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Geschmacklos: Plastikfreie Trinkflasche

In meinem Job rede ich gerne und viel. Das ist wohl eine Berufskrankheit als Lehrer! Entsprechend durstig bin ich während des Vormittags. Oftmals habe ich nach zwei Stunden Unterricht einen richtig ausgetrockneten Mund. Deshalb trinke ich reichlich Wasser – am liebsten das hervorragende Münchner Leitungswasser aus dem Mangfalltal. Mineralwasser benötige ich daher nicht. Glasflaschen sind nicht besonders praktikabel,  Einweg-Plastikflaschen für mich indiskutabel.

Bisher benutzte ich immer Getränkeflaschen der Schweizer Firma SIGG – zu kaufen in jedem größeren Supermarkt. Prima, fast kein Plastik, genau richtig, dachte ich. Doch zufrieden war ich damit auf Dauer nicht. Schnell bekam abgefülltes Wasser einen muffigen Geschmack. Auch die Innenbeschichtung löste sich am Gewinde und zerbröselte in die Flüssigkeit. Und besonders ärgerlich: der rasche Verschleiß des Plastikgewindes, sodass der Deckel nicht mehr dicht schließt. Völlig unverständlich, warum eine an sich langlebige Flasche mit einem derart windigen Verschluss ausgestattet wird; der Verdacht geplanter Obsoleszenz drängt sich automatisch auf.

Klean Kanteen – die plastikfreie Trinkflasche ohne Kompromisse

Als unbemerkt Wasser in meine Schultasche sickerte und meine Unterlagen aufweichte, war endgültig Schluss. Ich suchte nach einer Alternative. Dabei wurde mir klar: eine Aluflasche mit Innenbeschichtung wie von SIGG wollte ich auf keinen Fall mehr. Mit lebensmittelechtem Edelstahl gehört der muffige Geschmack, der mich so oft störte, der Vergangenheit an. Auch läuft man nicht Gefahr, dass bei Beschädigung der Innenlackierung Absonderungen des Aluminiums in die Flüssigkeit geraten. Und einen Plastikverschluss durfte meine neue Flasche auch nicht mehr besitzen.

Fündig geworden bin ich bei Klean Kanteen – das Konzept des Herstellers hat mich überzeugt: formschöner Edelstahl mit abgerundeten Kanten für eine optimale Reinigung, Verschluss mit Stahlgewinde und edler Holzeinlage, lebensmittelechtes Silikon als Dichtung.

Seit rund drei Monaten habe ich die Kanteen Reflect im Einsatz und bin rundum zufrieden. Das Wasser schmeckt selbst nach einem Wochenende wie frisch gezapft, der Verschluss ist absolut dicht und die Flasche ein Hingucker! Der etwas teurere Anschaffungspreis hat sich auf jeden Fall gelohnt. Und obwohl ich jetzt nie mehr durstig im Unterricht bin, lasse ich sogar meine Schüler immer öfter zu Wort kommen…

Brief an die Vergangenheit

Lieber Andreas,

heute musste ich wieder einmal an Dich denken.

Genauer gesagt: An unsere Freundschaft Mitte der 1980er Jahre. Wir besuchten beide die gleiche Klasse in der Grundschule und wohnten fast Haus an Haus. Schon bald stellten wir fest, dass wir eine Leidenschaft teilten – Hörspiele. Während ich mit den Drei Fragezeichen durchs Geisterschloss schlich oder mit Bibi Blocksberg die Schwarzen Vier jagte, zog es Dich mit Jan Tenner in unbekannte Dimensionen. Grund genug für einen Tausch. Bibi gegen Jan, Hexenbesen gegen Raumschiff. Natürlich durfte niemand wissen, dass Du Dir heimlich meine „Mädchenkassetten“ ausgeliehen hast. Und glaube mir: Bis heute habe ich das auch niemandem verraten.

Und wie war das eigentlich damals mit Deiner Garfield-Phase? Als Dein Kinderzimmer renoviert wurde, prangte der fette Kater plötzlich überall: Garfield-Tapete, Garfield-Bettwäsche, Garfield-Comics – gefühlt gab es keinen Platz mehr in Deinen zehn Quadratmetern, auf denen nicht das orange Ungetüm zu sehen war. Apropos sehen: Wenn ich heute an unsere gemeinsame Zeit zurückdenke, werde ich fast ein wenig melancholisch. Bilder von Zehnerleis, von sauren Schlangen zu fünf Pfennig, von heißen Bodenfliesen im Freibad, von unserer Bande, von wilden Radtouren durch die Wohnsiedlung, von Klingelputzen und Aufzugfahren im Hochhaus tauchen vor meinem inneren Auge auf.

