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#MoreMoments 13: Herr August und Kollegen

Als ich aufgewachsen bin, war Ehrenamt in meinem Elternhaus kein sperriger Begriff, sondern etwas, das gelebt wurde. Mein Vater engagiert sich seit Jahrzehnten beim örtlichen Gartenbauverein, während meine Mutter zusammen mit einer Freundin im benachbarten Kindergarten eine Bücherei gegründet hat. Zwar bin ich selbst schon seit Ewigkeiten Mitglied in selbigem Gartenbauverein und in den Semesterferien habe ich immer gern in der Kindergartenbücherei ausgeholfen, doch seit ich von Zuhause ausgezogen bin, war das Ehrenamt nichts mehr, über das ich mir Gedanken gemacht habe.

Volkslieder und Evergreens ertönen im Altenheim

Bis zum Winter 2016 – da fragte mich mein Gitarrenlehrer, ob ich Lust hätte, bei einem Projekt mitzuwirken. Er sei durch Zufall dazugekommen und da ich so gern sänge, sei es vielleicht genau das Richtige für mich. Eine Handvoll Musiker habe sich zusammengetan und trete mit Volksliedern und Evergreens in Altenheimen auf. Das klang interessant, zudem passte das Timing gut: Bis kurz zuvor hatte ich in einem Gospelchor gesungen, doch als sich die Probezeiten änderten, konnte ich nicht mehr teilnehmen. Mein Gitarrenlehrer nannte mir einen Kontakt und wenig später, im Januar 2017, trat ich das erste Mal mit „Hr. August & Kollegen“ auf.

Jung und Alt kommen beim Musizieren zusammen

In den vergangenen 20 Jahren habe ich mit verschiedenen Chören auf unterschiedlich großen Bühnen gestanden – und doch war dieser Auftritt eine ganz neue Erfahrung. Denn während ein Chor unterhalten, begeistern oder brillieren will, geht es bei unserem Gesangsprojekt darum, Inseln zu schaffen, zu motivieren, eine Pause vom Alltag zu geben. Und auch das Publikum unterscheidet sich von den Zuhörern, vor denen ich bis dahin aufgetreten war: In den Altenheimen singen wir ausschließlich für Demenzkranke. Wobei das noch nicht ganz stimmt: Wir singen weniger für die Heimbewohner, sondern vor allem mit ihnen.

Musik und Gesang erreichen die Herzen der Demenzkranken

Die magische Kraft der Musik
Dieser erste Auftritt machte mir zwei Dinge bewusst: Musik hat einen besonderen Effekt auf Demente, sie können sich oftmals an Lieder aus ihrer Vergangenheit erinnern und erlangen dadurch ein Stück Selbstvertrauen, auch wenn die Krankheit bereits weit vorangeschritten ist. Davon hatte ich zwar schon gehört, doch diese Wirkung selbst zu sehen, war äußerst ergreifend. Zudem dämmerte mir, wie wenig ich über die Lebenswirklichkeit in Altenheimen wusste. Keiner meiner Angehörigen lebt derzeit in einem Seniorenheim, sodass ich mich bis dahin nicht mit diesen Einrichtungen beschäftigen musste. Und deshalb überraschte es mich sehr, wie viel Freude wir zu den Bewohnern bringen konnten, indem wir mit ihnen sangen.

Musik verbindet – egal, in welchem Alter

Nach meinem ersten Auftritt mit „Hr. August & Kollegen“ war ich gleichermaßen beschwingt als auch erschüttert. Ich hatte von Demenzkranken gehört und gelesen, aber zu sehen, was die Krankheit mit dem Menschen macht, ließ mich nicht kalt. Gleichzeitig faszinierte mich, welche Wirkung unsere Lieder auf das Publikum hatte. Manche Bewohner hatten uns anfangs höflich angelächelt, andere wirkten in sich gekehrt oder gar lethargisch. Immer mehr Blicke wandten sich uns zu, sobald die ersten Töne von Geige, Akkordeon und Gitarre erklangen. Je länger wir musizierten und gemeinsam sangen, desto lebhafter wurde das Publikum. Am Ende forderten Heimbewohner und Pflegekräfte zusammen lautstark eine Zugabe.

Ein weiterer Unterschied zum klassischen Chorkonzert: Dort war ich zwar nach dem Auftritt stets geschafft und glücklich, aber niemals so erfüllt wie am Ende dieses ersten Nachmittags mit Hr. August. Dieses Gefühl der Erfüllung ist einer der Gründe, weshalb ich mit solcher Leidenschaft an diesem Projekt mitwirke. Denn obwohl wir Musiker diejenigen sind, die beim Auftritt anderen helfen und etwas geben möchten, nehmen wir doch jedes Mal so viel mit. Die Freude und Dankbarkeit, die uns von allen Seiten entgegenschlägt, ist wie eine warme Dusche für Seele und Herz. Jeder Auftritt entlässt mich mit dem Gefühl, nicht nur etwas Gutes, sondern auch das Richtige zu tun.

