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Minimalismus und Zero Waste

Über Minimalismus und Zero Waste zu schreiben, fällt mir schwer. Denn ein Leben ohne Müll bzw. mit weniger Müll ist nicht nur ein hehrer Ansatz, sondern auch ein Thema voller Missverständnisse, Vorurteile und Angriffspunkte. Jüngstes Beispiel: Penny verzichtet ebenfalls auf die Plastiktüte. Ein aktueller Trend unter den Supermarkt-Ketten, der mit der geläufigen Annahme einhergeht, Einweg-Papiertüten und Baumwollbeutel seien per se nachhaltiger als die Kunststoff-Konkurrenz. Doch weit gefehlt: Beim Ressourcen- und Energieverbrauch schneiden die grünen Geschwister noch schlechter ab, d.h. viele Produkte erweisen sich erst ab einer längeren Nutzungs- bzw. Tragedauer als ökologisch vorteilhafter. Die Stofftasche müsst Ihr demnach mindestens 100 Mal ausgeführt haben.

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider
Wer also seinen Haushalt und seine Garderobe auf „grün“ umstellen will, sollte sich grundsätzlich überlegen, ob der Austausch gut erhaltener Artikel wie etwa Kleidung sinnvoll ist. Denn für jedes neue Stück werden neue Ressourcen und Energien fällig. Einen intakten Plastikrasierer gegen ein verchromtes Metallmodell zu ersetzen, ist nicht per se nachhaltiger. Und dennoch ist Herr M21er diesen Schritt vor einem Jahr gegangen und hat sich einen hochwertigen Nassrasierer von Mühle zugelegt, nachdem der Kunststoffvorgänger kaputt war. Sein Ansatz: Das Produkt eines mittelständischen, inhabergeführten Unternehmens, das Wert auf Nachhaltigkeit und lokale Fertigung legt. Das haben wir sogar in einem Unpacking-Video auf unserem YouTube-Kanal festgehalten.

Mein neuer Hobel hat mehr als das 12-fache meines bisherigen Modells gekostet. Dafür besitze ich jetzt ein Produkt für die Ewigkeit. Und das zahlt sich langfristig aus. Die Nassrasierer von Mühle sind mit allen klassischen Klingen kompatibel, die es in jedem Supermarkt günstig zu kaufen gibt. Insgesamt werde ich so unterm Strich sehr viel Geld (und Ressourcen) sparen.

Auch eine Form von Minimalismus: Weniger Müll im Bad

Keine Seite ohne Schatten
Ressourcen im Haushalt wollte auch ich beim Abschminken sparen. Nachdem der letzte Wattepad mein Badezimmer vor Kurzem verlassen hat, habe ich mir lokal bei OHNE – dem ersten verpackungsfreien Supermarkt in München – eine Packung Abschminkpads von Les Tendances d’Emma gekauft.
Die französische Firma produziert ökologische Textilien aus Biobaumwolle, waschbarem Bambus oder Eukalyptus (GOTS/Oeko-Tex-Standard).

Die Pads lassen sich prima bei 60 Grad waschen (auch wenn nur 40° C angegeben sind) und haben eine weiche und eine mikrofaserartige Seite. 300 Waschgänge überstehen sie laut Hersteller angeblich problemlos. Mein Tipp: Benutzte Pads gesammelt in einem Wäschesack in die Trommel geben. Doch selbst hier findet man die berühmte Nadel im Heuhaufen. Die Umverpackung enthält Plastik. Und alle Nähfans schlagen sich wahrscheinlich mit genau der Hand auf den Kopf, die mal eben einen Baumwollpad aus der Maschine zaubert. Anleitungen fürs Selbermachen und Nähen generell gibt es u.a. bei Shia von Wasteland Rebel sowie bei Kleider für Julia.

Apropos Verpackung: In Deutschland existieren klare und strenge Hygienevorschriften. So dürfen unsere Bambus-Zahnbürsten aus dem Hause Hydrophil bspw. nicht unverpackt daherkommen – hier immerhin in einer recycelten, 100% biologisch abbauberen Verpackung mit veganem Kleber. Auch nach zwei Jahren Nutzungsdauer (des Produkts, nicht der einzelnen Bürste) immer noch unser Favorit. Ein Alternativmodell haben wir Status Quo allerdings nicht getestet. Anmerkung: Als mir im letzten Sommerurlaub mein Modell im Hotel flöten ging, bin ich – mangels Alternativen – kurzfristig wieder auf ein Plastikmodell umgestiegen. Der Kunststoffschrubber fühlte sich eigenartig fremd, schwer und unnatürlich an. Für mich mittlerweile ein klares No-Go ebenso wie herkömmliche Ohrstäbchen. Plastikfreie Varianten mit Bio-Baumwollwatte gibt es in allen gängigen Drogeriemärkten. Die Frage, wie notwendig der Einsatz der Stäbchen ist oder nicht, muss jeder für sich selbst beantworten.

Unsere dentalen Begleiter im Badezimmer: Zahnbürsten von HYDROPHIL

Ergänzend sei an dieser Stelle ein Produkt erwähnt, das leider nicht dauerhaft in mein Badezimmer eingezogen ist, nämlich das native vegane Kokosöl aus dem Hause dm. Statt seidenweicher Lippen habe ich nach kurzer Zeit Schmirgelpapier über dem Kinn getragen. Die viel gepriesene Wunderwaffe gegen Hautirritationen aller Art und herkömmliche Lippenpflegestifte war bei mir ein Schuss in den Ofen. Grüne Allgemeingültigkeiten sind folglich auch bei Kosmetikprodukten immer kritisch und individuell zu hinterfragen.

Utopie Zero Waste?
Wer mehr zu müllfreieren Badprodukten und ihren Einsatz im Hause Minimalismus21 lesen will, dem empfehlen wir unseren Beitrag über die Zahnputztabletten von Denttabs oder unseren Versuch, eine in jeder Hinsicht – ethisch – korrekte Seife zu finden.
Darüber hinaus interessiert uns Eure Meinung: Macht der Begriff „Zero Waste“ (eng verbunden mit der Französin Bea Johnson) überhaupt Sinn? Müssten wir nicht lieber von einem Streben nach „Less Waste“ sprechen, weil jede Produktion von Gütern Spuren hinterlässt? Und weil wir qua unserer menschlichen Existenz und Beschaffenheit permanent „Rückstände“ produzieren?

Schreibt uns Eure Meinung (und Produktempfehlungen) gerne in die Kommentarbox.

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