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Digital Decluttering: Checkliste Online-Ordnung

Was haben wir während des Lockdowns nicht alle unser Zuhause auf Vordermann gebracht. Solange wir zu den Glücklichen gehörten, die oft nicht „mehr“ tun mussten, als zuhause zu bleiben, sahen wir uns schließlich intensiv wie selten zuvor mit den eigenen vier Wänden konfrontiert. Wenn der physische Radius sich größtenteils auf das eigene Zuhause erstreckt, ist es schließlich naheliegend, sich mehr mit eben jenem auseinanderzusetzen. Und damit meine ich nicht einmal die längst überfällige Renovierung des Wohnzimmers oder den Balkon, den wir endlich so gepimpt haben wollten, wie wir es uns in unserer Pinterest-Pinnwand von 2017 vorgenommen hatten. Vielmehr war für das gute alte Aufräumen und Entrümpeln, dem Marie Kondo bereits vor einigen Jahren einen Neuanstrich verpasst hatte, jetzt endlich auch die Zeit gekommen.

Keine Frage – ein gemachtes Bett und ein aufgeräumter Schreibtisch können Wunder wirken. Da mag unser digitales Umfeld im Vergleich zunächst weniger sichtbar und greifbar wirken. Und dennoch kann sich dessen Zustand nicht minder auf unser allgemeines Wohlbefinden auswirken. Denn ganz schleichend, und doch nicht unerwartet, ist spätestens mit Corona unsere digitale Umwelt für viele unser zweites Zuhause geworden.

Doch wie steht es um unseren Zweitwohnsitz? Wie kümmern wir uns um unsere Desktops, Mails und Dateien?

Digitale Unordnung
Ein Blick ins E-Mail-Postfach: Nach zehn Jahren haben sich 14.000 Mails angesammelt. Bestellbestätigungen, Arbeitsmails, aber vor allem auch Newsletter über Newsletter. Irgendwie hat es ja immer ganz gut funktioniert… schließlich müssen wir nur den Laptop zuklappen und der digitale Clutter fühlt sich so gut wie bereinigt an. Alternativ können wir uns für relativ wenig Geld eine neue Festplatte kaufen oder Daten in die Cloud laden. Wir stoßen kaum an Grenzen. Aus den Augen, aus dem Sinn – so die Idee. Beinahe verständlich, dass in unserem oft hektischen Alltag immer andere Dinge wichtiger waren, als Ordnung in das Chaos zu bringen. Doch letzten Endes stehen wir vor einem riesigen Haufen – oft unsortierter Daten – die wir als digitalen Ballast mit uns herumtragen.

Unser analoges Dasein hat sich in großen Teilen ins Digitale verlagert – mit allen Vor- und Nachteilen

Denn Lebensbereiche haben sich verlagert. Telefon, Terminkalender, Fotoalbum, Notizbuch, Dokumentenordner… Während die Liste sich endlos fortführen ließe, läuft all das auf unseren Screens zusammen. Wir übertragen zunehmend Teile unseres Alltags in das Digitale. Oft ohne dafür die gleichen Konsequenzen zu ziehen wie in der analogen Welt.

Analoges vs. Digitales Aufräumen
Aufräumen kennen wir meistens eigentlich alle noch ganz langweilig und analog. Damals eher noch als ungeliebte Aufgabe, die uns von unseren Eltern aufgedrückt wurde. Jedoch mussten wir spätestens nach dem ersten Umzug in ein eigenes WG-Zimmer oder in eine Wohnung zähneknirschend feststellen, wie essentiell ein Grundmaß an Ordnung für unser Wohlbefinden ist. Ganz klammheimlich haben wir dann vielleicht sogar begonnen, Freude daran zu finden. Haben gemerkt, wie wohltuend und geistig befreiend bereits der Prozess des Aufräumens selbst sein kann.

Was wir jedoch wohl kaum in unserer Erziehung gelernt haben, ist die Bedeutung des Digital Decluttering. Zu schnell und rasend kamen dafür die Digitalisierung und deren Auswirkungen in unser Leben. Es wird höchste Zeit, das Bewusstsein für digitale Ordnung auch als essentiellen Teil unseres digitalen Lifestyles zu sehen. Denn für die Meisten von uns hat digitale Ordnung oft immer noch nicht den gleichen Stellenwert wie die Ordnung des eigenen Zuhauses. Während Pizzakartons, dreckiges Geschirr und die Wäsche von letzter Woche sich schnell stapeln, aufdrängen und uns unwohl fühlen lassen, beherrschen wir digital ganz wunderbare Vermeidungsstrategien.