Andreas

Das Pferdebuch von Andreas – nur noch als Scan in meinem Besitz

Und Bilder von Pferdebüchern, die Du mir zu verschiedenen Geburtstagen geschenkt hast. Eines davon habe ich neulich bei ebay versteigert. Beim Erstellen der Auktion ist mir Deine Widmung ins Auge gefallen „Zum Geburtstag von Andreas“ stand da und ich gebe zu: Das hat mich verdammt rührselig gemacht. So rührselig, dass ich die Aktion nach dem ersten Gebot und vor Ablauf beinahe vorzeitig beendet hätte. Artikel beschädigt und so… Am Ende habe ich mich jedoch dazu entschlossen, das Buch gehen zu lassen. Obwohl mir das richtig schwer gefallen ist. Ich sehe noch die feinen Linien, die Deine Mutter mit Bleistift vorgezogen hatte, damit Du sauber und ordentlich in mein Geschenk schreibst. Und plötzlich ist da dieser Zeitraffer und wir sind irgendwie wilder Kerl und wildes Huhn 1987.

Ausmistexperten raten oft, ein paar Lieblingsdinge stellvertretend für das große Ganze aufzuheben. Oder ein Foto von den Besitztümern zu machen, bevor man diese weggibt. Variante zwei fällt mir persönlich nicht leicht. Aufgrund der Internetauktion habe ich nun „zwangsweise“ ein Bild von meinem Ex-Buch. Verglichen mit den inneren Bildern, die mich an unseren Lebensabschnitt erinnern, verblasst diese Aufnahme allerdings.

Ach ja, falls Du diese Zeilen hier liest, dann melde Dich doch einmal bei mir. Vielleicht können wir zusammen in alten Erinnerungen schwelgen und Dinge auffrischen, die ohnehin nur mit dem Herzen gut zu sehen sind.

Ich denke an Dich.

Deine P.

00-Nummer

Neulich an der Tankstelle, an einer Autobahnraststätte irgendwo in Österreich. Herr M21er und ich sind auf dem Nachhauseweg von einer Hochzeit. Wir wollen uns kurz die Füße vertreten, nennen wir es austreten, und das Auto hat Durst. Auf dem Weg zu den Toiletten müssen wir ein Ticket ziehen. Keine Warteschlange und kein Aufrufen der Nummern, aber 0,50 Euro für den Service am Kunden. Doch der weiß-grüne Wertbon ist mehr als eine Eintrittskarte für des Menschen Geschäft. Der Bon ist ein Gutschein für im Voraus bezahlte Leistungen, ein Voucher, den Kunden pro zehn Liter Treibstoff oder pro einem Euro Umsatz bei allen übrigen Produkten im Nachgang einlösen können. Da wir den Sprit bereits im Vorfeld bezahlt hatten, bleibt nur noch Variante zwei übrig.

Der Tiger im Minimalist
Sofort erwacht der Tiger in mir und schleicht durch die Gänge der Supermarkt-Tanke.
Das Objekt der instinktgetriebenen Wertbon_kaufenBegierde: eine günstige Beute, eine, bei der sich das Einlösen von einem halben Euro wirklich lohnt. Sagte ich „wirklich lohnt“? In den Regalen locken überteuerte Softdrinks für drei Euro aufwärts und einzelne Schokoriegel aus ehemaligen Familypacks für stolze 1,70 Euro. Macht abzüglich Voucher immer noch ganze 2,50 Euro oder 1,20 Euro für eine Ware, die ich im Grunde in diesem Moment gar nicht konsumieren will. Vor meinem inneren Auge haut der Minimalist dem Tiger auf der Pirsch eines auf die Nase: Unser Kofferraum ist bestens mit einem Lunchpaket ausgestattet und mir steht nicht der Sinn nach überteuerter Quengelware.

Leichten Herzens verzichte ich auf die Pinkel-Prämie und trolle mich Richtung Ausgang. Ich habe am Ende einfach das bekommen, was ich wirklich wollte: Ein saubere Toilette (00) und ein Gefühl der Erleichterung. Durch die leere Blase und die leeren Taschen.