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Mein Wochenende war medial. Weil Herr M21er arbeiten muss und der ewige Winter den Stubentiger in mir geweckt hat, mache ich es mir im Netz gemütlich.

1. Hortet ihr noch oder versteigert ihr schon?
Neuer Monat, neues Glück. Pünktlich zum ersten Februar-Wochenende heißt es wieder „Sonderrunde“ bei meinem Lieblings-Auktionshaus. 100 Artikel ab einem Startpreis von 1,01 Euro oder höher können noch heute kostenlos bei ebay eingestellt werden. Dazu kommen weitere 100 Artikel zu je einem Euro Ausgangspreis pro Monat ohne Einstellgebühr. Macht zusammen? Richtig. Also schnell die Schränke durchforstet und knapp 30 weitere Besitztümer ins Rennen geschickt – ungeachtet der Sachen, die beim letzten Mal nicht verkauft und jetzt wiedereingestellt worden sind. Nach drei Stunden Arbeit warten nun etliche Bücher, DVDs, zwei Pullover sowie diverses Kleinklein auf neue Besitzer.
Und ich auf freudige Bieter und mehr (Frei-)Raum.

2. „Schätze aus der Tonne“ – das sind für manche Menschen die Dinge, die wir wegwerfen. Meine liebe Kollegin S. hat mir eine ZDF-Dokumentation empfohlen.
37 Grad portraitiert Menschen, die aus verschiedenen Gründen von Weggeworfenem leben. Robert aus München ist Mitte 70 und Flaschensammler. Weil seine Rente trotz lebenslanger Erwerbstätigkeit nicht reicht, bessert er seine Finanzen schon seit einem Jahrzehnt durch Pfandgeld auf. Ramone und Suzanne träumen dagegen von einem Haufen voller Schrott. Die beiden Frauen verdienen ihr tägliches Brot mit den Metallresten anderer und sind sechs Tage die Woche mit Schrottmobil „Opa“ unterwegs.
Auch Raphael ist ständig auf Achse. Zusammen mit seiner Frau Nieves gehört er zu den sog. „Mülltauchern“, auch „dumpster diver“ oder „Freeganer“ genannt. Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter leben sie den totalen Konsumverzicht. Mehr über das sympathische Dreiergespann findet ihr unter Forward the (R)evolution.

3. „Da geht noch was“ Drittes.
Kurzweiliger Artikel in der Süddeutschen Zeitung über geplante Obsoleszenz, Reparaturwerkstätten, die Renaissance der Wiederherstellung und die „Sorglosigkeits-Apokalypse im Umgang mit materiellen Gütern“.

4. Und selbst?

Epikur: ein antiker Minimalist

Epikur im 21. Jahrhundert. Was hielte er vom aktuellen Diskurs zum Thema „Minimalismus“? Welche Ansichten würde der um 340 v. Chr. auf Samos geborene Philosoph bloggen oder twittern?

Die Antwort fällt auf den ersten Blick schwer. Denn niemand wurde so gründlich missverstanden wie Epikur. Schon seine antiken Zeitgenossen verunglimpften ihn als Trinker und Schlemmer, als unersättlichen Hedonisten und gottlosen Frauenhelden. Doch in Wahrheit war der Sohn eines Lehrers ein sittenstrenger Mensch. Seine ethischen Überlegungen zur individuellen Suche nach dem wahren Lebensglück haben nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

Vor allem seine Bedürfnislehre macht ihn für viele zum antiken Vorläufer des heutigen Minimalismus. Von nur wenigen elementaren Grundregeln geprägt weist sie den Weg in ein glückliches Leben. Erfüllt sah Epikur dieses Glück in einem schmerz- und angstfreien Zustand: „Wenn wir erklären, Lust sei das Endziel, so meinen wir nicht die Lüste der Schlemmer und diejenigen, die auf dem Genuss beruhen, wie manche Unwissende, Andersdenkende oder Böswillige glauben, sondern das Freisein von körperlichem Schmerz und seelischer Unruhe.“ Sein Schlüssel zu diesem wahrhaft lustvollen Dasein: die Mäßigung.

Seine Bedürfnislehre beschreibt drei Arten von Wünschen: natürliche und notwendige, natürliche und nicht notwendige, nicht natürliche und nicht notwendige.

Fürs Überleben braucht jeder Mensch Nahrung und Getränke ebenso wie Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Diese natürlichen und notwendigen Bedürfnisse müssen erfüllt sein. Übermäßiger Genuss und purer Luxus sind damit jedoch nicht gemeint: „Mein Körper strömt über vor Leichtigkeit, wenn ich von Brot und Wasser lebe, und ich spucke auf die Freuden des prachtvollen Lebens, nicht ihrethalben wohlgemerkt, sondern wegen der Beschwerden, die sie mit sich bringen.“ Eine deutliche Warnung vor der Befriedigung nicht natürlicher und nicht notwendiger Bedürfnisse! Bei den übrigen natürlichen, aber nicht notwendigen Wünschen sollten sich seine Anhänger hingegen immer zuerst fragen: „Ist es vorteilhaft für mich oder nicht?“

Nichts anderes machen viele moderne Minimalisten heute auch.

Jardin du Roi, Mahé (Seychellen)

Epikur würde die aktuelle Diskussion über Downshifting, Beschränkung und Nachhaltigkeit wahrscheinlich begrüßen. Ob er jedoch den philosophischen Disput in seinem ‚Garten der Freundschaft‘ gegen unsere modernen Kommunikationsmöglichkeiten eintauschen würde, mag dahingestellt sein; seine Schüler lebten jedenfalls mit ihm in einem Haus mit großem Grundstück außerhalb Athens.

Epikurs Zitate entstammen der überaus lesenswerten Geschichte der griechischen Philosophie. Von Sokrates bis Plotin von Luciano de Crescenzo (Zürich: Diogenes 1988, 159ff.).

Minimalismus21 und Ich

Du schreibst einen Blog über Minimalismus?“ Solche und ähnliche Reaktionen habe ich in den letzten Wochen des Öfteren von Freunden und Bekannten erlebt.
Seit Januar 2013 blogge ich über das Thema. Seit 2011 poste ich dazu bei Facebook.

Warum ich das tue und wer ich bin, erfahrt ihr hier.