Herr August & Kollegen bei der „Arbeit“

Wer ist eigentlich dieser Herr August?
Entstanden ist die Gruppe vor ein paar Jahren, als einige Studenten beschlossen, in Altenheimen zu musizieren. Sie waren alle in verschiedenen Städten verstreut und je nachdem, wo sie sich trafen, fragen sie im örtlichen Heim an, ob sie dort mit den Bewohnern singen dürften. In einem der Altenheime fanden sie die Inspiration für ihren eigenen Gruppennamen: Dort trat eine andere Gesangstruppe namens „Hr. Kramer & Kollegen“ auf. Doch keiner der Studenten wollte seinen eigenen Nachnamen einfügen, bis einer von ihnen eine Idee hatte: Er las gerade den Roman „Der alte König in seinem Exil“ von Arno Geiger. Der Autor beschreibt darin, wie sein Vater August an Alzheimer erkrankt und die beiden im Verlauf der Krankheit noch einmal neu Freundschaft schließen. Kurzerhand liehen sich die Studenten den Vornamen des Protagonisten: Hr. August & Kollegen war geboren. Leider schlief das Projekt einige Zeit später ein, doch im Winter 2016 wurde es schließlich neu belebt.

Ein Teil der 20-köpfigen Musik-Truppe

Seither sind wir eine stetig wachsende Gruppe von derzeit rund 20 Personen aller Altersgruppen, die gern singen und musizieren. Nicht alle sind bei jedem Auftritt dabei, denn manche halten das Projekt im Hintergrund am Laufen: Sie kümmern sich um Organisatorisches, stehen in Kontakt mit den Ansprechpartnern der Heime und erstellen die unersetzlichen Doodle-Listen, ohne die wir uns sonst niemals auf einen Termin einigen könnten. Meistens sind wir etwa acht Leute, wenn wir zweimal pro Monat in zwei Münchner Pflegeheimen auftreten. Neben den Sängern ist auch immer jemand dabei, der ein Leitinstrument wie Gitarre oder Akkordeon spielt, auch eine oder zwei Geigen sind regelmäßig mit von der Partie.

Bevor es losgeht, verteilen wir Notenmappen, Schellenkränze und Egg-Shaker im Publikum, denn wer einigermaßen fit ist, macht begeistert mit. Unser Repertoire umfasst Volkslieder, Schlager und Evergreens – Melodien, die Bewohnern aus ihrer Jugend kennen. Gemeinsam singen wir „Das Wandern ist des Müllers Lust“, „Die Gedanken sind frei“ oder „Rote Lippen soll man küssen“. Mein persönlicher Favorit: „Mein kleiner grüner Kaktus“, denn da singen alle immer voller Begeisterung mit und amüsieren sich über den kleinen Kaktus aus Filz, den ich extra für diese Nummer besorgt habe – schließlich haben wir keine Kosten und Mühen gescheut, um das besungene Original vorzeigen zu können. 😉

Mit „Mein kleiner grüner Kaktus“ begeisterten seinerzeit schon die Comedian Harmonists die Zuhörer

„Wann kommen Sie denn wieder zu uns?“
Vor jedem Auftritt bin ich gespannt, was uns erwarten wird. Das Publikum ist immer recht gemischt: Manche sitzen mit abwesender Miene auf ihren Stühlen, andere beginnen direkt ein Gespräch mit uns, jemand winkt uns begeistert zu. Einige werden von einem Angehörigen begleitet, ein paar sitzen im Rollstuhl, manchmal steht sogar ein Bett im Raum. Während wir singen, dirigiert eine Dame bei jedem Lied mit, während sich ihre Sitznachbarin über die ausladenden Gesten beschwert. Es ist kein leises Publikum, sondern ein aktives: Als wir einmal bei einem Lied eine Strophe vergessen, werden wir direkt darauf hingewiesen. Und neulich haben uns alle zusammen gezeigt, wie das Lied „Mein Hut, der hat drei Ecken“ zu einer echten Herausforderung werden kann – indem man nacheinander einfach fast alle Wörter nicht mehr singt, sondern durch die entsprechenden Gesten ersetzt. Das Gelächter war groß, wenn wieder einer der „Augusten“ lauthals das Wort sang, das wir neu ersetzt hatten. Nach vierzig Minuten enden wir mit einer Zugabe, die sich die Bewohner aussuchen dürfen, und werden im Anschluss jedes Mal gefragt, wann wir denn wiederkommen. Hinterher seien die Bewohner viel ruhiger, heiter und beschwingt, haben uns die Pflegekräfte beider Einrichtungen berichtet. Man könne den Effekt jedes Mal deutlich spüren.

