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Grund. Los. Feiern

„Gibt es einen bestimmten Anlass?“ „Hat jemand von euch beiden Geburtstag?“ Fragen, die ich in den letzten Wochen wiederholt gehört habe. Hintergrund: Herr M21er und ich haben zu einer Feier in den vier Wänden eingeladen. Grund: Keiner.

Keiner? Nun, sagen wir jedenfalls kein kalendarisch oder gesellschaftlich verordneter. Geburtstag, Hochzeit, Namenstag – alles Fehlanzeige. Doch so ganz grundlos haben wir uns natürlich nicht zum Gastgeber gemacht. Die Wahrheit ist: Wir wollten alle unsere Freunde sehen. Zusammen essen, trinken, Spaß haben, Musik hören, tanzen, reden, leben. Einfach so. Denn im Alltag kommt diese Kombination oft viel zu kurz.

Grund. Los. Feiern

Bei den Vorbereitungen für den gestrigen Abend musste ich daher immer an die Sache mit dem Lieblingskleid denken. Ihr wisst schon: Das gähnt Tag für Tag auf seinem Bügel vor sich hin und wartet auf den Anlass x, um endlich ausgeführt zu werden. Doch manchmal kommt x einfach nicht. Deswegen schaffen wir uns selbst einen Anlass und lassen gleichzeitig alte Muster los. Gefeiert wird nach Lust und Laune, der Rahmen kommt von uns, äußere Taktgeber unnötig. Warum das trotz reichlich Speis und Trank minimalistisch ist?

Gegenfrage: An was erinnert man sich im Alter wirklich? An den vollen Kleiderschrank, Feierabend nach 22 Uhr (ok, mit Grauen), die Shoppingexzesse im Schlussverkauf? Oder an gute Gespräche, ausgelassene Unbekümmertheit und losgelöste Stimmungen.

Tatsache ist: Ich möchte mir positive Erinnerungen schaffen, ohne ein Eventjunkie im Freizeitstress zu werden. Dafür wird der Minimalist in mir gerne mal zum Maximalist.

Danke für einen wunderbaren Abend.

Unfuck The World: Heldenmarkt München

„Make Love Not Car“ oder „Unfuck The World“ steht in großen Buchstaben auf dem bedruckten Umweltkarton. Macher der provokanten Postkarten-Parolen: Utopia, ein Netzwerk für Verbraucher und Hersteller, für Menschen, die aufbrechen wollen. Und für diejenigen, die eine Samenbombe werfen möchten, eine sog. „Bio-Seedbomb“. Die gibt es hier nämlich kostenlos, zum Mitnehmen, ganz ohne Waffenschein. Bis zum Frühjahr lagern, auf eine Fläche werfen und dann blüht einem was. Verspricht zumindest Deutschlands größte Community für strategischen Konsum und nachhaltigen Lebensstil.

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Zusammen mit mehr als 60 weiteren Ausstellern präsentieren sich Vertreter der Plattform an diesem Wochenende auf dem Heldenmarkt in München. Ein Schaufenster in eine optimistische Zukunft möchten die Macher bieten. Und titulieren in einem Interview alle Menschen als Helden gesellschaftlicher Verantwortung, die ihren Lebensalltag in Richtung einer öko-sozialen Zukunft umgestalten. Schönes Wording für eine Messe, die sich auf nachhaltigen Konsum konzentriert. So klingt grünes Marketing heute.

Schon nach dem ersten Standbesuch fühle ich mich also wie ein Held, ein bombastisches Gefühl inmitten zahlreicher Amazonen. Denn die Nachhaltigkeit ist an diesem Samstag eindeutig in weiblicher Hand. Köpfe zusammenstecken bei DaWanda, T-Shirts shoppen bei DearGoods oder bei der Konkurrenz von colourmoods. Die locken nicht nur mit hautfreundlicher Bio-Baumwolle, sondern auch mit einer bunten Palette. Getreu dem Namen: Für jede Laune eine Farbe. Colour your mood – Bunt macht glücklich. Oder: Nur grün zu sein ist eben doch langweilig.

Überhaupt darf der Eventcharakter bei moderner Nachhaltigkeit nicht fehlen. Die perfekte Trinkflasche für Leitungswasser verspricht daher „praktisch, trendy, gemeinnützig, billig, mobil und aktiv“ zu sein. Denn schließlich ist Dopper eine Initiative zur Förderung des Trinkens von Leitungswasser. Dass die Flasche aus Plastik und nicht biologisch abbaubar ist, Nebensache. Mit Plastik gegen die Verkleinerung des Plastikabfallberges? Glasklar ist das nicht.

Irgendwie will der Funke in München trotz eines vielfältigen Mix aus Produkten und Dienstleistungen (noch) nicht so richtig überspringen. Lange Schlangen wie im November 2012 in Berlin sucht man zumindest am Samstagnachmittag vergeblich. Selbst meine Licht-Freude ist trotz großer Affinität zu schöner Wohnen etwas getrübt: Lampen aus nachwachsenden Rohstoffen? Eine Stahlblech-Pflanze war mir bis heute vollkommen unbekannt.

„Mal ganz ehrlich: Ökos mit ihren Latzhosen und Atomkraft-Nein-Danke-Stickern haben irgendwie doch recht gehabt“, hat Utopia auf eine andere Karte gedruckt. Mit anderen Worten: Reichen weniger Shoppen und ein bescheidenerer Kapitalismus oftmals nicht schon für heldenhafteren Konsum?

Wir bedanken uns beim Team Heldenmarkt, die uns eine Pressekarte für die Messe zur Verfügung gestellt hat.

Wutbürger vs. Schildbürger

In Berlin reißen sie Mauern ab, in München Häuser. Die Wutbürger gehen auch im Süden auf die Barrikaden. Für mehr bezahlbaren Wohnraum. Gegen Gentrifizierung und Luxussanierung.

Ich möchte Teil einer Bewegung sein!

Vielen Dank, GOLD | GRUND.