Alle Artikel mit dem Schlagwort: Recycling

Less Waste: Grüne Lesertipps für Einsteiger

Minimalisten sind Gewohnheitstiere. Nachdem sie sich für ein reduziertes, entrümpeltes, vereinfachtes und nachhaltigeres Lebensmodell entschieden haben, tragen sie standardmäßig Jutebeutel und Mehrwegbehälter bei sich. Reflexhaft verweigern sie Plastiktüten, lehnen Give-aways ab und recyceln voller Selbstverständlichkeit wertvolle Rohstoffe. Klingt nach Klischee? Gewohnheiten und Komfortzone den Rücken kehren Tatsächlich geht es mir um die Botschaft dahinter: Wir alle sind Kinder unserer Zeit, unserer Erfahrungen, Erziehung, Sozialisation, unseres kulturellen und wirtschaftlichen Umfelds und sicherlich noch viel mehr. Aus dieser Gemengelage entstehen persönliche Gewohnheiten, haben sich bestimmte Reaktionsmuster als treue und zuverlässige Begleiter herausgebildet, von denen wir oftmals nicht lassen können oder wollen. Ist ja auch kuschelig in der Komfortzone, egal, ob es um Verhaltens-, Denkweisen oder schlichtweg um Gefühle geht. Wer den Begriff „Gewohnheiten“ bei Google eingibt, erhält als Ergänzung sofort den Zusatz „ändern wie lange“ vorgeschlagen. Das kommt nicht von ungefähr. Allein kalendarisch betrachtet gibt es unzählige willkommene Anlässe, unsere täglichen Doings einem Reset zu unterziehen bzw. zu „optimieren“. Frei nach dem Motto: Der nächste Jahreswechsel steht schon vor der Tür. Der nächste runde Geburtstag ebenfalls. Wer …

Nachlese: Adieu, Wachstum! (Norbert Nicoll)

Wir schreiben das Jahr 1900. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert besaß der mitteleuropäische Haushalt durchschnittlich 400 Gegenstände. Eine traumhafte Vorstellung für viele „moderne“ Minimalisten. Ein Alptraum für die Wirtschaft. Denn sie trichtert den Menschen nur ein Ziel ein: Nicht mit dem Kaufen aufhören. Um diese Maschinerie am Laufen zu halten, forciert die Industrie ein perfides Wechselspiel aus geplanter Obsoleszenz, Krediten und Werbung. Und das äußerst erfolgreich. In den Industriestaaten scheint der Konsum von Wohlstandsballast kein Ende zu kennen, obwohl 80 Prozent aller erworbenen Güter lediglich einmal ge- bzw. benutzt werden. Das hat massive Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft. Denn ein dauerhaftes exponentielles Wachstum ist auf einem endlichen Planeten unmöglich. Für unser kapitalistisches System bedeutet das: Mit Wachstum gehen wir unter den gegebenen Bedingungen zugrunde, ohne Wachstum aber auch. Warum das so ist, hat Norbert Nicoll in seiner interdisziplinären Darstellung Adieu, Wachstum! Das Ende einer Erfolgsgeschichte umfassend dargestellt. Eine interdisziplinäre Geschichte der kapitalistischen Wachstumsidee Geologie, Geschichte, Ökologie, Ökonomie, Politik, Soziologie: Der promovierte Politikwissenschaftler Nicoll nimmt den Leser mit auf eine Reise, die den Homo Sapiens …

Minimalismus oder Das (Aus)Halten der Leere

Vor ein paar Tagen hat jemand das Wort „leer“ im Zusammenhang mit unserer neuen Wohnung benutzt. Oder war es „leerer“? Egal. Jedenfalls sind diese Momente so etwas wie die Freuden des kleinen Minimalisten, hier der Minimalistin; Twitter-Follower wissen mehr. Minimalismus, was nun? Und diese Person hat recht. Wir haben schon vor dem Umzug, während des Umzugs und selbstverständlich nach dem Umzug – also in nahezu sämtlichen (grammatischen) Fällen – ausgemistet, sortiert, verkauft, gespendet etc. Und so langsam macht sich der Aktionismus auch bemerkbar. Die Räume öffnen sich, werden luftiger, lassen sich schneller aufräumen und einfacher sauber halten. Von gähnender Leere möchte ich hier dennoch nicht sprechen. Würde man die schärfsten Kritiker unter den Minimalisten befragen, die 100-Gegenstände-und-weniger-Besitzer, kämen wir wohl auf den Platz „Messies unter den Minimalisten“. So viel Selbstironie und Hand-aufs-Herz muss sein. Tatsächlich gibt es eine weitere Sache bei der ganzen Declutter-Nummer,  mit der man im Laufe der Zeit konfrontiert wird: Man muss die neue Leere (aus)halten können, als da u.a. wären: 1. Von analogem auf digitalen Krempel umzustellen ist nichts anderes als von …