haben viele Gesichter. Sich für einen Alltag jenseits der Norm zu entscheiden, resultiert aus unterschiedlichen Gründen. Eine Gruppenausstellung im Münchner Stadtmuseum versucht, den sog. „Gegenkulturen“ durch internationale Foto- und Videoarbeiten nachzuspüren. Mit fragwürdigem Erfolg. Sie sind ökologisch orientierte Selbstversorger, Hippies, Einsiedler, Pilger und Punks, sind Angehörige eines Klosters oder einer religiösen Glaubensgemeinschaft. Ihnen allen gemeinsam ist der Wunsch, aus der Leistungs- und Überflussgesellschaft auszubrechen. Ihr Ziel: eine bessere Welt finden. „Werthaltigkeit, Sinnhaftigkeit und Glück“ lauten die Werte, die im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung abhandengekommen zu sein scheinen. Die Protagonisten der hier gezeigten Exponate verkörpern Selbstbestimmung, Spiritualität, Einfachheit und innere Freiheit. So steht es zumindest auf der Homepage des Museums. Doch beim Betrachter kommen diese Ideale nur schwer an. Alternative Lebensformen als lebensfremdes Klischee Da sitzen jugendliche Protestler mit Irokesenschnitt auf einer Festivalwiese zwischen Unrat und Schlamm. Dort wird ein Schulkind von einem Lehrer im Klassenzimmer verprügelt. Hier steht ein nackter Mann im Wald, ein kleiner Junge trinkt Milch aus dem Euter einer Ziege, eine Gruppe von Bauwagenbewohnern gewährt Einblick in die eigenen …

Geschichten aus der großen Stadt 5: Teilen macht glücklich

Was für eine coole Aktion: Mit seinem „Karmaticket“ bringt ein Nürnberger Student den Bürokratenschimmel des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) auf Trapp. Warum? Er fordert seine Mitfahrer auf, Einzelfahrkarten mit anderen zu teilen. Schließlich ist man nur selten wirklich die gesamten 90 Minuten unterwegs. Man könnte also ein noch gültiges Ticket einfach weitergeben. Dass das nicht erlaubt ist, steht ja so ausdrücklich nicht auf dem Schein… Deshalb hat der findige Student eine Tickettasche zum Selbstbasteln gestaltet, die man in den Bahnhöfen aushängen kann. Teilen leicht gemacht. Wäre da nicht der VGN. Der findet diese Idee einer gelebten Sharing-Community gar nicht lustig. Denn natürlich ist eine Fahrt juristisch an eine Person gebunden, wie die Verantwortlichen deutlich angesäuert der Süddeutschen Zeitung erklären. Ob man nun rechtliche Schritte einleite, habe man aber noch nicht geprüft. Was für ein wunderbares Beispiel gelebter Alltagsanarchie! Doch warum eigentlich nicht? Einfach mal den Grundgedanken dieser Aktion weiterdenken… Wäre es nicht möglich, den öffentlichen Nahverkehr in den Großstädten zum Allgemeingut einer Sharing-Ökonomie zu machen? Ein kostenloses Ticket für alle würde sicherlich einen großen Anreiz …