Erfahrungen, Tricks und Tipps aus dem Alltag von Minimalistinnen und Minimalisten

Tipps, Tricks und Tools
Dabei geht es auch anders. Es gibt kein Richtig und kein Falsch – jeder kann seine ganz individuelle Strategie für mehr geistige Leichtigkeit, auch im Digitalen, finden. Zum Glück ist das nämlich einfacher als man denkt. Anbei findet Ihr ein paar Tricks und Tipps, die Euch dazu anregen können, Eure ganz eigene Methode zu finden.

  1. Verbinden wir zunächst das Angenehme mit dem Nützlichen und schaffen Freiraum auf dem Desktop. Sieht direkt viel besser aus und motiviert zum Weitermachen! Sobald Ihr Euren Schreibtisch einmal aufgeräumt habt, könnt Ihr, falls nötig, einen „Vermischtes“-Ordner (ggf. mit Unterkategorien) anlegen, falls Ihr einige Dateien doch einmal direkt zur Hand haben wollt. Fegt diesen regelmäßig durch und erfreut Euch beim Starten des PCs zunächst am schönen, cleanen Schreibtisch, der Euch als Erstes begrüßt.
  1. Das Wichtigste, der Anfang, ist bereits gemacht. Von jetzt an ist alles eine Frage der richtigen Einteilung. Bei allem Enthusiasmus solltet Ihr auch hier eins nach dem anderen angehen. Das gilt für Dokumente und Bilder genauso wie für E-Mails. Schließlich soll es ja Spaß machen (ja, wirklich). Erstellt für Euren zu bereinigenden Clutter am Besten zunächst einmal Ordner, je nach Realisierbarkeit nach Monat oder Jahr. Vielleicht könnt Ihr Euch ja eine feste Zeit einplanen, in der Ihr Euch wöchentlich einer machbaren Herausforderung annehmt. Belohnungsgefühle garantiert! Und ganz nebenbei entdeckt Ihr vielleicht kleine Juwele: Fotos und alte E-Mails von Freunden, die alte Erinnerungen wecken und ihren eigenen Platz bekommen.
  1. Falls sich Eure E-Mails wie bei mir auch metaphorisch haushoch stapeln, solltet Ihr Euch zunächst den Newslettern widmen. Leider sind sie der Killer Nr. 1 für jedes aufgeräumte Postfach. Seid hier daher radikal. Ein paar Lieblinge dürfen bleiben, aber in unserem analogen, „wirklichen“ Briefkasten möchten wir ja auch keine ständigen Gratisflyer finden. Qualität geht hier eindeutig vor Quantität.
  1. Lasst die Technik für Euch arbeiten: Das automatische Sortieren von bestehenden wie ankommenden E-Mails in entsprechende Ordner kann die Ordnung enorm erleichtern. Mit den meisten gängigen Mail-Programmen (z.B. bei Apple Mail, Outlook, Google Mail und Thunderbird) könnt Ihr Mails von wiederkehrenden Absendern durch sogenannte Filter oder Regeln ihrem künftigen Bestimmungsort zuweisen.

Von nun an sollte Eurer digitalen Ordnung nichts mehr im Wege stehen. Ich wünsche Euch viel Freude beim Aufräumen – damit Ihr Euch danach mit freiem Kopf digital ausleben könnt. Habt Ihr noch weitere Tricks und Tipps? Teilt sie gerne in den Kommentaren.

Über die Autorin
Dorothea ist 23 Jahre alt, lebt in Berlin und beschäftig sich privat seit Längerem mit den Themen Minimalismus und Entschleunigung. Als Mitglied der Generation Y und den damit einhergehenden Prägungen kann sie ihre „ganz eigene Sichtweise auf die Dinge“ beitragen. Bis zuletzt hat sie bei einer Kreativagentur für Kinowerbung als Junior Account Manager gearbeitet. Derzeit befindet sich Dorothea in einer Orientierungsphase und baut auf Basis ihres langjährigen Hobbys – des Schreibens – eine Portfolio-Seite als Texterin auf.

