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Weihnachtsfest ohne Konsumstress – ein Plädoyer

Weihnachten kündigt sich an: Basar in der Schule, Wichteln in der Firma, Geschenkeeinkauf, Planung der Menüfolge und der Verwandtenbesuche. Für viele Menschen artet das Fest der Liebe in Stress und Streit aus. Schon Ende November kann man sich diesem Trubel oft nur schwer entziehen.

Doch wenn man sich auf das Wesentliche des Weihnachtsfests besinnt, kann man diesem alljährlichen Wahnsinn gut entgehen. Der künstlich aufgebauschte Konsumdruck verdeckt nur die eigentliche Botschaft der Geburt Jesu. Stattdessen sollte das Miteinander mit lieben Menschen, die gemeinsam verbrachte Zeit und die empathische Teilnahme am Leben des Gegenübers im Vordergrund stehen. Ob man nun gläubig ist oder Agnostiker – der Gedanke der Nächstenliebe darf nicht unter Bergen von Geschenken verschwinden.

Beeindruckend schlicht erzählt bringt Paul Austers „Auggie Wren`s Christmas story“ den Sinn von Weihnachten auf den Punkt. Diese moderne Weihnachtsgeschichte bildet die Schlussszene des Spielfilms „Smoke“. Dreh- und Angelpunkt von Austers Filmjuwel aus dem Jahr 1995 ist Auggie Wrens Brooklyn Cigar Company. Der Sammelplatz für allerlei Gestalten aus dem Viertel. Gebrochene Charaktere, Einzelgänger, Sonderlinge und gescheiterte Existenzen. Doch die Menschlichkeit schweißt sie zusammen, die Anteilnahme am Leben des Nachbarn, die gegenseitige Hilfe und Unterstützung.

So findet auch der am gewaltsamen Tod seiner Frau beinahe zerbrochene Schriftsteller Paul Benjamin (gespielt von William Hurt) zurück ins Leben. Am Ende des Films bekommt er von der New York Times den Auftrag, die diesjährige Weihnachtsgeschichte für die renommierte Zeitung zu verfassen. Doch ihm fehlt die zündende Idee. So wendet er sich an seinen Freund Auggie Wren (Harvey Keitel), den er wie immer hinter den Verkaufstresen seines Zigarrenladens findet. Gegen ein Mittagessen bekommt er eine ergreifende Weihnachtsgeschichte erzählt – über menschliche Schwächen, Verzeihen und über Nächstenliebe, ohne Kitsch und religiöse Verbrämung.

Auggie berichtet von einem Dieb, der vor Jahren in seinem Laden Schmuddelhefte geklaut hat. Bei seiner Flucht verlor der Junge seine Geldbörse. Doch Auggie brachte es nicht übers Herz, Anzeige zu erstatten. Der Vorfall gerät in Vergessenheit. Erst an Weihnachten, einsam seinen Gedanken überlassen, erinnert sich Auggie an den Geldbeutel des Jungen und entschließt sich kurzerhand, das Verlorene zurückzubringen. Er sucht die hinterlegte Andresse  auf, findet dort jedoch nur eine alte Dame vor. Die blinde Großmutter hält ihn für ihren Enkel. Kurzentschlossen spielt Auggie das Verwechslungsspiel mit und beschert der einsamen alten Frau ihr letztes glückliches Weihnachtsfest. Schwarz-weiß und ohne Dialog zeigt der Abspann des Films diese rührende Geschichte zu den warmen Klängen von Tom Waits Song „Innocent when you dream“.

Was lernen wir aus dieser wunderbaren Geschichte? Es ist so einfach, uns und andere Menschen glücklich zu machen. Nicht mit Konsum und Verschwendung, sondern mit gemeinsam verbrachter Zeit und mit wahrer Anteilnahme am anderen.

Und gerade Weihnachten ist der richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen!

Mogelpackung Carsharing?

Ich fahre gern Auto. Eigentlich. An einem lauen Sommertag durch die malerische Voralpenlandschaft oder das Fünf-Seen-Land cruisen, den Arm lässig aus dem Fenster hängen lassen und den Fahrtwind im Haar spüren… traumhaft!