Der besungene Kaktus

Einen besonders emotionalen Moment habe ich bei einem Auftritt im vergangenen Advent erlebt: Wir hatten uns Repertoire angepasst und sangen an diesem Samstag nur Weihnachtslieder. „Alle Jahre wieder“, „Leise rieselt der Schnee“, aber auch „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ schallte durch den weihnachtlich geschmückten Raum, die Stimmung war feierlich. Zum Abschluss sangen wir natürlich „Stille Nacht, heilige Nacht“ – währenddessen kullerte bei so manchem eine Träne über die Wange und Taschentücher wurden gezückt. Wir hatten uns für dieses Lied alle die Hände gereicht, neben mir saß eine Frau im Rollstuhl, die zwar nicht mitsang, mich aber unentwegt anlächelte und meine Hand fest drückte. Doch als wir zuletzt noch einmal die erste Strophe wiederholten, sang sie aus voller Kehle mit, auch wenn ihr manche Worte Schwierigkeiten bereiteten. Da war ich diejenige, die zum Taschentuch greifen musste.

Über die Autorin
Stefanie Biberger lebt in München und arbeitet als Redakteurin in einer PR-Agentur. Musik und Gesang sind seit jeher ihr Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag – entweder indem sie zu Hause an den Gitarrenseiten zupft oder aber „Hr. August & Kollegen“ mit ihrer Sopranstimme unterstützt. Für ihr Engagement um das karitative Gesangsprojekt wurde sie im Frühjahr mit dem Burda Mitarbeiter-Ehrenamtspreis 2018 ausgezeichnet.
Wer nun neugierig geworden ist und auch aktiv werden möchte, darf sich gern bei uns melden: AugustundKollegen@gmx.de.
Wir freuen uns über neue Mitstreiter!

Alle Abbildungen © Sabrina Raschpichler (www.sabrinaverte.com)

More Moments.
Du willst anderen Menschen zeigen, was Dein Leben erfüllt, was Dich wirklich glücklich macht und bereichert? Du „sammelst“ lieber schöne Momente als Dinge und verbringst Zeit mit etwas Wertvollerem als mit compulsory consumption? Dann melde Dich bei uns und erzähle Deine (Minimalismus-)Geschichte. Wir freuen uns auf Dich.

#MoreMoments. Was wirklich wertvoll ist im Leben. Die aktuelle Blogserie auf Minimalismus21. Alle (vorherigen) Teile der Serie findet ihr unter dem Suchbegriff #MoreMoments rechts oben (Lupe) und natürlich bei Twitter. Zu Teil 1 und Teil 2 sowie zu Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6, Teil 7 sowie Teil 8, Teil 9 Teil 10 und Teil 11 und Teil 12.

Capsule Wardrobe: Projekt 333 in der Schwangerschaft

Ich interessiere mich seit über einem Jahr für Minimalismus. Obwohl ich noch lange nicht am Ziel bin, kämpfe ich mich mit Babyschritten voran – auch, weil ich viele Schritte mit meinem Mann zusammen gehen muss. Aber es haben inzwischen bereits ca. 200 Bücher meinen Haushalt verlassen, 50 CDs und DVDs, zwei Ordner Papierkram und viel Kleinkram; im Bad und sonst wo. Dadurch konnten eine Kommode, ein paar CD-Regale, eine Schreibtischaufbewahrung und ein Spiegeltisch gehen. Und es sieht (meistens) deutlich ordentlicher aus. Eine Shoppingqueen war ich zwar ohnehin nie. Aber ich behalte meine Dinge, bis sie auseinanderfallen. So sammelt sich doch einiges an. Es fiel mir stets schwer, Geschenke abzulehnen oder auszusortieren, wenn sie nicht zu mir passten. Irgendwann fühlte ich mich überwältigt: Meine Wohnung war nur noch ein Chaos und ich völlig überfordert.

Vom vollgemüllten zum bedarfsgerechten Kleiderschrank
Im Kleiderschrank habe ich natürlich auch aufgeräumt. In erster Linie haben mich abgelegte Kleidungsstücke von meiner Stiefschwester verlassen. Wir haben die gleiche Größe, aber sie trägt viel Polyester (kann ich nicht leiden) und eng geschnittene Kleidung, an der ich ständig „rumzuppeln“ muss. Lustigerweise durften dann eher zehn Jahre alte Pullis bei mir bleiben, die abgetragen aussehen, die ich aber liebe. Grundsätzlich dachte ich immer, dass ich nun wirklich keine Capsule Wardrobe brauche. Ich trage viel zu gerne bunt und liebe meine Kleidungsstücke. Gerade die schönen Sommerkleider, die nur wenige Monate zum Einsatz kommen, dafür aber alle bereits mehrere Jahre alt sind. Dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass mir Einzelteile fehlen. Ich habe mir zwei neue, blaue Jeans gekauft, weil die alten durchgescheuert waren. Kurze Zeit später merkte ich, dass ich eigentlich dringend eine schwarze Hose brauchte, allein aus Kombinationsgründen. Ich habe noch genug langärmlige Oberteile (fast alle abgelegt von meiner Stiefschwester), aber die sind für meinen Geschmack zu kurz. Ernsthaft: Wieso schneidern die Marken Winterkleidung bauchfrei? Neu kaufen will ich nicht. Im Grunde habe ich ja „genug“. Mein Kleiderschrank ist also größtenteils nicht bedarfsgerecht.