Praxistipps Minimalismus: Mitmachen
Wie lebt Ihr minimalistisch(er)? Schreibt uns eine E-Mail oder meldet Euch direkt über unsere Mitmachen-Seite. Gerne veröffentlichen wir Eure Erfahrungen auf unserem Blog. Wer mag, packt noch ein kurzes Foto von und ein paar Worte über sich dazu. Auch Vorher-Nachher-Aufnahmen sind herzlich willkommen.

Beitragsbild © Jeff Sheldon on Unsplash, Autorenfoto © Dorothea Klein privat.

Mehr berufliche Freiheit durch Minimalismus

Viele feinfühlige Menschen sitzen in einem Job fest, in dem sie sich nicht wohlfühlen. Gleichzeitig trauen sie sich aber auch nicht, den Arbeitsplatz zu wechseln – zu groß ist die Angst, möglicherweise keinen adäquaten Ersatz zu finden. Deswegen machen viele weiter wie bisher, nicht selten auf Kosten der eigenen Gesundheit. Heute möchte ich Dich dazu einladen, eine etwas ungewöhnliche Option der beruflichen Neuorientierung ins Auge zu fassen: Das minimalistische Leben.

Minimalismus – eine Art, das Leben konsumreduzierter zu gestalten
Wenn Du minimalistisch lebst, kaufst Du Dir möglicherweise kein nagelneues Auto oder nicht die neueste Jeans. Du fährst nicht für 2000 Euro in den Urlaub, sondern für 900 – und das nicht dreimal, sondern maximal einmal im Jahr. Du besitzt keine teuren Markengeräte bzw. überlegst Dir, ob das eine oder andere Gerät wirklich notwendig ist. Genauso wenig muss das Freizeitprogramm immer ein „kostenpflichtiges“ sein. Vielleicht drehst Du ja eine abendliche Spazierrunde im Heimatort, triffst Freunde in den eigenen vier Wänden oder entleihst (solltest Du eine Leseratte sein) regelmäßig ziemlich viele Bücher aus der Bibliothek. Weiterhin duschst Du mit Kernseife, spülst die Haare mit Apfelessig und kaufst auch mal Klamotten sowie Möbel im Gebrauchtwarenhaus.

Minimalismus-Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene direkt aus der Praxis von unseren LeserInnen für Euch

Klingt altbacken und ziemlich langweilig? Manche werden das so sehen. Andere wiederum führen sich die Vorteile dieses einfachen Lebens zu Gemüte. Es bietet aufgrund der (bewusst gewählten!) Reduzierung nicht gerade wenige: Vier Pluspunkte, die für Minimalismus sprechen.

1. Mehr Geld in der Tasche
Wenn Du weniger Geld für (zusätzlichen) Luxus ausgibst, kannst Du mehr sparen – das ist ein ganz einfacher Fakt. Ein Beispiel: Wer ein Haus kauft, wird sehr wahrscheinlich Schulden machen. Doch das ist nicht das Ende der Fahnenstange. So ein Haus zu unterhalten kostet auch Geld. Mal ist die Heizung kaputt, dann muss gestrichen oder ein Rasenmäher angeschafft werden oder Pflanzen für den Garten. Wenn Du zur Miete wohnst, fällt vieles davon weg, Du hast weniger Arbeit damit (also mehr Zeit für Dich) und kannst mehr zur Seite legen. Merke: Ein finanzielles Polster im Hintergrund lässt einen im Normalfall deutlich entspannter auf einen möglichen Jobwechsel schauen als ein Konto im Minus. So kannst Du, wenn es hart auf hart kommt, durchaus auch mal einen oder zwei Monate der Nichtbeschäftigung überbrücken.

2. Freier in den Entscheidungen
Wenn Du weniger konsumierst, kannst Du freier entscheiden – das haben schon viele feinfühlige Menschen erkannt. Stell‘ Dir vor, eine Tätigkeit auszuüben, die Dich zwar unglücklich macht, Dir aber gleichzeitig ein wunderbares Leben finanziert, d.h. Du wohnst in Deiner Traumwohnung, fährst Dein Traumauto, düst mit Freunden mehrmals im Jahr in den Wellness-Urlaub, klagst aber währenddessen ständig über den Job. Das vermiest Dir ganz schön die Laune – und nebenbei bemerkt: Deinem Umfeld auch. Das Problem dabei ist, dass Du ja gar nicht anders handeln kannst, d.h. Du musst diesen Job ausüben, um diesen „hohen“ Lebensstandard zu finanzieren. Überlegung: Wäre es vielleicht nicht auch ein guter Tausch, ein paar Einschnitte im persönlichen Konsum zu machen, dafür aber einen (möglicherweise schlechter bezahlten) Job anzunehmen, für den Du brennst?

