Alle Artikel mit dem Schlagwort: Minimalismus

Nachlese: Minimalismus. Der neue Leicht-Sinn

Ein großes Haus, ein Auto, ein sechsstelliges Jahresgehalt, ein hochrangiger Jobtitel. Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus verkörperten genau das, was als eine – wenn nicht die – gesellschaftlich anerkannte Formel von Glück gelten kann: Materialismus und Leistung. Oder wie sie selbst sagen: Wir lebten unsere Version des American Dream. Dem Plus auf dem Konto sowie dem sozialen Status stand jedoch ein emotionales Minus namens „Unzufriedenheit“ gegenüber. Der Versuch, Glück zu erarbeiten und zu kaufen, war über die Jahre zu einer schleichenden Sucht inklusive Schuldenberg geworden, unstillbar und mit einem zügellosen Verlangen nach immer Mehr. Als Joshuas Mutter Ende 2009 ihrem schweren Krebsleiden erliegt, fangen die schönen äußeren Fassaden jedoch zu bröckeln an und legen das frei, was unbewusst schon längst klar gewesen war: Unsere Zeit auf dieser Erde ist endlich. Man kann sie mit dem Anhäufen von Geld oder auf sinnvolle Weise verbringen, wobei das Letztere das Erste nicht ausschließen muss. Doch das unablässige Streben nach Reichtum bringt kein sinnvolles Leben. Was die beiden Amerikaner fortan unternahmen, lässt sich vielleicht am besten als „innere …

Minimalismus im Kinderzimmer

Ist ein minimalistisch gestaltetes Umfeld gut für die kindliche Entwicklung? Unterstützt es Kinder gar positiv? Und inwiefern ist minimalistische Ordnung und ein Weniger an Spielzeug im Kinderzimmer wichtig für ein Kind? Jeder Fortschritt eines Kindes ist stets in die gesamte Entwicklung eingebettet und geschieht durch die aktive Auseinandersetzung mit seiner Umwelt. Das Erlernen der Sprache beispielsweise steht immer im Kontext mit dem Umfeld, in dem sich das Kind aufhält. Und genau bei diesem Umfeld setzt der Minimalismus wunderbar an. Um zu beurteilen, ob Minimalismus ein angemessener Lebensstil für ein Kleinkind ist (also für Kinder von einem bis etwa fünf Jahren) und wie viel Spielzeug ein Kind haben sollte, hilft es zu wissen, wie kindliches Lernen funktioniert. Wie Kinder lernen Menschen lernen immer gleich. Lernen läuft immer nach einem bestimmten Muster ab, das bedingt ist durch die Reifung und das Wachstum des Menschen. Lernen läuft immer nach denselben Mustern ab, auch wenn jedes Kind und jede Familie immer ein bisschen anders ist. Bücher wie „Oje, ich wachse“ oder „Das gewünschteste Wunschkind“ sind deshalb super erfolgreich, weil …

Mehr Unordnung für Ordnung

Für mich ist beim Einrichten und Gestalten weniger eindeutig mehr. Ein buntes Sammelsurium herumstehender Dinge? Mein absoluter Albtraum. Viel lieber platziere ich bewusst ausgesuchte Deko-Gegenstände auf den Oberflächen meiner Möbel. So fühle ich mich wohl, habe schöne Blickpunkte und eine pflegeleichte Einrichtung. Sich selbst dafür zu entscheiden, ausschließlich ausgesuchte Dinge ins Haus zu holen, funktioniert wunderbar einfach. Bedeutend schwieriger wird es, mit all den Sachen, die tagtäglich von anderen an einen herangetragen werden, umzugehen. Familie, Freunde, Bekannte: Alle, die mich kennen, wissen beispielsweise von meinem Faible für gut gebaute Wohngegenstände. Deshalb werde ich regelmäßig mit Deko überrascht – in welcher Form und Farbe auch immer; bekomme ungefragt Vasen, Sammelfiguren, Blumentöpfe, Deko-Teller etc. Früher brachte mich das regelmäßig in eine moralische Zwickmühle: Einerseits freute es mich natürlich, wenn jemand an mich und meine Interessen dachte. Andererseits nervte es mit der Zeit immer heftiger, wenn ich ungefragt mit Dingen zwangsbeglückt wurde, für die ich mich niemals freiwillig entschieden hätte. Was soll ich mit all dem Zeug? Lange Zeit habe ich für jedes erhaltene Deko-Stück in Regalfächern, auf …