Nachlese & Seitenblicke
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Stopping. Wie man die Welt anhält

Im Leben ist alles nur geliehen. Was wir besitzen, womit wir uns umgeben, welche Fragen uns beschäftigen – irgendwann beginnt das Loslassen ohnehin ganz von alleine. Ob wir wollen oder nicht. Persönliche Fähigkeiten lassen nach, geliebte Menschen verlassen uns. Bestimmte Themen verlieren an Aktualität und Relevanz, Konsumgüter verschleißen, nutzen sich ab, gehen kaputt. Selbst der eigene Körper – gehegt, gepflegt und manchmal sogar unendlich gedrillt – stellt sich am Ende als vergängliche Hülle heraus, die unser Sein lediglich begrenzt umfasst hat.

Wer kann es uns vor diesem Hintergrund also verdenken, dass wir stets Erfüllung suchen, nach Glück und Zufriedenheit streben, uns messen, vergleichen und darüber bisweilen an unseren eigenen Ansprüchen scheitern. Zumindest, solange noch Zeit dafür ist. Im verzweifelten Bemühen, der Endlichkeit zu entkommen, werden wir zu Klammeraffen: Unfähig, das Gestrige als unabänderlich zu akzeptieren, das Zukünftige mit offenen Armen und offenem Geist zu empfangen und wenigstens für einen Moment im Hier und Jetzt anzukommen. Zulassen bzw. Loslassen fällt schwer. Innerlich und äußerlich.

Das Leben ist jetzt
Dabei gibt es im Grunde keinen anderen Moment als den gegenwärtigen. Wer ihn wenigstens für ein paar Sekunden bewusst erleben will, tut gut daran, sich einmal nur auf den eigenen Atem zu konzentrieren. Doch bringt uns das wirklich in die Gegenwart? Und falls ja: Haben wir dann nicht oftmals an ihr etwas auszusetzen? Die Dokumentation Stopping. Wie man die Welt anhält geht dieser und vielen anderen Fragen nach. Sie begleitet vier Menschen bei ihrem Versuch, sich (wieder) mehr auf das Elementare und den Rückzug auf sich selbst zu konzentrieren. Doch was ist das eigentlich, das Elementare? Welche Dinge uns glücklich machen sollen, sagt die Gesellschaft. Und das sind meistens die falschen, heißt es sinngemäß in einer Sequenz der Doku, die Ruhm, Erfolg und Geld als alleinigen Maßstab für ein erfülltes Leben nicht gelten lassen mag.

Uta möchte in ihrer persönlichen Entwicklung ausgeglichener werden

Was ich habe, was ich bin, ja selbst, welche sozialen Kleider ich trage – all das streift der Kinofilm aus dem Jahr 2015 im Laufe von 90 Minuten ab und mit ihm auch seine Protagonisten: Friedrich, der Anästhesist aus Berlin, Dorothea, die Lektorin aus London, Uta, die Mutter dreier Kinder, und Nico, der Theologe. Vier unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichem Alltag, doch mit einer Gemeinsamkeit: Dem Abschied von Illusionen, die sie sich bislang von ihrem Leben gemacht haben, dem Abschied von permanenter Hektik, von Stress, Leistungsdruck, Perfektion und andauernder Verfügbarkeit. Sie alle suchen die Stille und Ruhe der Meditation, um in ihrem Leben besser gewappnet zu sein.

Auch Theologe Nico ist einer der vier Protagonisten der Doku. Er möchte sein Leben sinnbringend gestalten

Stopping begleitet diese Menschen und lässt den Zuschauer sehr nahe an sie herankommen bei ihrem ehrlichen Wunsch, den unruhigen Geist in den Griff zu bekommen und den Kritiker im Ich abzuschwächen. Ohne Wertung stellen Regisseur Bernhard Koch sowie Co-Autor und Cutter Nils Landmark verschiedene Arten der Meditation sowie deren berühmte Lehrerinnen und Lehrer vor. Vipassana, anthroposophische Meditation, Diamantweg, MBSR und Zen stehen in STOPPING gleichberechtigt nebeneinander, im Vertrauen darauf, daß die Zuschauer selbst für sich entscheiden können, was zu ihnen passt, so Koch. Hektische Szenen wechseln sich mit ruhigen Kameraeinstellungen und – im positiven Sinne – manchmal semiprofessionell wirkenden Aufnahmen ab, was eine authentische Nähe zu den Portraitierten schafft. Hier geht es nicht um menschliche Extremsituationen, wohl aber um den alltäglichen Wahnsinn, der dem Großteil der Zuschauer vertraut sein dürfte. Das schafft zahlreiche Identifikationsflächen, fernab vom Yoga-Zeitschriften-Werbungsklischee.