3. Ein gesünderes Leben führen
Viele (nicht nur sensible!) Menschen führen ein Leben im Dauerstress – die zahlreichen Burnout-Kranken in den Kliniken können ein Lied davon singen. Dabei ist es doch so: Wenn Du weniger konsumierst, brauchst Du weniger Geld, welches am Monatsanfang auf dem Konto eingehen muss. Wenn weniger Geld eingehen muss, könntest Du auch weniger arbeiten (natürlich nur, sofern Du das willst und Dein Arbeitgeber das mitmacht). Solltest Du Dich also in einem kraftraubenden Jobhamsterrad befinden, ist es eine realistische Option zu prüfen, ob es nicht möglich ist, die Arbeitszeit zu reduzieren und damit dem Dauerstress zu entgehen. Gerade empfindsame Menschen brauchen noch mehr als andere ein gesundes Maß an Anspannung und Entspannung, um beruflich das Beste aus sich herauszuholen. Ein Leben im Jobhamsterrad ist das Gegenteil davon.

Nicole bietet empfindsamen Menschen in schwierigen Lebenslagen Unterstützung an

4. Bewusster leben
Vor Kurzem las ich einen interessanten Artikel über beruflich erfolgreiche Personen, die ein überdurchschnittliches Gehalt für sich verzeichnen können. Jeder der Interviewten führte ein Leben, das so ziemlich nichts vermissen ließ. Finanziell gesehen hatten sie wirklich alles, nur eines fehlte einem jedem von ihnen: Zeit. Zeit ist ein Luxus, der nicht zu unterschätzen ist. Wenn Du Zeit hast, kannst Du Dich auf die wirklich wichtigen Dinge (soziale Kontakte, intellektuelle und spirituelle Beschäftigungen, Hobbys usw.) konzentrieren. Wenn Du das tust, spürst Du Dich wieder selbst und erkennst besser, was Dir guttut und was nicht. Zeit schafft auch die Möglichkeit, herauszufinden was Du beruflich machen willst. Wenn Du Zeit hast, kannst Du vielleicht ein Praktikum in einem Berufszweig absolvieren, der Dich immer schon interessiert hat, ein Fernstudium belegen. Oder aber erste nebenberufliche Schritte in einer möglichen Selbständigkeit wagen. Wer weiß, vielleicht ist das Dein Startpunkt in eine völlig neue berufliche Existenz?

Aber wie ist es, wenn ich mir Minimalismus nicht „leisten“ kann?
Möglicherweise verzichtest Du jetzt schon auf vieles und Dein Einkommen ist so gering, dass an so etwas wie Sparen gar nicht zu denken ist? Auch hier gibt es viele Möglichkeiten, trotzdem ein aktives und positives Leben zu führen. Von den Lesern meines Blogs habe ich hierzu schon verschiedenste Erfahrungsberichte bekommen, wie sogar mit wenig Einkommen das Leben ein Stück lebenswerter gemacht werden kann. Ein paar Beispiele:

Minimalismus bedeutet in diesem Fall nicht nur Verzicht, was vielleicht kaum möglich ist, sondern eine aktive Verbesserung der eigenen Situation mit den bestehenden Mitteln.

Fazit
Minimalismus ist eine Lebensform, die berufliche Freiheit verschaffen wird – sofern das ein Weg ist, den Du für Dich mit all seinen Konsequenzen bejahen kannst. Sicherlich ist es herausfordernd, seine Ausgaben herunterzufahren und einen weitaus geringeren Lebensstil zu praktizieren. Ich denke da an diejenigen, die dies gezwungenermaßen tun müssen, weil sie mit ihrem Gehalt nur knapp über die Runden kommen. Wenn Du jedoch die Möglichkeit hast, hier bewusst wählen zu können, schaffst Du Dir etwas, was nicht zu unterschätzen ist: persönliche Freiheit und ein bewussteres bzw. stressfreieres Leben. Eines noch: Ich verurteile nicht diejenigen Menschen, die viel arbeiten und sich einen hohen Lebensstandart leisten möchten. Jeder darf für sich selbst entscheiden, wie er sein Leben lebt und was für ihn zählt.