Stattdessen die Realität: Stau auf dem Mittleren Ring, Stoßstange an Stoßstange in den ersehnten Feierabend. Warum ich mir das überhaupt antue?
Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist meine Arbeitsstelle nur beschwerlich und mit erheblichem Zeitverlust zu erreichen. Auch habe ich neben meinen zahlreichen Unterrichtsmaterialien stets mein eigenes Notebook dabei. Schwer beladen in U- und S-Bahn? Mehrmals umsteigen? Oder mehrere Kilometer an einer Ausfallstraße entlangradeln?
Hier siegt (noch) meine Bequemlichkeit über die Vernunft. Zugegeben ein Luxusproblem unserer westlichen Welt.

Grenzen des Individualverkehrs
Doch blickt man im Stau über den Scheibenrand seiner kleinen abgeschirmten Fahrgastzelle, sieht man meist ebenfalls nur eine Einzelperson pro Fahrzeug – eine endlos lange Blechkolonne lang.
Schnell den Gedanken beiseite geschoben, dass der Individualverkehr selbst in Städten wie München schon längst an die Grenzen seiner Möglichkeiten gestoßen ist. Kopf in den Sand gesteckt, Auto in der Garage geparkt, erleichtert, wenigstens einen der in unserem Viertel seltenen und daher heiß begehrten Stellplätze ergattert zu haben.

Viel zu viele Autos, jeder freie Meter ist trotz Parklizenz ab dem frühen Abend zugeparkt… eigentlich furchtbar! Doch auf mein eigenes möchte ich auch nicht verzichten. Was könnte die Lösung sein?

Carsharing – von den Kunden bezahlte Werbung
Carsharing ist das neue Zauberwort. Flinkster, Car2go, DriveNow – immer mehr davon sind nicht nur auf Münchens Straßen zu finden. Meiner Meinung eine falsche Entwicklung. Für Berufspendler wie mich ist das keine Alternative. Hier muss die Stadtpolitik konsequent auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Radwege setzen. Innerhalb der Innenstadt gerne auch auf Kosten der Autofahrer, indem Fahrbahnen zugunsten von Bus- und Radspuren verengt werden. Gleichzeitig sollte auf den Ring- und Ausfallstraßen für einen zügigen Verkehrsfluss gesorgt werden, z.B. durch Untertunnelungen. Dies alles geschieht zum Glück in München, auch wenn die im nächsten Jahr abgeschlossenen Tunnelgroßprojekte durch einen Volksentscheid gegen den Willen der Stadtregierung durchgesetzt werden mussten.

Wer mietet aber nun die schicken Flitzer, die mehr und mehr die ohnehin schon knappen Parkplätze in der Innenstadt bevölkern?
Eine autolose Familie mit Kindern für einen Wochenendtrip ins bayerische Umland? Wohl kaum, wie mir ein Freund erst kürzlich bestätigte; denn hier sind die klassischen Vermieter die erste und günstigste Wahl. Für regelmäßige Einkaufsfahrten zum Großmarkt trotz Verzichts auf den eigenen PKW?  Hier empfiehlt sich in München eher die Anmeldung bei Stattauto, einem klassischen Carsharing-Angebot, bei dem nach Voranmeldung eines der an bestimmten Plätzen zur Verfügung gestellten Autos von den Mitgliedern genutzt werden darf.

Empirisch belegen kann ich es nicht, aber ich habe den Eindruck, vor allem junge Leute wählen die brandneuen Wagen von Flinkster und Co. Für eine flotte Probefahrt. Am beliebtesten in München: Mit dem Mini Cabrio von DriveNow durch Schwabing ins nächste Café oder in den Biergarten. Mit dem Verzicht auf das eigene Auto ist man ja schließlich hip, urban und modern.
Ohne in typische München-Klischees zu verfallen: Hier werden zusätzliche Anreize geschaffen, in der Stadt das Auto zu benutzen. Absolut unnötig. Mit ihrem scheinbar günstigen, problemlos verfügbaren Wagenpark ködern die großen Hersteller lediglich potentielle Neukunden – äußerst werbewirksam verpackt in das aktuell hoch im Kurs stehende Motto „Teilen statt besitzen“!

