Alle Artikel mit dem Schlagwort: entrümpeln

Nachlese: Dan-Sha-Ri (Hideko Yamashita)

Sie werden Aufräumkönige genannt. Oder Clutter Consultants. Manchmal auch Entrümpelungsexperten oder einfach nur Coaches. Mit ihren Ratgebern füllen sie längst ungezählte Regalwände auf ungezählten Metern weltweit. Und dennoch ist der Trend zu aktuellen Publikationen rund um Minimalismus sowie ein einfaches und bewusstes Leben ungebrochen. Wie viel Lektüre muss man aber eigentlich konsumiert haben, um die Kunst des Loslassens zu erlernen? Aber noch interessanter: Wie viele (andere) Bücher sind – frei nach der Romanfigur Edgar Wibeau („Die neuen Leiden des jungen W.“) – in einem enthalten? Fast alle (anderen)? Ich selbst bin bei Neuerscheinungen zum Thema mittlerweile skeptisch geworden. Aber dennoch neugierig geblieben. Das Leben entrümpeln, die Seele befreien: Das verspricht die Japanerin Hideko Yamashita seit 2017 mit ihrer deutschen Ausgabe von Dan-Sha-Ri in drei simplen Schritten. Was am Ende zu drei Millionen verkauften Exemplaren rund um den Globus führte. Und zu neuen Denk- und Sichtweisen auf meiner minimalistischen Reise. Bereits 2009 veröffentlichte Yamashita ihr Buch in Tokyo und reiht sich damit neben Bestsellerautorin Marie Kondo („Magic Cleaning“) ein. Im Mittelpunkt der rund 190 Seiten steht …

Weniger Kram, mehr Grün. Einfach anders wohnen

Vom Behalter zum Wegschmeißer sei er geworden und habe dabei seine Begeisterung für Entrümpeln und Kompaktmöbel entdeckt. Diese Begeisterung merkt man Daniel Fuhrhop („Verbietet das Bauen“) deutlich an. Eineinhalb Stunden sprach der ehemalige Architekturverleger Ende April in München über die Frage, wieviel Platz wir eigentlich zum Wohnen brauchen. Aufhänger: Seine aktuelle Publikation aus dem oekom Verlag, in welcher der Autor 66 Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaft und grüne Städte vorstellt. Denn diese Kombination gilt mittlerweile ernsthaft als gefährdet. Allein in der bayerischen Landeshauptstadt sind nach einem Bericht der Abendzeitung bereits zwei Drittel zugebaut, die Hälfte der bebauten Siedlungs- und Verkehrsfläche ist vollständig durch Asphalt, Beton und Häuser abgedichtet. Fuhrhops Fazit: Die eigene Entscheidung für den Umgang mit Platz beeinflusst u.a. den generellen Umgang mit Wohnungen. Oder anders formuliert: Jede Schublade weniger macht unsere Städte grüner. Denn woraus besteht ein neues Baugebiet? Aus Häusern mit vielen Räumen, in denen viele Schränke mit noch mehr Schubladen stehen. Darum hilft Platzsparen, Freiflächen zu bewahren. Dass Referent bzw. Verlag für diesen Vortragsabend das Lovelace in der Münchner …

Nachlese: Minimalismus. Der neue Leicht-Sinn

Ein großes Haus, ein Auto, ein sechsstelliges Jahresgehalt, ein hochrangiger Jobtitel. Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus verkörperten genau das, was als eine – wenn nicht die – gesellschaftlich anerkannte Formel von Glück gelten kann: Materialismus und Leistung. Oder wie sie selbst sagen: Wir lebten unsere Version des American Dream. Dem Plus auf dem Konto sowie dem sozialen Status stand jedoch ein emotionales Minus namens „Unzufriedenheit“ gegenüber. Der Versuch, Glück zu erarbeiten und zu kaufen, war über die Jahre zu einer schleichenden Sucht inklusive Schuldenberg geworden, unstillbar und mit einem zügellosen Verlangen nach immer Mehr. Als Joshuas Mutter Ende 2009 ihrem schweren Krebsleiden erliegt, fangen die schönen äußeren Fassaden jedoch zu bröckeln an und legen das frei, was unbewusst schon längst klar gewesen war: Unsere Zeit auf dieser Erde ist endlich. Man kann sie mit dem Anhäufen von Geld oder auf sinnvolle Weise verbringen, wobei das Letztere das Erste nicht ausschließen muss. Doch das unablässige Streben nach Reichtum bringt kein sinnvolles Leben. Was die beiden Amerikaner fortan unternahmen, lässt sich vielleicht am besten als „innere …