Erinnern wir uns abschließend noch an Friedrich Nietzsche, der sinngemäß sagte: „Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.“ Meine Frage an Dich: Wie ist Dein Standpunkt dazu?

Über die Autorin
Nicole Lindner ist Sozialpädagogin und betreibt eine Onlineplattform für feinfühlige Menschen, die nach persönlicher und beruflicher Entwicklung streben. In ihrem Buch „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben. Wie Sie Beruf und Ihr Naturell in Einklang bringen können“ führt sie ihre Leser Schritt für Schritt in ein erfüllendes Berufsleben.

Praxistipps Minimalismus: Mitmachen
Wie lebt Ihr minimalistisch(er)? Schreibt uns eine E-Mail oder meldet Euch direkt über unsere Mitmachen-Seite. Gerne veröffentlichen wir Eure Erfahrungen auf unserem Blog. Wer mag, packt noch ein kurzes Foto von und ein paar Worte über sich dazu. Auch Vorher-Nachher-Aufnahmen sind herzlich willkommen.

Beitragsbild © Sonja Sedlmaier (fotografie-sedlmaier.de), alle übrigen Abbildungen – soweit nicht anders angegeben – © Nicole Lindner privat.

#MoreMoments 15: Durch Grenzerfahrung zum Minimalismus

Ich war über 20 Jahre im Non-Profit-Bereich tätig, immer bei der gleichen Organisation. Vor eineinhalb Jahren erlebte ich ein stärker werdendes Mobbing in Form von Ausgrenzungen, Schlechtreden, Fehlersuche etc. mit dem erklärten Ziel, dass ich aus der Organisation bzw. aus der Zweigstelle ausscheide. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass mir das passieren könnte. Denn ich habe meine Arbeit doch immer ordentlich und zufriedenstellend ausgeführt.

Jedenfalls hat mich diese Situation mehr und mehr zermürbt und fertiggemacht. Zum Glück habe ich ein gutes Umfeld, das mich gestützt hat – sonst hätte ich das nie so lange ausgehalten und wäre heute völlig kaputt und am Ende. Darüber hinaus ist mein „Mindset“ ein wichtiger Faktor gewesen, um dieses Verhalten mir gegenüber wenigstens teilweise zu überstehen – wenn auch mit Blessuren. Andere Kollegen haben mich immer wieder gefragt: „Wie kannst Du das nur aushalten?“ Als dritte Stütze habe ich die Kunst, die mir in dieser Zeit sehr geholfen hat, nicht unterzugehen.

Out of the Dark. Wenn man selbst im dunklen Schacht sitzt, sieht man keinen Ausweg, alles wird infrage gestellt

Aber ich stellte mir auch grundsätzliche Fragen zum Leben insgesamt:

  • Brauche ich so viel Konsum, so viele Dinge zum Leben?
  • Brauche ich immer die letzte Mode und das Geschrei der Werbung, dieses oder jenes unbedingt als „Must-have“ haben zu müssen? Wer definiert dieses „Must-have“?
  • Warum drehe ich jahrein jahraus meine vielen Runden in diesem Hamsterrad? Was bringt es mir am Schluss – außer Krankheit, Unwohlsein und das Gefühl, Jahrzehnte an Lebensqualität an einen Arbeitgeber verschenkt zu haben?
  • Möchte ich so enden wie viele Arbeitnehmer, die mit ein paar Worten und einem blöden Geschenk in den Ruhestand oder die wohlverdiente Pension entlassen werden, halb krank und ausgelaugt?

Die Antwort war klar: Nein. Es braucht nicht mehrere Autos, es braucht nicht so viele Spielsachen für die Kinder, nicht so viel an Kleidung, Kosmetik etc. Ganz im Gegenteil: Es belastet einen, wenn so viele Möbel im Haus herumstehen und die Fensterbretter so voll sind, dass man das Fenster gar nicht mehr richtig sieht. Dekoartikel, die irgendwann einmal gekauft oder verschenkt wurden, sind keine Bereicherung, sondern nur Ausdruck einer Gedankenlosigkeit. Warum sollte ich immer noch mehr und noch mehr kaufen? Immer noch mehr konsumieren? Konsum ist ja nicht einfach wohltuend, sondern kann sogar krank machen. Mir hat der Konsum nun keine Freude mehr gemacht. Vielmehr habe ich das „Immer noch mehr“ als Belastung erlebt.

