Heim & Mein
Kommentare 22

Kulmine Stoffbinden: Weg vom Wegwerfen

Wegwerfen bedeutet Freiheit. Die Freiheit, keine Verantwortung für Dinge übernehmen zu müssen. Die mangelnde Verantwortung ist zugleich ein Ausdruck unserer „Achtlosigkeit gegenüber den Gegenständen und den Ressourcen, die benötigt werden, um sie zu erzeugen“. Zu diesem traurigen Ergebnis kommt der deutsche Historiker Frank Trentmann. In seiner 1000-seitigen Konsumgeschichte widmet der Geschichtsprofessor (Birkbeck College, Universität London) der sogenannten „Wegwerfgesellschaft“ ein eigenes Kapitel, in dem er die heutige „Verschwendung infolge von Überkonsum“ intensiv beleuchtet. Doch es gibt Menschen und Firmen, die dieser Mentalität etwas entgegensetzen möchten. So wie das deutsche Unternehmen Kulmine.

Stoffslipeinlagen und Stoffbinden von Kulmine im Test in naturweiß

Seit 25 Jahren setzt sich Gründerin Petra Sood bereits für hochwertige Produkte mit einer langen Lebensdauer im Bereich der Monatshygiene ein. Ähnlich wie ihre finnischen Mitstreiterinnen von Lunette steht dabei das Thema Nachhaltigkeit ganz weit oben in der Firmenphilosophie. Im Rahmen unserer Überlegungen zu Minimalismus und – „besserem“ – Konsum sowie zu Zero Waste und Minimalismus haben wir ein Set Kulmine-Stoffbinden und Slipeinlagen in der Praxis getestet. Und M21 auf eine intensive Konfrontation mit der eigenen Körperlichkeit geschickt.

Der Anfang
Den Anfang macht die Frage nach der „Farbe“: naturweiß, nachtblau, himbeere, blutrot. Blutrot? Come on. Man(n) mag wild nach einem Erdbeermund sein. Aber eine rote Slipeinlage in den Praxistest zu schicken wäre für mich wie Blindekuh spielen gewesen. Oder der Versuch, die Augen beim Ausprobieren zu verschließen. Und Blaumachen überlasse ich gerne der Werbung. Oder wer erinnert sich nicht an diverse Ersatzflüssigkeiten in Werbespots namhafter Hygieneartikel-Hersteller? Bei diesem Testszenario möchte ich ganz bewusst rot sehen.

Kleb Dir eine: Für einen entspannten und tabufreien Umgang mit der eigenen Weiblichkeit

Das Testpaket
Mini, Midi, Maxi. Das Testpaket repräsentiert die breite Angebotspalette von Kulmine, die von klassischen Binden über die „sportliche Variante“ mit Flügeln bis hin zur Falt-Binde (mit Steg) reicht. Ich muss zugeben, meine letzte innerfamiliäre Auseinandersetzung mit ausklappbarem Wäscheschutz liegt viele Jahre zurück. Und ist im Lebenszyklus eng mit Tod und Vergänglichkeit, mit Endlichkeit und mit Blasenschwäche verbunden; für diese Binden im Übrigen ein weiteres Anwendungsfeld! Beim Versand wurde auf unnötiges Verpackungsmaterial verzichtet. Buntes Seidenpapier reicht. Einzige Überraschung: Die rosafarbenen Uterus-Aufkleber. Ich bin immer noch am Überlegen, in welches Poesiealbum ich die lustigen Gebärmütter als nächstes klebe.

Die Optik
Die waschbaren Binden aus Bio-Baumwolle liegen angenehm sanft in der Hand, sind ordentlich vernäht und vollkommen geruchsneutral. Die nickelfreien Druckknöpfe aus Messing schließen problemlos. Auf chemische Zusätze, Duftstoffe oder Plastik wird verzichtet. Im beigefügten Prospekt liest sich das Ganze wie folgt: „Angenehm weiche Baumwolle – ganz ohne Schwitzen und Windelgefühl. Eben reines Wohlbehagen!“ So viel sei vorweggenommen: „Hela“ und ihre Schwestern haben sich beim Tragen nicht bemerkbar gemacht. Von (Ver-)Rutschen keine Spur und selbst olfaktorisch blieb alles im Lot!