Capsule Wardrobe: Janines Kleiderschrank nach dem Ausmisten

Warum gerade jetzt? Schwanger!
Während der Schwangerschaft fasste ich schnell den Entschluss, mich nicht komplett für ein paar Monate neu einzukleiden. Aber einige Sachen sind dennoch dazugekommen. Ich habe mir zwei zusätzliche Gummizugröcke geliehen, unter denen ich gut dicke Strumpfhosen tragen kann (nicht in der Capsule Wardrobe, weil sie eher winterlich sind). Gebraucht gekauft habe ich mir außerdem zwei Shirts, zwei Tops, drei Leggins und einen Schwangerschaftsrock, der über den Bauch geht. Mein Kleiderschrank ist also ganz schön voll geworden. Und chaotisch. Gleichzeitig nervte es mich, dass mir ständig Sachen in die Hände kamen, die ich gar nicht mehr tragen konnte. Besonders meine Miniröcke und sehr enge Shirts passten früh nicht mehr. Warum also nicht jetzt, wo ich einen großen Teil meines Kleiderschranks ohnehin nicht nutzen konnte, das Projekt 333 – also 3 Monate lang nur 33 Kleidungsstücke – in Angriff nehmen? So hätte ich alles aus den Augen, was ich gerade nicht tragen kann, und genug Platz für die zusätzliche Kleidung. Außerdem sind viele der aktuellen Sachen bereits sehr alt und abgetragen; doch als Schwangere muss ich nicht immer top gekleidet sein. Aus verschiedenen Gründen arbeite ich überdies nicht mehr. Ich denke aber, dass man die Capsule Wardrobe für die Schwangerschaft problemlos um einiges schicker gestalten könnte (siehe Tipps).

Als im 6. Monat der Bauch langsam sichtbar wurde, war der perfekte Zeitpunkt gekommen:  Was jetzt schon sehr eng war, würde ich, bis das Baby da ist, keinesfalls mehr anziehen. Zudem stand der Frühling vor der Tür und die Wintergarderobe konnte weg.

Capsule Wardrobe! Wie bin ich es angegangen?
Erst einmal habe ich mir meine „perfekte“ Frühlings- bzw. Sommer-Capsule-Wardrobe aufgestellt. Schnell habe ich gesehen, dass überhaupt nicht so viel fehlt und ich einiges für die fortschreitende Schwangerschaft leicht umstellen und nutzen kann. Am nächsten Tag sortierte ich meinen Schrank aus: Erst einmal alles raus, was ich die nächsten Monate ohnehin vergessen kann. Ein paar Sachen habe ich nochmal anprobiert. Dann habe ich mich gefragt: Was ist im Moment besonders bequem? Werde ich das auch später tragen können? Habe ich etwas, das farblich dazu passt? Für welche Wetterlagen muss ich gerüstet sein?

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Ich habe schnell alles nach Kategorien zusammengestellt. Als ich fertig war, kam ich auf 35 Teile. Eigentlich zu viel. Um ehrlich zu sein, war ich selbst ein bisschen überrascht, was ich  noch tragen kann und möchte. Aber: Meine Jeans wird nicht mehr ewig passen und ich muss vier Monate auskommen statt drei; nur für den letzten Schwangerschaftsmonat mache ich keine extra Wardrobe. Leggins trage ich übrigens im Normalfall nicht „offen“. Trotzdem wollte ich sie mitzählen, weil ich es zum Schluss wohl doch machen werde. Ich bin also schon für ein paar Schwangerschaftseventualitäten gerüstet. Es soll ja auch kein Kampf sein, unbedingt auf 33 Teile zu kommen.

3 Monate mit 33 Kleidungsstücken oder: Alles, was nicht zählt

  • Einkaufstaschen wie große Rucksäcke, Beutel etc.
  • Wander-, Tanz- und Sportschuhe
  • Reine Sportkleidung (dabei auch die anderen Schwangerschaftsoberteile)
    Schlafanzüge
  • Unterwäsche und Strumpfhosen (kann ich ebenso nicht mehr alle tragen)
  • Ehering, Brille und Armbanduhr (habe ich einfach IMMER an und ohne Brille laufe ich überall dagegen)
  • Haargummis

In sieben Kategorien zur Capsule Wardrobe
1. Accessoires (obwohl ich wenig davon habe, die erste Kategorie, die ich gemacht habe):

  • 1 Kappe
  • 2 Schals /Tücher
  • 1 Handtasche (meine schicken Kleider kann ich gerade sowieso nicht tragen, also eine sportliche)
  • 1 bunter Rucksack
  • 1 Sonnenbrille
  • 1 Kette

2. Kurze Oberteile:

  • 4 einfache Shirts (eines extra für die Schwangerschaft, eines trage ich)
  • 1 schickeres Shirt, teils rückenfrei (recht eng, unklar, ob ich es bis zum Schluss tragen kann)
  • 3 Tops (das schwarze ebenfalls ein Schwangerschaftstop)