Aus dem Tal ins Licht – der Übergang zum Minimalismus ist eine spannende Entdeckungsreise

Durch die schreckliche Situation am Arbeitsplatz lernte ich, neu über mein Leben nachzudenken und mich neu auszurichten. Der Schmerz der Arbeitssituation führte dazu, dass ich das gesamte System, auf dem unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben aufbaut, hinterfragte: Immer noch mehr kaufen – wo soll dies enden? Wo dies endet, deutet sich schon schemenhaft am Horizont an: Klimawandel, Plastik in den Weltmeeren, in unserem Fisch. Abbrennen des Regenwaldes für noch mehr Fleisch von Tieren, die unter erbärmlichen Zuständen gehalten werden.

Und plötzlich entsteht etwas Neues, etwas, was mehr ist als eine Mode: eine minimalistische Lebenseinstellung

Wandel im Leben
Ich habe mich entschieden zusammen mit der Familie einen Wandel in unserem Leben einzuleiten. Der langjährige Job ist gekündigt, das Konsumverhalten verändert sich, der Fleischkonsum wurde schon drastisch reduziert, der Kauf von Plastikdingen passiert zwar immer noch, aber mittlerweile bewusster und reduzierter. Wesentlich dazu mitgeholfen hat meine neue Passion, die immer in mir schlummerte. Es ist die bildende Kunst, die mich die letzten Jahrzehnte stets begleitet hat. Die Beschäftigung mit Kunst zum Thema „Minimalismus“ ist für mich jedoch etwas ganz Spannendes und Belebendes. Denn dieses Thema trägt so viel in sich, dass es für mich nicht einfach eine Modeerscheinung ist, sondern Ausdruck eines neuen Lebensgefühls. Ich möchte dieses Lebensgefühl in meiner Kunst ausdrücken: Weniger ist mehr. Konzentriere Dich auf das Wesentliche. Denn die wichtigsten Dinge im Leben sind kostenlos: Atmen, Schlafen, Wasser, Luft, die Liebe zu anderen Menschen, die Pflege von alten und guten Freundschaften etc. – das sind die wesentlichen Dinge, die das Leben lebenswert machen.

Kunst zum Thema Minimalismus
Die Beschäftigung mit Kunst zum Thema Minimalismus gibt mir zum einen die Bestätigung dieses neuen Lebensgefühls, das mir neuen Mut schenkt, das Leben aktiv und mit Zuversicht anzugehen. Zum anderen erfüllt es mich mit großer Freude, zum Beispiel mit Action Painting diese Konzentration auf das Wesentliche kreativ und konstruktiv umzusetzen. Diese Beschränkung auf das Wesentliche möchte ich visuell sichtbar werden lassen.

Über den Autor
Joe Curtain Wall ist passionierter Maler zum Thema „Weniger ist mehr“ mit dem Fokus auf Loslassen und Minimalismus. Er ist verheiratet und hat fünf Söhne. Auf seinem Blog joecurtain.com zeigt er Kunst für Menschen, die das Wesentliche lieben, und veröffentlicht seine Gedanken zu einem bewussteren und reduzierten Leben.

Über Feedback und Gedankenaustausch zum Thema „Less is More“ freut Joe sich.

Alle Abbildungen © Joe Curtain.

More Moments.
Du willst anderen Menschen zeigen, was Dein Leben erfüllt, was Dich wirklich glücklich macht und bereichert? Du „sammelst“ lieber schöne Momente als Dinge und verbringst Zeit mit etwas Wertvollerem als mit compulsory consumption? Dann melde Dich bei uns und erzähle Deine (Minimalismus-)Geschichte. Wir freuen uns auf Dich.

#MoreMoments. Was wirklich wertvoll ist im Leben. Die aktuelle Blogserie auf Minimalismus21. Alle (vorherigen) Teile der Serie findet ihr unter dem Suchbegriff #MoreMoments rechts oben (Lupe) und natürlich bei Twitter. Zu Teil 1 und Teil 2 sowie zu Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6, Teil 7 sowie Teil 8, Teil 9 Teil 10, Teil 11 und Teil 12 plus Teil 13 und Teil 14.