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Müllfreie Tage: Menstruationskappe von Lunette

10.000 bis 12.000 Tampons und Binden verbraucht eine Frau durchschnittlich im Laufe ihres Lebens. Andere Hochrechnungen kommen sogar auf einen stattlichen Wert von 17.000: Von Minimalismus und Monatshygiene kann an dieser Stelle folglich keine Rede sein, oder doch?

Alle Tage wieder
Die weibliche Menstruation läuft naturgemäß zwölf Mal pro Jahr ab. Für Umwelt und Geldbeutel eine deutliche Belastung. So schreibt etwa das Onlineportal Frauenzimmer.de unter Verweis auf die amerikanische Huffington Post, dass wir bis zur Menopause etwa 16.000 Euro rund um die Regelblutung ausgeben. Alle Tage wieder also jede Menge Money und Müll? Nicht nur, wie die Nachhaltigkeits-Experten von Utopia betonen. Auch schadstoffbelastete Produkte kommen beim Thema zum Tragen, mitunter mit deutlichen Auswirkungen auf ihre Anwenderinnen.

Die Geschichte der Menstruation ist ein zyklisches Wechselspiel
Den Dingen alternativ einfach ihren Lauf zu lassen, ist dabei allerdings nicht nach jedermanns Geschmack. Oder schlichtweg unmöglich. Aus Gründen. Aus historischer Sicht ist die Periode oder Menarche stets unterschiedlichen kulturellen Einflüssen und Zyklen unterworfen gewesen. Aberglauben, strenge Rituale und Gebote kamen und gingen mit dem Einsatz diverser hygienischer Hilfsmittel ebenso einher wie mit ihrem Verzicht. Und auch die Frauen selbst waren erfinderisch im Umgang mit ihrer Blutung wie das Beispiel der Amerikanerin Leona W. Chalmers zeigt. Mitte der 1930er Jahre meldete die Schauspielerin und Sängerin ein Patent an, das 1937 genehmigt wurde: die Menstruationstasse. Leider floppte die Erfindung aus vulkanisiertem Gummi aus verschiedenen Gründen; weitere Anläufe – u.a. unter dem Namen Tassette – scheiterten ebenfalls.

Screenshot des Museum of Menstruation & Women’s Health www.mum.org

Spätestens mit dem Einzug neuer Materialien erfuhr Chalmers Idee jedoch ein Revival. Das Interesse an den Menstruationsbechern, Menstruationskappen, Menstrual cups, Moon cups oder einfach Menstassen ist öffentlich sichtbar geworden, u.a. auf dem Heldenmarkt 2017 in München. Das finnische Unternehmen Lunette hat seine Menstruationskappe aus medizinischem Silikon auf der nachhaltigen Verbrauchermesse vorgestellt. Wir wollten mehr über das Produkt wissen und haben Mari Lappi-Kaipio, Ansprechpartnerin für den deutschsprachigen Raum, im Nachgang der Messe um ein Interview gebeten.

Lunette auf dem Heldenmarkt 2017 in München

Wie, wann und wodurch entstand die Idee zur Entwicklung der Lunette?
Im Jahr 2004 war die Firmengründerin von Lunette, Heli Kurjanen, „Stoffwindel-Mutter“ von zwei kleinen Kindern. Sie interessierte sich für nachhaltiges Leben und hatte im Internet die Menstruationstasse entdeckt und eine bestellt. Sie fand die Idee von müllfreier Monatshygiene faszinierend, aber das bestellte Produkt war für ihre Anatomie kein Volltreffer. Die frühen Menstruationskappen wurden nach dem Patent von Frau Chalmers aus den 1930er Jahren hergestellt. Es gab zwar schon neue Materialien wie medizinisches Silikon, aber das Design sollte auch aktualisiert werden. So entschied sie sich mit Unterstützung von ihrem Mann, der Unternehmer ist, eine eigene Menstruationskappe zu entwickeln. Die Leitidee war: ein angenehmes Tragegefühl. Ihr Gedanke: Die Frau sollte doch zuerst sich selbst retten, erst dann den Planeten.

Heli Kurjanen, CEO und Founder von Lunette. © Lunette

Als Heli die Lunette entworfen hatte, bat sie einige Freundinnen, das Produkt zu testen. In diesem Freundeskreis tauschten sie sich viel aus – und aus diesen Diskussionen stammt übrigens auch der Name Lunette.

Lune/ Luna steht für Mond. Die Endung -tte bedeutet in der französischen Sprache so viel wie die Endung -chen oder -lein in der deutschen Sprache. So erstand Lunette, Mondlein. Der Startschuss für das heutige Unternehmen fiel im Jahr 2005.

Wie lange hat die Entwicklung gedauert? Wofür ist der Stiel unten?
Einige Monate. Die erste Produktion fand im Oktober 2005 statt. Der Stiel ist eine Orientierungs-/ Justierungshilfe, aber sollte nicht zum Herausziehen verwendet werden. Wenn man einfach am Stiel zieht, wird der Unterdruck stärker und es ist schwieriger, die Menstruationskappe zu entfernen. Stattdessen sollte man mit dem Beckenboden pressen, damit die Menstruationstasse weiter nach unten kommt und man sie greifen kann. Dann den Boden zusammen drücken, um den Unterdruck zu lösen und die Menstruationskappe vorsichtig herausnehmen.