Projekt 333 oder die Oberteile aus der Capsule Wardrobe der Autorin

3. Lange Oberteile:

  • 3 Sweatshirt-Jacken
  • 1 Langarmshirt (Rest wäre bauchfrei)

4. Hosen:

  • 1 Jeans (wie gesagt, vermutlich nur mehr kurz in Gebrauch)
  • 1 dünne Gummizughose (ich liebe das Ding)
  • 3 Schwangerschaftsleggins (zwei lang, eine etwas kürzer, werden z.T. auch beim Sport getragen)

5. Kleider und Röcke:

  • 1 etwas dickeres Kleid
  • 2 bunte Röcke (einer davon der Schwangerschaftsrock)
  • 1 langer Rock, kann auch als Kleid getragen werden (dann unförmig, aber jetzt gerade egal)
  • 1 kurzes schwarzes Kleid, kann auch als Rock getragen werden (dann eher unförmig)

6. Jacken:

  • 1 Bolero
  • 1 Regenjacke
  • 1 dickere Jacke (von der Schwiegermama ausgeliehen, leider eher hässlich)

7. Schuhe:

  • 1 Paar wasserfeste Halbschuhe
  • 1 Paar Barfußschuhe
  • 1 Paar Sandalen

Aussortiert wird natürlich erst, wenn ich meine alte Figur einigermaßen wieder habe!

Was ich mir vom Experiment verspreche: Lösungen und Antworten

  1. Einen Kleiderschrank, der für mich funktioniert. Wenn ich morgens nur sehe, was ich nicht tragen kann, macht die Schwangerschaft keinen Spaß.
  2. Kann es funktionieren? Komme ich mit dem Waschen klar, wenn ich nur noch relativ wenig zur Verfügung habe? Gerade die Sweatshirt-Jacken und Röcke lüfte ich meistens eher aus und trage sie einige Tage. Aber Oberteile?
  3. Endlich ein paar Sachen „durchtragen“, besonders das Hardrock-Café-Shirt, die schwarze Sweatshirt-Jacke und die beiden normalen Tops sind extrem abgetragen. Vielleicht kann ich sie nach der Schwangerschaft endlich nicht mehr sehen und als Putzlappen entsorgen. Vielleicht trifft dieses Schicksal dann sogar Sachen, die nicht in der Capsule Wardrobe enthalten sind.
  4. Wieder mehr auf Kleidung freuen, die ich momentan nicht trage(n kann).
  5. Ermitteln, was ich wirklich brauche. Welche Farben kann ich kombinieren, ohne auf Buntes verzichten zu müssen? Welche Basics fehlen?

Tipps und Variationen
Diese Capsule Wardrobe ist natürlich extrem auf meine Bedürfnisse und meinen – eher flippigen – Stil abgestimmt. Aber ich habe mir auch Gedanken gemacht, wie man seinen Kleiderschrank für die Schwangerschaft mit wenigen Neuanschaffungen anders zusammenstellen kann.
Die Garderobe ist auf eine relativ moderate Gewichtszunahme bis ca. 15 kg abgestimmt. Ich bin jetzt im sechsten Monat und es lässt sich vorausahnen, dass ich keine richtige „Bombe“ werde. Seit der Bauch im fünften Monat weiter nach oben gewandert ist, passen meine Hosen sogar wieder besser. Ich kenne aber auch Frauen, die 30 kg und mehr zugenommen haben. Dann hilft natürlich nicht mehr viel. Trotzdem habe ich vorgesorgt. Ich rechne zwar damit, dass ich jedes Kleidungsstück bis zum Schluss noch gut in verschiedenen Kombinationen tragen kann, aber ich habe auf die Bundhöhen geachtet. Ich kombiniere längere Schwangerschaftsoberteile mit Unterteilen, die unter dem Bauch sitzen. Oder ich trage Unterteile mit hohem Bund zu regulären Oberteilen. Im Notfall fällt selbst die schwarze Leggins nicht auf, die zwischen Rock und schwarzem Shirt sichtbar wird.

Ich bin aber eher der Hosen-Typ
Ich persönlich trage im Sommer Jeans eigentlich nur zum Skaten. Das fällt aufgrund der Sturzgefahr diesen Sommer aus. Deshalb reicht eine Jeans in meiner Schwangerschafts-Capsule-Wardrobe; wenn ich aber gar nicht ohne Denim leben könnte, hätte ich statt der drei (!) Leggins vermutlich eher zwei Schwangerschaftsjeans (lang/ kurz) und nur eine Leggins gekauft.
Selbst wenn ich noch arbeiten würde, sähe meine Auswahl nicht viel anders aus. In meinem Beruf als Buchhändlerin trug ich jedes dieser Outfits bereits auf der Arbeit. Aber klar: Es gibt Jobs, da muss man anders gekleidet sein. Einer meiner Tipps: schwarze Chino- bzw. Jogginghosen, die inzwischen wirklich äußerst schick sind und auch nach der Schwangerschaft noch gut aussehen werden, vor allem in Kombination mit einem schlichten Oberteil. Statt der bunten Röcke kann man schwarze nehmen, die mit Feinstrumpfhosen aufgewertet werden, sodass der Gummizug kaum auffällt. Statt der Sweatshirt-Jacken würde ich einen Blazer wählen und ihn offen tragen (möglicherweise in Kombination mit einem Tuch) und einen Cardigan, der sich sowohl im Beruf als auch privat gut kombinieren lässt. Zusammen mit einem schlichten Oberteil sowie einer Kette wirkt beides sehr schick und dürfte für die meisten Büroberufe gut passen.

