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Nostalgische Entschleunigung

Entdeckt in der aktuellen Ausgabe der Münchner Straßenzeitung BISS (Bürger in sozialen Schwierigkeiten): „Nostalgische Entschleunigung“ – Italienischlehrer, Bildhauer und Eisverkäufer Gabrio Rossi ist jeden Sommer mit „Valentino’s Dreiradl“ in München unterwegs. Seine süße Verführung: „geschabtes Schnee-Eis“, also Eis mit Fruchtsirup, die Urform von Speiseeis. Über die kleinen Fluchten im Alltag.

Entschleunigung: Sommer in der Stadt

„Mein Herz geht auf, wenn endlich die Sonne scheint und die Saison für mich und mein Eis-Dreiradl im Hirschgarten beginnt. […] Wenn ich stehen bleibe und die Glocke klingle, dauert es nicht lange und die Kinder kommen angelaufen und umringen mich. Sie beobachten fasziniert, was ich da mache. […] Die Kinder merken, dass da extra etwas für sie – individuell – gemacht wird. Still und geduldig verfolgen sie die Entstehung der Eisbecher. Seit sieben Jahren verkaufe ich „Schnee-Eis“.

Rossi besitzt ein 80 Jahre altes Fahrrad, das er zu einem Eisstand umgebaut hat. Sein Motto: „Ich brauche kein Benzin, keinen Motor und keinen Strom. Wir leben in einer Welt, in der der Mensch immer schneller und effizienter arbeiten und produzieren soll. Alles schreitet so schnell voran. Wir vergessen dabei oft, wie schön manche Dinge waren, als es noch etwas langsamer zuging.“

Gekürzt zitiert nach „Sommer in der Stadt“ von Annette und Ute Wild, BISS, Juli/August 2013, 7.

Vom Verschwinden der Dinge

Manche Dinge erledigen sich von alleine. Manche Dinge verschwinden von alleine. Manche Dinge sterben einfach aus. So wie meine heißgeliebten MCs. 1963 stellte Philips die Compact Cassette samt Taschen-Recorder erstmals der Öffentlichkeit vor. Was dann passierte, beschreibt das manager magazin wie folgt: „Die Kassette wird zum VW Käfer der Tonindustrie: Sie läuft und läuft und läuft.“

Auslaufmodelle entsorgen sich selbst
Etwa 30 Jahre später laufen CD und MP3 dem einstigen Massenmedium jedoch unaufhaltsam den Rang ab. Das Aussterben von Technik und Abspielgerät beginnt. Schlagwörter wie „Nischenprodukt“, „Abwärtstrend“ und „Auslaufmodell“ machen die Runde und ziehen gleichzeitig weitere Kreise. Denn auch Disketten, Wählscheiben oder Sofortbildkameras werden in der Folgezeit immer mehr zu Relikten.
Ignoriert man die Aufschreie von Nostalgikern, Anhängern und Fans, dann geht dieser Prozess geräuschlos vonstatten. Geräuschlos, weil mit ihm eine ganze Kulisse an Tönen im akustischen Niemandsland verschwindet. Wie klingt das Auswerfen eines Polaroids, das Rattern eines Fernsprechapparates, das Spulen einer Kassette? Fragen, die von Generation zu Generation zunehmend für (unfreiwilliges) Stillschweigen sorgen dürften.


Museum für bedrohte Klänge – Der Archivar der Alltagsgeräusche

Minimalismus der Stille
Ein Internetmuseum archiviert diese und andere Klänge, um dem – im wahrsten Sinne des Wortes – sang- und klanglosen Verschwinden entgegenzuwirken. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass man das akustische Gedächtnis als eigenständige Form des Gedächtnisses betrachten muss. Im Bereich der Konsumgüter existieren Sounds, die bei Käufern ein „Gefühl von Qualität“ erzeugen. Löschen wir also einen Teil unserer Erinnerungen, wenn bestimmte Gegenstände nicht mehr gebräuchlich sind? Fangen wir an zu vergessen, wenn Bilder aus der Vergangenheit nicht mehr an Töne gekoppelt sind? Und konsumieren wir weniger, wenn die Tür des neuen Sportwagens nicht „Plopp“, sondern „Kawumm“ macht?

MC

Pst, so klingt die Vergangenheit

Egal, wie die Antworten ausfallen, für mich steht eines fest: Ein Teil meiner alten (Musik-)Kassetten bekommt auch in Zeiten von analogem und digitalem Entrümpeln Bleiberecht. Denn ja: Ich will mich erinnern. Und zwar an alles.

An die Lieder meine Schüler- und Studentenzeit, an Bandsalat und die Top Ten der Woche. An kreative Cover „Made in Eigendesign“ und Radiomitschnitte mit verpatztem Einsatz. Und ich will mich nicht von meinem altem ITT Recorder aus den 70er Jahren trennen, als geplante Obsoleszenz und das Leben in der Vergeudungsökonomie noch keine Massenphänomene gewesen zu sein scheinen. Aber das ist eine andere Geschichte. Band ab.

Was darf bleiben, was muss gehen? An welchen Dingen hängt ihr?

Save the date: Minimalismus-Bloggertreffen in Essen

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Essen, wir kommen!

Noch 33 Mal schlafen, dann ist es soweit:
Das zweite Minimalismus-Bloggertreffen. Gemeinsam mit zahlreichen Kollegen freuen wir uns auf ein persönliches Kennenlernen am 27. Juli im Unperfekthaus Essen. Blogger, Minimalist, Radikalreduzierer, Entrümpler, Downshifter, Konsumverweigerer, Sammler – ihr seid alle herzlich eingeladen.

Wer, was, wo, wann, wie?
Das könnt ihr hier offiziell nachlesen.

Vorschläge, Anregungen und Tipps für das Rahmenprogramm sind natürlich jederzeit willkommen.

Premiere
Herr M21er und ich sind in diesem Jahr selbst zum ersten Mal mit dabei und hoffen, auch den einen oder anderen Leser von Minimalismus21 vor Ort zu treffen. Hotel haben wir gebucht, Zugtickets gekauft und einen Nachbericht schon heute fest eingeplant. Versprochen.

Wir zählen auf euch (und einstweilen die Tage)!