Alle Artikel in: Welt & Reisen

Achtsam spazieren: Stimmenspur Englischer Garten

München und meiner Alma Mater bin ich von Herzen verbunden: Hier habe ich studiert, meine Doktorarbeit geschrieben, Herrn M21er getroffen und die schönsten (Studenten-)Jahre verbracht.  Immer wieder nehme ich mir vor, meine Stadt noch besser kennenzulernen, Urlaub vor der Haustür zu machen und wie ein Tourist durch Straßen und Gassen zu streifen:  ganz minimalistisch, aber mit maximalen unmittelbaren Momenten vor Ort. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich auf eine kostenlose Audioführung durch einen der größten innerstädtischen Parks weltweit gestoßen bin: die Stimmenspur Englischer Garten. Für 21 Hörstationen im südlichen Part der Grünanlage haben die Masterstudentinnen Vera Kovács und Katharina Müller Tonspuren aufgenommen – Teil ihrer Abschlussarbeit für den Zertifikatskurs „Environmental Studies“ im Rachel Carson Center (RCC); der Kurs ermöglicht Studierenden eine Zusatzqualifikation im Umweltbereich. Die Töne sollen „den ältesten Volkspark Deutschlands für den Besucher akustisch erfahrbar machen“ und mit ihnen Menschen, Tiere und Pflanzen, heißt es auf der Webseite der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Akustische Gehmeditation Tatsächlich gehen Kovács und Müller mit ihrer Arbeit aber noch einen Schritt weiter. Denn die Stimmenspur will auch zu …

#MoreMoments 6: Retreat. Rückzug und Ruhepause in Taiwan

„Wenn ich genug Zeit habe, meditiere ich jeden Tag eine halbe Stunde. Wenn ich keine Zeit habe, eine Stunde.“ Als Wolfgang diesen Satz eines buddhistischen Mönchs zitiert, sitzen wir zusammen in der Kantine. Es ist laut und voll, kulinarisches „High Noon“. Eine dieser (Uhr-)Zeiten und Orte, wo Innen und Außen nur schwer zur Ruhe kommen. Er hätte ein „Noisy brain“, hat einmal ein Mönch zu meinem Kollegen gesagt, was so viel bedeutet wie: Auch das Gehirn macht ständig irgendwelchen Lärm, ohne zu etwas Sinnvollem beizutragen. Wenn der Alltag alles übertönt, kann es hilfreich sein, sich für einen Moment zurückzuziehen. Bewusst in eine stille Ecke zu gehen, tief durchzuatmen und die Szenerie mit Abstand zu betrachten. Wolfgang hat diese Methode ritualisiert, sie zu einer festen Einrichtung in seinem Leben gemacht. Das schafft eine positive Struktur. Jeden Tag versucht er eine halbe Stunde zu meditieren – ganz ohne Druck. „Meistens meditieren ich morgens. Wenn ich es da nicht schaffe, dann probiere ich es abends. Wenn das auch nicht klappt, dann habe ich es halt nicht geschafft. Aber …

Zugedacht: Zeitwohlstand Minimalismus

Hamburg – München. Auf der Heimreise im ICE. Die digitale Informationstafel fragt mich, was ich mit der Reisezeit mache. Insgesamt sechs Stunden. Ich soll es einfach der eingeblendeten Webseite erzählen. Schließlich gehört diese Zeit nur mir. Das  steht zumindest da. Naja, ich könnte mir was Besseres vorstellen als hier zu sitzen. Den wechselnden Anzeigen entnehme ich, dass unser Zug gerade mit 247 km/h durch die Nacht rast; trotzdem werden wir den nächsten Halt erst mit 16 Minuten Verspätung erreichen. Der erste Halt Richtung Heimat und bereits eine ordentliche Verspätung: Was für ein Ärgernis! Oder? Die (Frei-)Zeit ist schließlich kostbar. Und das verlängerte Wochenende bei Freunden in Hamburg wie im Flug vergangen. Morgen muss ich früh raus und in die Schule, da kann ich wirklich keine Verspätung brauchen… Zeitnotstand Doch halt – was rege ich mich denn eigentlich über eine solche Nichtigkeit auf? Meine Gedanken schweifen ab. Zur Frage, wie ich meine Zeit nutze. An einem beliebigen Arbeitstag. Wie oft stehe ich im Stau oder in einer Schlange und ärgere mich über die unnötige Zeitverzögerung. Schon …