Das Standard-Outfit aus dem neunten Schwangerschaftsmonat

Wenn es um flotte Schwangerschaftsmode geht, liebe ich Strickkleider. Wann kann man schon den Bauch betonen, wenn nicht jetzt? Mit einer guten schwarzen Leggins und dem genannten Blazer würde ich sogar auf einer Hochzeit auftauchen. Dazu ein paar schicke, flache Ballerinas, wenn man sie gut tragen kann. Sonst einfach niedrige Boots oder einige Halbschuhe mit den schickeren Outfits kombinieren.

16. April 2018: Erstes Update
Recht schnell hat sich meine Capsule Wardrobe erneut verkleinert. Eine der Schwangerschaftsleggins trug ich vor dem Experiment noch nicht und merkte direkt, dass deren Nähte extrem ungünstig sitzen und zu dick sind. Ich hatte sofort aufgeriebene Stellen an den Beinen. Also wird sie verschenkt – ab in den Umsonstladen. Zum Glück war sie ja gebraucht. Ich erwäge auch, die Barfußschuhe auszusortieren. Ich habe bereits kurz nach dem Kauf vor zwei Jahren gemerkt, dass ich sie mir nicht noch einmal kaufen würde. Durch die ganzen Kunststoffe fangen die Schuhe schnell an zu müffeln, obwohl ich damit eigentlich nie ein Problem habe! Zudem musste ich mich immer erst an die Verstärkung der Sohle an der Ferse gewöhnen, wollte sie aber eigentlich vor dem Ausmisten auftragen. Jetzt stelle ich fest, dass ich davon drei Tage lang wunde Füße habe. Komplett barfuß gehen klappt besser. Vielleicht sind meine Füße gerade empfindlicher? Könnten also doch noch nur 33 Teile werden.

Was ich schon sagen kann, ist, dass ich definitiv noch mehr auf bessere Qualität setzen muss. Meine Pumphose lag bereits wieder zwei Mal unter meiner Nähmaschine! Die Nähte sind einfach zu unsauber versäumt und lösen sich ständig. Bei einer kleinen Garderobe kann man solche Kleidungsstücke wirklich nicht brauchen. Auch den langen Rock musste ich bereits reparieren. Weil ich diese Kleidungsstücke bisher aber selten in besserer Qualität gesehen habe, erwäge ich, mir schlicht eine solche Hose selbst zu nähen – sobald ich mich wieder sinnvoll ausmessen kann. Von meiner ältesten Sweatshirt-Jacke mit den kaputten Säumen und dem löchrigen Barcelonashirt bin ich schon jetzt genervt. Die Therapie scheint also anzuschlagen. Ach, eines hatte ich vergessen: Ich stricke mir gerade einen Stillponcho. Je nachdem, wann ich fertig werde, könnte er noch den Platz der Leggins ersetzen.

24. Mai 2018: Zweites Update
Eines der Tops (das grüne) hat einen Fleck, den ich nicht mehr rausbekomme – direkt an der Brust. Mist! Ich bekleckere mich im Allgemeinen momentan ziemlich krass, weil ich meine Ausmaße irgendwie nie richtig einschätze. Ich krame in meiner normalen Garderobe, was ich da noch finde – sonst wird es gerade nächste Woche eng. Es soll über 30° und schwül werden.

Fazit
Das Projekt ist beendet: Mein kleiner Sohn liegt jetzt im Tragetuch an meinem Körper. Noch passe ich nicht wieder in meine komplette Garderobe, aber in Vieles. Wie erwartet wurde ich keine „Bombe“. Ich habe zwar ordentlich zugelegt, bin aber aus nahezu keinem Teil der Capsule Wardrobe rausgewachsen; außer aus einem T-Shirt und einer Sweatshirt-Jacke. Tatsächlich habe ich durch das Experiment einiges gelernt. Zum einen war es wirklich eine Erleichterung, nur noch Kleidung greifbar zu haben, die ich tragen konnte. Ich hatte lediglich eine Kommodenschublade und ein Unterwäschefach. Und das reichte. Zum Schluss wurde es mit den Oberteilen etwas eng, da ich ein Top mit Fleck aussortieren musste und keinen Ersatz besaß; und weil es seit Mai fast durchgängig sommerlich war. Wer kann das ahnen?