Auch die Produktion der Lunette benötigt Ressourcen: Wie lange muss ich das Produkt anwenden, bis ich Tampons/ Binden in Sachen Müll „überholt“ habe?
Wir haben keinen „Fussabdruck“ für Lunette-Produkte kalkuliert, weil so eine Kalkulation recht kompliziert ist und irreführend sein kann. Bei der Produktion achten wir darauf, dass die Bestandteile nah und möglichst energieeffizient produziert werden. Eine Betrachtungsweise ist es, die „Umweltlast“ eines Produktes oder einer Dienstleistung mit dem Preis gleichzustellen, nach dem Motto „Verwendetes Geld = Umweltbelastung“. Die Lunette Menstruationskappe kostet rund 30 €. Das entspricht den Kosten von einem Tampon-/Bindenvorrat für ca. sechs Monate.

Wir verlosen zwei Mal die Lunette Eurer Wahl. Sie ist in gut sortierten Bioläden, Apotheken und Onlineshops erhältlich. © Lunette

Muss die Lunette nach jedem Entleeren desinfiziert werden? Kann ich mit der Lunette Sport machen, z.B. turnen? Fließt das Blut bei einem Handstand zurück?
Während der Tage ist es ausreichend, die Lunette zuerst mit kaltem Wasser (um Verfärbungen zu vermeiden) und dann mit warmem Wasser abzuspülen. Viele Frauen verwenden auch gerne unsere Flüssigseife Feelbetter. Wir empfehlen keine handelsüblichen Seifen, denn diese können das Material beschädigen und die Scheide reizen. Nach der Periode muss man die Lunette ordentlich reinigen, z.B. in reichlich Wasser abkochen oder mit unseren Reinigungsprodukten säubern, die speziell für dieses Material entwickelt wurden.
Die Menstruationskappe ist besonders gut zum Sport geeignet. Bei Sportarten, wo man kräftig mit dem Beckenboden arbeitet wie turnen, lohnt es sich, den Unterdruck extra zu verstärken, damit die Kappe fester sitzt und dadurch besser dicht hält. Unser Tipp: die Lunette etwas tiefer als normal einführen und sicherstellen, dass sie aufgeploppt ist. Dann ohne den Unterdruck zu lösen vorsichtig etwas zurückziehen. Du kannst gleichzeitig die Muskulatur nach oben anspannen. Anschließend die Genitalien noch vom Restblut reinigen. Die Menstruationsblutung fließt durch eine stecknadelkopfgroße Öffnung am Muttermund. Zudem arbeitet die Gebärmuttermuskulatur, um das Blut auszuscheiden. Wenn Blut bei einem Handstand zurückfließen würde, wäre die Menge gering. Viele Yogis empfehlen allerdings keine Umkehrhaltungen während der Menstruation.

Die Anatomie der Lunette Menstruationskappe. © Lunette

Was unterscheidet die Lunette vom Angebot der Mitbewerber?
Das Design ist anders (siehe Anatomie-Bild). Die Lunette wird aus bestmöglichem medizinischen Silikon hergestellt (aus Deutschland, denn es gibt ganz wenige Hersteller in dieser Qualität) und die Produktion findet in Finnland statt. Die meisten Menstruationstassen werden in China produziert, auch wenn die Vertriebsfirma aus Europa ist.
Es gibt auch Menstruationtassen aus Plastik (TPE) und Latex (Naturkautschuk). Im Vergleich zu diesen Materialien sind allerdings die Materialeigenschaften des medizinischen Silikons (ploppfreudig, formstabil, unbedenklich, nicht allergieerregend) überlegen. Lunette wird mittlerweile in über 40 Ländern verkauft und unser soziales Engagement macht uns anders: Ganzheitliche Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung und Wohltätigkeit sind wichtige Bestandteile der Unternehmensphilosophie.

Alle Lunette Menstruationskappen werden per Hand durch eine Behindertenwerkstatt, Titry ry in Tampere, Finnland verpackt. Titry kümmert sich auch um den Versand. Es handelt sich meistens um körperlich behinderte Menschen, die nur leichte Arbeit übernehmen können. Lunette ist mittlerweile der größte Arbeitsgeber und die Beziehung ist eng: Eine Mitarbeiterin von Lunette steuert die Produktion und besucht die Werkstatt wöchentlich.

Zu guter Letzt: Die Lunette ist als Produkt auf Nachhaltigkeit und lange Lebensdauer ausgelegt. Gut für den Verbraucher, schlecht für den dauerhaften Umsatz einer Firma. Wie stellen Sie langfristig die Wirtschaftlichkeit sicher?
Wahr: Manche Frauen verwenden die Kappe viele Jahre, aber wir haben festgestellt, dass viele Frauen die Kappe nach 2 bis 3 Jahren der Verwendung aus ästhetischen Gründen wechseln. Mit der Zeit verfärbt sich die Kappe – je nach Pflege weniger oder mehr. Unser Traum: Wir wollen die perfekte Periodenbegleiterin an alle Frauen der Welt vorstellen. Nicht jede Frau wird sie benutzen, aber jede Frau sollte zumindest davon gehört haben. Wir wollen das Beste für die Frau und für die Umwelt anbieten. Mit dieser Aufgabe ist man nie fertig!

Minimalismus21 sagt „Herzlichen Dank“ für das Interview und möchte seinen Leserinnen die Chance bieten, Lunette exklusiv zu testen. Die Firma stellt uns unentgeltlich zwei Samples zur Verfügung, die wir direkt an Euch weiterleiten lassen. Ihr könnt zwischen fünf Farben und zwei Größen wählen.

Was Ihr tun müsst? Hinterlasst uns einfach bis zum 10. Mai 2017 einen Kommentar samt E-Mail-Adresse (nicht öffentlich sichtbar!) auf dem Blog: Verratet uns, wie Ihr Euer Leben im Alltag ressourcenschonender bzw. müllärmer gestaltet. Wir freuen uns über Tricks und Tipps. Unter allen Antworten zieht die Glücksfee am Ende die Gewinner.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich.

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