Autor: Gastautor

#MoreMoments 11: Handlettering. Kunstvolle Entschleunigung

Du hast aber eine schöne Schrift! Nein, habe ich nicht. Meine Handschrift ist zwar leserlich, zumindest wenn ich mir Mühe gebe, aber nicht sonderlich hübsch. Funktional, doch ohne große Schnörkel oder herzförmige i-Pünktchen. Beim Handlettering hingegen genieße ich es, ein abwechslungsreiches Buffet an Buchstaben aufzufahren. Handlettering, das lässt sich am ehesten als Buchstabenmalerei beschreiben. Ende 2015 stieß ich auf dieses kreative Hobby und wurde schnell in den Bann der Buchstaben gezogen. Ich probierte etliche Papiersorten, Stifte und Techniken aus, feilte stetig an meinem Können und Stil. Durch das Handlettering entdeckte ich die unglaublich inspirierende Welt von Instagram, und welch wunderbarer Austausch dort unter den Lettering-Liebhabern herrscht. Es macht Spaß, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, Feedback zu erhalten und zu geben, sich gegenseitig zu inspirieren und anzuspornen. Durch sogenannte monatliche Challenges bleibt man regelmäßig am Ball bzw. Stift und erfreut sich gemeinsam mit einer großen Community an der Buchstabenmalerei. Seit Anfang 2016 lade ich unter meinem Pseudonym fraulyoner regelmäßig meine Letterings hoch. Doch wer nun glaubt, beim Handlettering stehe das Ergebnis im Vordergrund, irrt. Es geht …

Zeit für Stille: Ein Film, der keine Ruhe gibt

Er wurde bereits von vielen Medien, Magazinen, Autoren oder Blogs wie Minimalismus21 bejubelt, hoch gelobt und empfohlen – der im November 2017  erstmals im Kino ausgestrahlte Dokumentarfilm Zeit für Stille von Patrick Shen. Was soll, kann, darf ich über ein halbes Jahr später noch sagen? Nichts und doch manches. Nichts, denn der Film verdient sein Lob, beeindruckt mich und gibt (heute und garantiert auch noch in den nächsten Jahren) zu denken. Aber doch manches, denn er lässt mich einerseits die Ohren spitzen und lässt mich andererseits in einem Punkt nicht in Ruhe. Der Film trifft es auf den Punkt – und mich! Muss erst ein solcher Film her, um der „Zeit für Stille“ Gehör zu verschaffen? (Leider) ja. Eigentlich bin ich ein Mensch, der sich viel Zeit für Stille nimmt und weiß, dass er sie braucht; dachte ich. Der Film belehrt mich eines Besseren und trifft mich wie ein lauter Donnerschlag: Nein, ich nehme mir kaum Zeit für Stille, ich habe sie meistens gar nicht, bin ebenfalls ein Opfer von Großraumbüro, Networking und ständig ausgelieferter …

Minimalismus und Schwangerschaft: Ein Erfahrungsbericht

Als klar war, dass ich schwanger bin, war mir nicht bewusst, was da für ein Berg auf mich zurollt. In den ersten Monaten der Schwangerschaft gestaltete sich alles noch recht harmlos. Mein Mann fand im Internet Checklisten, die angeblich alles beinhalteten, was man für ein Kind braucht. Anfangs habe ich sie schlichtweg ignoriert und als amüsante Randnotiz wahrgenommen. Doch irgendwann fing ich an, die Empfehlungen ernst zu nehmen. Ich verspürte eine Art Druck, alles richtig machen zu wollen: Mein Kind sollte nicht mein Bedürfnis nach Einfachheit aufgestülpt bekommen. Und so fingen wir an, die Listen regelrecht abzuarbeiten. Wir kauften beispielsweise Pucktücher, die am Ende nur einmal zum Einsatz kamen. Oder Jacken, die so schlecht geschnitten waren, dass wir sie ungetragen weiterverkaufen mussten. Wir lernten unter anderem, dass man keinen speziellen Bauch-Gurt-Schoner im Auto braucht; ein einfaches Kissen tut es ebenfalls. Am schlimmsten waren aber nicht die Dinge, für die wir uns selber bewusst entschieden hatten, sondern die, die wir geschenkt bekamen. Ständig erhielten wir ungefragt neue Kleidung. Sie entsprach weder unserem Geschmack noch konnten wir …