Minimale Mogelpackung
In zwei Fällen habe ich allerdings geschummelt: Zum einen habe ich ein T-Shirt ausgetauscht, das zu eng wurde. Zum anderen habe ich mir ein Schwangerschafts- und Stillkleid gekauft. Ich benötigte es für eine Hochzeit kurz nach der Geburt. Und in meinen Augen wäre es Quatsch gewesen, es wegen des Experiments in der Schwangerschaft nicht zu tragen. Dafür habe ich vor allem drei Kleidungsstücke aus meiner Wardrobe nie getragen: den Bolero (dann doch lieber Sweatshirt-Jacken, eine davon war zum Schluss übrigens auch zu klein), die Jeans (zuerst weil so schönes Wetter war und dann… war immer noch schönes Wetter und die Hose zu eng) und das Langarmoberteil (Wetter…).

Gelernt habe ich zudem, dass Qualität wirklich extrem wichtig ist in einem überschaubaren Kleiderschrank. Die Stoffhose lag unzählige Male unter meiner Nähmaschine, weil sie nicht gut verarbeitet war. Das nervt! Meine löchrigen Shirts wurden noch löchriger, weil ich sie so oft trug. Aber nach zehn Jahren ist das in Ordnung. Barfußschuhe kaufe ich nie wieder. Aufgrund des extremen Schweißgeruchs habe ich sie bereits im Mai aussortiert. Ich hasse Plastikkleidung. Eine Leggins, deren Nähte ungünstig saßen, habe ich ebenfalls direkt ausgemistet. Wenn ich durchzähle, umfasste meine tragbare Garderobe in den letzten sechs Wochen noch 23 Teile. Ein T-Shirt und das fleckige Top sind übrigens bereits zu Läppchen für den Babypopo geworden.

Über die Autorin
Darf ich vorstellen: Janine. Historikerin, Buchhändlerin und in der falschen Zeit geborener Punk-Hippie. Mitglied der sogenannten Generation Y. Seit über einem Jahr werde ich Stück für Stück minimalistischer. Und ich weiß nicht, warum ein Baby das ändern sollte.

Alle Abbildungen – soweit nicht anders angegeben – © privat.

Mitmachen
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Kinostart: Draußen

Presley und Pilze. Musik und Buch. Für Elvis und Matze sind das überlebenswichtige Besitztümer. Dinge, auf die sie nicht verzichten können und wollen. Elvis, der sich so nennt wie sein gleichnamiges US-Idol, findet in den Liedern der Rock- und Poplegende Halt: Das Anhören der Songs „bringt einen immer wieder auf Stimmung, auch wenn man – auf Deutsch gesagt – am Boden liegt“, sinniert er. Und am Boden lag der Mann mit dem Ausdruck gelebten Lebens in den vergangenen Jahren sehr oft. Im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Denn Elvis ist obdachlos. Genau wie Matze, ein junger Mann mit sensiblen Gesichtszügen, der zu seinem überschaubaren Hab und Gut unter anderem ein Buch über Essbares aus der Natur zählt. Wenn es um das nackte Überleben in Wald und Flur geht, ein unermesslicher Schatz; und seit einer Pilzvergiftung in der persönlichen Bedeutung noch gestiegen.

„Wenn ich es nicht sauber gehalten hätte, dann hätte ich nie hier bleiben können“, sagt Elvis über seinen Platz unter der Brücke

Beide Männer sind Protagonisten und Porträtierte im Dokumentarfilm von Johanna Sunder-Plassmann und Tama Tobias-Macht, der am 30. August bundesweit in den deutschen Kinos startet. Draußen begleitet insgesamt vier Männer, die auf der Straße leben und den Filmemacherinnen nicht nur ihr Innerstes, sondern auch den Inhalt ihrer „Plastiktüten und Einkaufswagen“ offenbart haben: „Bei den Interviews fragten wir nach den persönlichen Gegenständen der Protagonisten. Entgegen unseren Erwartungen besaßen alle Gesprächspartner interessante Objekte, sorgfältig ausgewählt und bewahrt. Es waren Erinnerungsstücke, Fragmente und Bruchstücke aus einem früheren Leben, aber auch Dinge, die vom Leben auf der Straße erzählten. Sie waren, so wie bei allen anderen auch, Teil ihrer Persönlichkeit und Ausgangspunkt für ganz besondere, überraschende Geschichten, die den Leitfaden des Films bilden“, so das Regiestatement der beiden Frauen.

„Für draußen sind wir in eine Parallelwelt eingetaucht, der wir täglich begegnen und die wir zu kennen meinten“, so die Filmemacherinnen

Herausgekommen ist ein 80-minütiger Beitrag, der sich fließend zwischen Dokumentarfilm und Kunstinszenierung hin und her bewegt. Was Elvis, Matze, Peter und Sergio ihr minimalistisches Eigen nennen, ist maximal überlebensnotwendig. Egal, ob es sich um Fan-Devotionalien, Sammelfiguren aus Überraschungseiern, alten Fotos oder um Fixerbesteck handelt. Obwohl der Besitz jedes Einzelnen in eine überschaubare Kameraeinstellung passt, ist der individuelle Wert dahinter kaum zu greifen.