Meine Beobachtung wird durch eine im September erschienene Studie gestützt. Das Berliner Beratungsunternehmen Civity hat die Nutzung von modernen Carsharing-Angeboten genauer unter die Lupe genommen. Das Fazit ist ernüchternd. „Die Angebote trügen […] nicht zur Entlastung des Verkehrs in den Innenstädten bei“, so der Journalist Jürgen Rees zusammenfassend zur aktuellen Untersuchung. In seinem erst kürzlich auf zeit.de erschienen Artikel „Zweifel an der Nachhaltigkeit des Autoteilens“ bilanziert er das Ergebnis der Studie: „[Den] Analysen zufolge wird ein Leihwagen beispielsweise in Berlin durchschnittlich rund 62 Minuten am Tag gefahren – kaum mehr als ein Fahrzeug im Privatbesitz. Im bundesweiten Durchschnitt seinen die Nutzungszeiten sogar noch geringer […]: Car2go erreiche eine tägliche Auslastung von 54 Minuten, DriveNow von 58 Minuten. Carsharing werde zudem für vergleichsweise geringe Entfernungen genutzt.“
Offensichtlich teilt das Leihauto das Schicksal des privaten PKW: Es steht meist ungenutzt herum. Und die zurückgelegten Strecken hätte man auch zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Verkehr bewältigt.

Noch stehen valide Langzeitstudien aus, doch ich bleibe skeptisch. Als Berufspendler steht es mir überhaupt nicht zu, über andere Autofahrer in der Stadt zu mäkeln. Aber dieser neuen Art des sogenannten Carsharings kann ich keine Vorteile abgewinnen.

Könnt Ihr mich vom Gegenteil überzeugen?

Geschichten aus der großen Stadt 4: Müller aus Leidenschaft

Minimalisten sind keine Kostverächter. Zumindest M21 und ich. Hochwertige Lebensmittel, bestenfalls aus regionaler Produktion, gehören für uns einfach dazu. Und das ist nicht einmal übermäßig teuer. Man muss nur die Augen offen halten.

Unsere Empfehlung für Hobbybäcker in München: Die Hofbräuhaus-Kunstmühle Jakob Blum. Der letzte Müller in der bayerischen Landeshauptstadt. Die Mühle versteckt sich in einem hochherrschaftlichen Bürgerhaus. Urkundlich erwähnt bereits 1677 als Malzmühle für die Brauerei des königlichen Hofes, seit 1921 als Weizenmühle in vierter Generation betrieben von der Familie Blum. Ob verschiedene Sorten Spätzle-Mehl oder das beste „farina tipo 00 per pizza“ der italienischsten Stadt nördlich der Alpen: Im kleinen Mühlenladen, aber auch im Online-Shop findet man hervorragende Mehlspezialitäten aus eigener Produktion, hergestellt aus Bio-Getreide aus dem Umland. Und das zu einem überaus fairen Preis. Nette Beratung mit Geheimtipps fürs Backen inklusive.

Von Montag bis Freitag laufen die 93 Jahre alten Maschinen Tag und Nacht, um die Nachfrage zu befriedigen. Mancher Nachtschwärmer wird sich vielleicht schon gewundert haben über die Traktoren, die mit ihren Anhängern voller Getreide die noble Maximiliansstraße entlangrumpeln. Vielleicht hat er dann auch auf dem Weg in die Disco Licht gesehen in der zugehörigen Bäckerei „E. Knapp & R. Wenig“. Hier werden ab Mitternacht nach uralten Rezepten und ohne künstliche Zusatzstoffe Münchner Semmelspezialitäten gebacken: Wo sonst findet man noch echte „Maurer“ aus Natursauerteig oder die sog. „Pfennigmuckerln“?
Ein absoluter Höhepunkt sind die Führungen durch die Kunstmühle, immer freitags ab 16.00 Uhr vor dem Hoftor. Selbst der Bayerische Rundfunk hat dieser lokalen Institution mit der TV-Dokumentation „Der letzte Müller Münchens“ 2011 ein Denkmal gesetzt; auf den Webseiten des Kameramanns Johannes Kaltenhauser gibt es einen Ausschnitt daraus zu sehen.

Beste Qualität muss nicht teuer sein, so das Credo des Firmenchefs Stefan Blum. Man muss es nur wollen! Und die zahlreichen Kunden geben dem studierten Juristen und Müller aus Leidenschaft Recht.

Jakob Blum Hofbräuhaus-Kunstmühle GmbH & Co. KG
Neutrumstr. 3
80331 München