Pater Anselm Grün ist spiritueller Berater und geistlicher Begleiter

Eine besondere Stärke der DVD-Ausgabe aus dem Jahr 2016 liegt in dem mehr als 90-minütigem Bonusmaterial. Ungekürzte Interviews mit sämtlichen „meditativen Lehrmeistern“ des Hauptfilms eröffnen zahlreiche wertvolle Denkweisen zum einfachen Leben, die einen auf dem Weg zu einem minimalistischen Alltag aktiv unterstützen können. Besonders berührt bzw. angesprochen haben mich dabei die Gedankengänge von Pater Anselm Grün (Benediktinerpater), Fred von Allmen (Erkenntnis-Mediation) und von Dr. Vladimir Bostanov (achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie der Depression).

Stopping beleuchtet u.a. die Anthroposophische Meditation

Für Anselm Grün stehen etliche Menschen zu sehr unter dem Druck, wie sie sein müssten, sowie unter der Erwartungshaltung der anderen, aber nicht in Beziehung zu sich selbst und den Dingen. Grün plädiert dafür, sich durch Meditation wieder mehr zu spüren und einfach nur zu sein – fernab von Konsum und Lärm. Denn die Befriedigung durch materielle Güter ist meistens nur von kurzer Dauer, weshalb wir im Umkehrschluss immer mehr brauchen. Die Erfüllung liege vielmehr, dafür macht sich ebenfalls von Allmen stark, im „Nicht-Haben-Wollen“, weil Anhaftungen jeglicher Art zu einem Gefühl der Unzufriedenheit führen. Die Krux unseres Lebens liegt am Ende in seiner Vergänglichkeit. Alles ist im Fluss, Wandel und Unstetigkeit sind dem Dasein quasi systemimmanent.

Das Leben schreitet unaufhaltsam voran. Je mehr wir anhaften, desto mehr leiden wir

Die Einsicht über die Vergänglichkeit der Dinge macht einen frei und hilft Anhaftungen zu vermeiden, ergänzt Bostanov. Was Leiden schafft, ist der verzweifelte Versuch, jemanden und etwas festzuhalten zu wollen. Meditation kann ein Weg sein, um mit dieser tiefen inneren Weisheit und mit Minimalismus in Berührung zu kommen. Und aus dem Hamsterrad des Lebens wenigstens zeitweise auszusteigen.

Meditiert Ihr? Oder wollt Ihr damit anfangen? Und falls ja: Wie hat sich Euer Leben dadurch verändert bzw. was ist Eure Motivation? Verratet es uns und gewinnt eine von zwei DVDs des Dokumentarfilms Stopping. Jeder Beitrag samt E-Mail-Adresse (auf dem Blog nicht öffentlich sichtbar!) oder unter dem entsprechenden Facebook-Beitrag wandert in den Lostopf. Teilnahmeschluss ist der 22. Dezember 2017. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren. Viel Glück!

Alle Zitatesoweit nicht anders angegeben – stammen aus dem Booklet der DVD-Ausgabe. Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von spurenpfadefilme.de.

Stopping. Wie man die Welt anhält
Wege zur Meditation

Regie: Bernhard Koch
Sprache: Deutsch
Verleih: Spuren_Pfade_Filme
Kinostart: 2015
Länge: 90 Minuten plus 90 Minuten Bonusmaterial

Mehr Infos unter  stoppingthefilm.com

 

Für das PR-Sample sowie für die beiden Verlosungsexemplare bedanken wir uns bei Spuren_Pfade_Filme.

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