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Zeit für Stille: Ein Film, der keine Ruhe gibt

Er wurde bereits von vielen Medien, Magazinen, Autoren oder Blogs wie Minimalismus21 bejubelt, hoch gelobt und empfohlen – der im November 2017  erstmals im Kino ausgestrahlte Dokumentarfilm Zeit für Stille von Patrick Shen. Was soll, kann, darf ich über ein halbes Jahr später noch sagen? Nichts und doch manches. Nichts, denn der Film verdient sein Lob, beeindruckt mich und gibt (heute und garantiert auch noch in den nächsten Jahren) zu denken. Aber doch manches, denn er lässt mich einerseits die Ohren spitzen und lässt mich andererseits in einem Punkt nicht in Ruhe. Der Film trifft es auf den Punkt – und mich! Muss erst ein solcher Film her, um der „Zeit für Stille“ Gehör zu verschaffen? (Leider) ja. Eigentlich bin ich ein Mensch, der sich viel Zeit für Stille nimmt und weiß, dass er sie braucht; dachte ich. Der Film belehrt mich eines Besseren und trifft mich wie ein lauter Donnerschlag: Nein, ich nehme mir kaum Zeit für Stille, ich habe sie meistens gar nicht, bin ebenfalls ein Opfer von Großraumbüro, Networking und ständig ausgelieferter …

Nachlese: Dan-Sha-Ri (Hideko Yamashita)

Sie werden Aufräumkönige genannt. Oder Clutter Consultants. Manchmal auch Entrümpelungsexperten oder einfach nur Coaches. Mit ihren Ratgebern füllen sie längst ungezählte Regalwände auf ungezählten Metern weltweit. Und dennoch ist der Trend zu aktuellen Publikationen rund um Minimalismus sowie ein einfaches und bewusstes Leben ungebrochen. Wie viel Lektüre muss man aber eigentlich konsumiert haben, um die Kunst des Loslassens zu erlernen? Aber noch interessanter: Wie viele (andere) Bücher sind – frei nach der Romanfigur Edgar Wibeau („Die neuen Leiden des jungen W.“) – in einem enthalten? Fast alle (anderen)? Ich selbst bin bei Neuerscheinungen zum Thema mittlerweile skeptisch geworden. Aber dennoch neugierig geblieben. Das Leben entrümpeln, die Seele befreien: Das verspricht die Japanerin Hideko Yamashita seit 2017 mit ihrer deutschen Ausgabe von Dan-Sha-Ri in drei simplen Schritten. Was am Ende zu drei Millionen verkauften Exemplaren rund um den Globus führte. Und zu neuen Denk- und Sichtweisen auf meiner minimalistischen Reise. Bereits 2009 veröffentlichte Yamashita ihr Buch in Tokyo und reiht sich damit neben Bestsellerautorin Marie Kondo („Magic Cleaning“) ein. Im Mittelpunkt der rund 190 Seiten steht …

Film-Tipp: The Cleaners

Müll. Überall Müll. Auf der gesamten Straße. Soweit das Auge reicht. In allen Formen und Farben, eine Flut von Flaschen und Fetzen, ein undefinierbarer Flickenteppich aus Kunststoff. Die Kamera fängt die Bewegung einer Frau ein, die sich ihren Weg durch die triste Landschaft und den unüberschaubaren Unrat bahnt. Ein Schwenk nach oben und ein weibliches Gesicht sowie weitere Teile der Umgebung sind zu sehen – ein Elendsviertel auf den Philippinen. Mittendrin: verbalisierte Hoffnungslosigkeit. Meine Mutter hat immer gesagt: Wenn ich nicht gut lerne, werde ich als Müllsammlerin enden. Über die Mitmenschen in ihrer Umgebung verliert die Einheimische ernüchternde Worte. Sie durchwühlen den ganzen Tag Müll. Er ist ihre Existenzgrundlage. Etwas anderes haben sie nicht gelernt. […] Die Einnahmen auf den Philippinen sind sehr gering. Die Arbeit als Content Moderator macht es uns möglich, hier zu leben. Wie viel Bitterkeit und Ironie allein in dieser Szene steckt, versteht der Zuschauer erst später. Denn auch die Philippinerin hat Müll weggeräumt. Sehr viel Müll. Der lässt sich zwar nicht in Tonnen bemessen, wie es die Umweltorganisation Greenpeace in …