Der Besitz der vier Männer steht stellvertretend für vier Vergangenheiten, ist Spiegel verblasster Tage, Zeugnis enttäuschter Hoffnungen und zerstörter Träume sowie Halt in Zeiten wie diesen. Etwa bei Matze, der ein graviertes Besteck in den Händen wiegt, aufgeladen mit Erinnerungen, von denen er hofft, sie mögen auf ewig bleiben und nicht wegrosten, nicht aus der eigenen Biographie verschwinden wie der Großvater, bei dem er aufgewachsen ist. „Erfahrungen machen das aus uns, was wir sind“, bilanziert er. Und um Erfahrungen und Erinnerungen geht es sehr viel in dieser Doku, die keine Stimme aus dem Off und keinen Erzähler im Hintergrund benötigt, aber stattdessen auf lange Einstellungen und Raum für Innenwelten setzt.

Mit dem Erlös von vier Pfandflaschen kann sich Matze einen ganzen Tag lang ernähren

Die frühkindliche Sozialisation zieht sich wie ein bleischwerer Faden durch die Biographen dieser Menschen und lässt sie nicht mehr los, die Heimkinder, die Verstoßenen, die Haltlosen. Auch nicht unter einer Brücke, irgendwo in Deutschland, irgendwo bei Köln. Und dennoch kommt Peter, der ehemalige Karnevalsprinz, Punk und Ehemann zu einem für viele Zuschauer wohl unerwarteten Schluss: „Ich kann gar nicht mehr anders leben, ich möchte gar nicht mehr anders leben.“ Bei Elvis klingt das ähnlich. Nachdem die Filmemacherinnen ein altes Kissen in Herzform aus seinem penibel angeordneten Schlafplatz in Szene gesetzt haben, wird ein emotionales Bruchstück aus einem fremden Leben sichtbar. „Ich liebe Dich“ ist auf dem Herzen zu lesen, das einst in Form einer Schausteller-Tochter für den heute weißhaarigen Mann schlug. Eine Liebe, die durch einen tödlichen Unfall endete. Für Elvis zugleich das Ende einer – wie auch immer gestalteten – „Normalbiographie“. Raus auf die Straße will er nur noch, keine Erinnerungen mehr haben, weil alles fortan negativ behaftet ist. Über vier Jahrzehnte ist das nun her.

Elvis ist ihm Heim aufgewachsen, ohne Privatsphäre und ohne Rückzugsmöglichkeit

Es sind Schicksale, die berühren und die unser Verhältnis zu unseren Besitztümern in ein vollkommen neues Licht rücken. Wenn Matze eine kleine Fee bzw. Elfe aus einem Überraschungs-Ei an sein provisorisches Zeltdach im Wald hängt, ist die kleine Figur mehr als nur ein Spielzeug aus Kunststoff. Sie ist eine Hüterin der Vergangenheit, eine Reminiszenz an das Kind Matze, das sein erstes Taschengeld in diese Eier investierte. Ein sichtbarer Faden der eigenen Geschichte, die Biographie heißt, abgerissen und dennoch weitergesponnen. „Wir wollten, dass unsere Protagonisten für eine Nacht in einem anderen Licht dastehen. Deshalb haben sich für die Dauer einer Nacht, ihre Schlafplätze verwandelt. Wir gingen von den vorhandenen Gegenständen und ihren Geschichten aus und schufen einen neuen Raum. Dort, wo unsere Helden Schutz suchen, an ihrem Lagerplatz, entstanden individuelle Kompositionen, wie Bühnenkulissen oder Vitrinen eines Museums“, heißt es in der Synopsis zu Draußen.

Peter und Sergio (rechts im Bild) teilen ihren Alltag. Die Kameras ihren Besitz

Persönlicher Besitz, behaftet mit einer emotionalen Spannbreite wie Scham und Stolz, sowie reine Selbsterhaltungsanker hängen daher plötzlich an Betonwänden, an Astgabeln, sind fein säuberlich eingepasst in Quadrate und rücken in den Fokus, aber (leider) auch von ihren Besitzern weg. Ob das bislang Gesehene und Gehörte auf diese Weise „überhöht und dadurch anschaulich“ oder ein „poetische(r) Erlebnisraum“ für Betrachter zur „individuellen Auseinandersetzung“ mit Matze, Elvis, Peter und Sergio geschaffen wird, wie es Sunder-Plassmann und Tobias-Macht postulieren, sei dahingestellt. Einen Einblick in die komplexe Bedeutung von Dingen auf unser Leben und die mitunter leidvolle, lebenslange Komplizenschaft mit selbigen verschafft der Dokumentarfilm in jedem Fall.

Draußen

Buch, Regie und Schnitt:
Tama Tobias-Macht und Johanna Sunder-Plassmann
Sprache: Deutsch
Kinostart: 30.8.2018
Länge: 80 Minuten

Eine Produktion der unafilm GmbH in Koproduktion mit dem WDR in Zusammenarbeit mit ARTE.

Für die Möglichkeit zur Preview bedanken wir uns bei der Kölner Filmpresse.