Der Einsatz
Meine präkulminelle Sozialisation der 90er Jahre ist eng mit den Begriffen „diskret“ und „unsichtbar“ verbunden. Die weibliche Blutung ist etwas, das Frau wegschließt: Die Regel wird quasi da aufgefangen, wo sie passiert. Also im Inneren des Körpers. Das ist eigentlich ganz bequem. Führt aber in vielen Köpfen auch zu einer Tabuisierung des Themas. Die Menstruation wird weggedacht, negiert. Alles ist im Fluss, sagt man. Aber bitteschön ohne Stillstand. Leben und Alltag sollen zu allen Zeiten funktionieren, zyklische Unterbrechungen ausgeschlossen. Von Müll und schadstoffbelasteten Produkten wollen wir überhaupt nicht reden.

Funktionieren muss es, funktionieren müssen wir. Also bloß kein großes Aufhebens an den Tagen machen. Mich selbst hat der Einsatz der Slipeinlagen zu einer unmittelbaren Begegnung mit dem Wunderwerk Weiblichkeit geführt: Schon lange habe ich nicht mehr rot gesehen. Viel rot, besonders bei saugstark. Quo vadis, Blutung? Im Normalfall lautet die Antwort: Aufgesaugt und auf Wiedersehen. Nicht so mit den Produkten von Kulmine. Natürlich bewusst heißt natürlich auswaschen und wiederverwenden.

Die Reinigung
Sagte ich, schwarzsehen sei keine Lösung? Eine benutzte naturweiße Binde ist eine – nun ja – benutzte, nicht mehr naturweiße, Binde. Und Zeit ein echter Gegenspieler. Denn wenn Blut nicht umgehend entfernt wird, verliert es zunehmend seine Wasserlöslichkeit. Jetzt heißt es also eiskalt und schnell handeln, möglichst in Handarbeit. Obwohl ich die Pflegehinweise beachtet habe, hat sich das Mensblut selbst bei einer 60°-Wäsche bei den Maximodellen als hartnäckig erwiesen und einen gräulichen Schimmer hinterlassen. Auch der vom Hersteller angegebene Pilling-Effekt ist eingetreten. In Sachen Transparenz muss ich sagen: Anstelle des empfohlenen Woll- oder Seidenwaschmittels habe ich auf herkömmliches Voll- bzw. Colorwaschmittel gesetzt.

Kulmine verleiht Flügel. Mit Druckknöpfen. Abheben ohne zu verrutschen

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis
Wer an seinem Konsumverhalten etwas verändern möchte, wer ressourcenschonender agieren will, muss nicht nur alte Gewohnheiten und Muster ablegen. Auch Bequemlichkeit, Sozialisation, eigene bzw. gesellschaftliche Barrieren im Kopf, mangelnde Information und Preissensibilität spielen eine Rolle. Nach Angaben des Herstellers gleichen sich die Kosten für die wiederverwendbaren Stoffprodukte im Vergleich zu herkömmlichen Hygieneartikeln in der Regel nach etwa zwei Jahren wieder aus. „Weniger, aber wertiger“ könnte hier die minimalistische Devise lauten. Eine Stoffslipeinlage für Stringtangas gibt es bereits ab 12,45 Euro, mehrteilige Sparsets starten bei rund 30 Euro.

Das Fazit
Kulmine ist über ein Testangebot in mein Leben gekommen. Und wird es so schnell nicht wieder verlassen. Auch wenn ich mich langsam herantasten muss. Wer über einen Wechsel seiner Monatshygiene nachdenkt, sollte im Zweifelsfall erst einmal mit einer kleinen Grundausstattung starten. Denn auch bei einem Produkt aus 100%iger, pestizidfreier Bio-Baumwolle werden Ressourcen wie Wasser und Land verbraucht – zu schade, um Slipeinlagen und Binden ungenutzt in der Schublade versauern zu lassen.

Minimalismus21 sagt „Herzlichen Dank“ für das unentgeltliche Testpaket und möchte drei Leserinnen die Chance bieten, Kulmine exklusiv zu testen. Die Firma stellt uns drei kleine Sets zur Verfügung, die wir direkt an Euch weiterleiten lassen.

Was Ihr tun müsst? Hinterlasst uns einfach bis zum 20. Mai 2018 einen Kommentar samt E-Mail-Adresse (nicht öffentlich sichtbar!) auf dem Blog oder unter dem entsprechenden Facebook-Post: Verratet uns, welche „Less-Waste-Produkte“ Ihr bereits im Einsatz habt und/oder warum Ihr die Stoffbinden ausprobieren möchtet. Wir freuen uns über Eure Erfahrungen. Unter allen Antworten zieht die Glücksfee am Ende die Gewinnerinnen.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich. Teilnahme ab 18 Jahren.

22 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.