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Minimalismus: Das neue Opium fürs Volk?

Neulich beim Googeln über einen mir unbekannten Artikel mit dem Titel „Minimalismus als Systemstrategie“ gestolpert. Sofort neugierig angeklickt. Erschienen in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“. War da nicht was? Das ist doch das Sprachrohr der Neuen Rechten, in einem Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus wildernd… Meine Spannung stieg, was ein solches Medium zum Thema Minimalismus zu sagen hat!

„Minimalismus als Systemstrategie“. Geht es nach dem Autor Claus Wolfschlag sind Minimalisten lediglich ahnungslose Marionetten, die sich vor den Karren „jener globalen Eliten, die keinesfalls auf Besitz und Luxus zu verzichten gedenken“, spannen lassen. Alle Minimalisten also arme Unwissende, die von einer dubiosen weltumspannenden Macht zu freiwilligem Verzicht verführt werden? Für eine – Zitat – „fürwahr neokommunistische Zukunft, mit einer kleinen Elite, die sich in ihren Villen an Kaliforniens oder Arabiens Küste die nächsten hippen Trends zu unserem und dem eigenen Wohl ausdenkt“? Minimalismus als „Teil der Beruhigungsstrategie des ökonomischen Systems“, gegen das der Minimalist kein „echtes Widerstands-Potential mehr besitzt“?

Sehr unangenehme Assoziationen zu verquasten Weltverschwörungstheorien unserer jüngsten Vergangenheit drängen sich mir auf.  Wer diese „Eliten“ sein sollen, bleibt natürlich offen. Aber die Schuldigen für diese Entwicklung sind schnell erkannt: Der „produktive Mittelstand […] wird finanziell ausgepresst werden, um die Kosten für EU-Zentralisierung und Einwanderungsgesellschaft bewältigen zu können.“ Ach ja, und die „Folgen der Globalisierung“ sind als diffuses Feindbild natürlich auch nicht zu vergessen!

Minimalismus das neue Opium fürs Volk? Ich bin schockiert: Geschickt wird hier eine rechtskonservativ-nationale Stammtischideologie unters Volk gebracht, getarnt als auf den ersten Blick harmlos wirkender Debattenbeitrag zu einem aktuellen Gesellschaftsphänomen.

Alle Zitate sind dem Originalartikel entnommen, aufgerufen am 17.01.2014.

Ein Klavier, ein Klavier

Man müsste Klavier spielen können. Dieser Satz beschreibt eine unerfüllte Sehnsucht von mir, den nagenden Schmerz in meiner Teenagerbrust, die verpasste Chance, das musikalische Trauma, den – ok, das ist jetzt vielleicht ein wenig dick aufgetragen. Fakt ist jedoch: Das Klavier war meine erste große Liebe. Jedenfalls beinahe. Werte Eltern, ihr müsst jetzt ganz stark sein, aber die Wahrheit ist: Am ersten Liebeskummer meines Lebens wart ihr aktiv beteiligt.

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum
Wie viele Jahre habe ich mir nichts mehr gewünscht, als in die Tasten zu hauen. Wie sehr habe ich damals meine Schulfreundin Monika beneidet, die mit ihren schlanken, grazilen Fingern nur so über den Schulflügel schwebte. Und wie oft habe ich gehofft, es ihr irgendwann gleichtun zu können. Doch dann zog statt des Objekts der Begierde eine Orgel in mein Kinderzimmer ein, groß und braun und schwerfällig. Die könne man – im Gegensatz zum Klavier – in der Lautstärke regulieren, hieß es, das störe die Nachbarn nicht. Was dann folgte, waren sowohl Jahre unterdrückter Leidenschaft als auch Jahre voller Erfolge. Eigenlob stinkt, heißt es. Aber tatsächlich flogen meine Finger ebenfalls nur so über das Musikinstrument, bot man mir eines Tages an, auf eine große Kirchenorgel umzusteigen. Aber in meinem Herzen war ich nie richtig warm mit diesem Spiel geworden und machte Schluss. Schluss auf dem Höhepunkt, Schluss an dem Punkt, an dem die Professionalisierung gerade erst eingesetzt hatte. Was fehlte, war die Leidenschaft, war der Bezug zu einem – in meinen Augen – klassischen Instrument. Letzteres versuchte ich noch eine Weile zu kompensieren, wechselte Tasten gegen Saiten, Soloprogramm gegen Orchester und klemmte mir eine Geige unters Kinn. Zugegeben, ein wunderschönes, handgearbeitetes Stück. Ein kleines Juwel, das am Ende des Tages mein Herz allerdings auch nie wirklich erreichen sollte.

Die besondere Note: loslassen
Seit einigen Jahren habe ich weder Orgel noch Geige angefasst. Bis heute komme ich jedoch an keinem Klavier vorbei, ohne die Tasten zu berühren. Bis heute bin ich nicht vollkommen frei von dem nagenden Gefühl, ES doch noch irgendwann wahr zu machen. Bis heute gewinnt die Sehnsucht durch Stücke wie dieses wieder Land bei mir.

Vor ein paar Tagen habe ich sämtliche Orgel- und Geigennoten bei ebay eingestellt. Wie ein Spiegel führte mir ihr Besitz permanent meinen ungestillten Traum vor Augen, gingen „Wenn-dann-Sätze“ und „Hätte-ich-mal-Konstruktionen“ durch meinen Kopf.

Mit jedem verkauften Heft lasse ich diese ein wenig ziehen, verschafft mir das Verschwinden der Dinge ein Gefühl der Erleichterung. Und ich schaffe mir die innere und äußere Freiheit, um meinem Herzklopfen irgendwann doch noch zu folgen: Once.

Weihnachten: Wider den Konsumwahnsinn

Massen strömen durch die Innenstadt auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken, drängen sich an kitschigen Christkindlmarktständen vorbei, die U-Bahnen sind überfüllt, die Straßen und Parkhäuser erst recht – alle sind gestresst in der ach so besinnlichen Adventszeit. Und im Job geht es zu, als gäbe es kein neues Jahr!

Schon als Jugendlicher fand ich den stressigen Dezember schrecklich. Heute bin ich als Lehrer auf der anderen Seite und möchte nicht tauschen mit den vielen Prüfungen meiner Schüler. Und gerade im achtjährigen Gymnasium bleibt kaum mehr Zeit fürs Innehalten und für besinnliche Momente. Umso mehr begeistert mich das Engagement eines Teils unserer Schülerschaft, die in Zusammenarbeit mit den Fachschaften Religion neben morgendlichen Adventsmeditationen vor allem einen tollen ökumenischen Gottesdienst organisiert haben.

In verschieden Spielszenen thematisierten die Jugendlichen Probleme wie Orientierungslosigkeit und falschen Konsum. Dass für die nachfolgende Generation Weihnachten nicht aus einem Overkill von Geschenken besteht, sondern Freundschaft, Familie und vor allem gemeinsam verbrachte Zeit wichtig sind, stimmt mich sehr zuversichtlich. Chapeau!