Neueste Artikel

Heldenmarkt 2014: Messeauftakt in München

Es ist wieder soweit: Am kommenden Wochenende öffnet der Heldenmarkt zum zweiten Mal in München seine Pforten. Am Samstag, dem 8. und Sonntag, dem 9. März 2014 dreht sich im Postpalast alles um das Thema „nachhaltigen Konsum“.

HeldenmarktMuenchen2014

Heldenmarkt 2014 im Münchner Postpalast

Zur Premiere im Vorjahr waren gerade einmal 65 Anbieter vor Ort. Dieses Mal werben schon 115 Aussteller für einen bewussteren Konsumalltag – von grüner Mode über veganes Essen bis hin zu sozial-ökologischen Finanzanlagen, alternativen Mobilitätsangeboten sowie Upcycling-Produkten ist alles dabei. Vorträge, Workshops, Ausstellungen und interaktive Elemente runden die beiden Messetage ab.

Weitere Infos und Veranstaltungsorte unter www.heldenmarkt.de.

Location: Postpalast, Wredestr. 10.
Öffnungszeiten: Samstag von 10.00 bis 20.00, Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr.
Eintritt: 9,00 €/ ermäßigt 6,00 €. Kinder bis 14 Jahre frei.

 

Geschichten aus der großen Stadt 1: Begegnungen

Sie spricht mich am Eingang des Friedhofs an. Wo denn das Krematorium sei. Der Taxifahrer hat sie soeben abgesetzt. Jetzt geht sie etwas schwerfällig den kleinen Pfad Richtung Aussegnungshalle entlang. Ich bin mir nicht sicher und begleite sie ein Stück. Mein Ziel: Die Wegweiser, die ein paar hundert Meter weiter in der Sonne leuchten, schwarze, kleine Schrift auf weißem Grund. Zu klein für die Entfernung. Wir laufen nebeneinander in den Strahlen der ersten Frühlingssonne. Die kleine, alte Dame und ich, die ich gerade ein bisschen Ruhe in der Mittagspause suche. Plötzlich bricht es aus ihr heraus. Ihre beste Freundin wird heute bestattet, heute, am 6. Februar 2014, einem milden, warmen Tag. Ich spüre ihre Trauer und wie sie um Fassung ringt, während ihre rechte Hand den kleinen weißen Blumenstrauß fest umklammert hält.

Statue

Frühlingserwachen

Barbaratag im Februar
40 Jahre haben sie gemeinsam bei der Post gearbeitet. Neun Kilometer ist sie damals immer mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Das Rad ist auch heute noch ihr liebstes Fortbewegungsmittel. Besser als laufen, denn da schmerzen Hüfte und Knie. Wir bleiben stehen, blinzeln in die Sonne und sie sagt etwas, das nach „Es ist so traurig, so ein Anlass, also der Tod, passt einfach nie“ klingt. Langsam tippeln wir zusammen weiter, ich solle mich nicht aufhalten lassen. Doch ich empfinde ihre Kontaktaufnahme nicht als störend. 87 Jahre sei sie alt, genauso alt wie ihre Freundin. Geboren 1926, am 4. Dezember, das Datum für den Barbaratag. Ihren Vornamen hat sie aber nicht vom Gedenktag bekommen.

Mutter oder Vater, das weiß sie nicht mehr so genau, hat Barbara nicht gefallen. Ich sage ihr, dass ich sie nicht auf 87 geschätzt hätte, 77 maximal. Da lacht sie und das Strahlen der Sonne leuchtet in ihrem Gesicht auf. Wie alt ich sei, will sie wissen. Dass uns ein halbes Jahrhundert trennt, kann und mag sie nicht glauben. Mehrfach artikuliert sie ihre Überraschung, und als wir vor dem Krematorium angekommen sind, lachen wir beide. Sie ist eine Dreiviertelstunde zu früh da, aber das macht nichts. Viel mehr Sorgen bereitet ihr, dass sie leichtsinnig gewesen ist. Weil sie nun wohl vielen Leuten die Hand schütteln müsse, hat sie ihren Stock zu Hause gelassen aus Angst, sie könne ihn irgendwo vergessen. Ja, der Stock, wie leichtsinnig sie doch sei. Leichtsinnig.

Citystories

Geschichten aus der großen Stadt

Ein Drehbuch, das Leben heißt
Ich muss an die Wörter „leichten Sinnes sein“ denken. Hier nicht negativ konnotiert, sondern in der Bedeutung von sorglos, gewagt, dem Leben zugewandt und voller Zuversicht, dass es auch ohne Vertrautes gehen werde. Ich muss daran denken, dass man Vertrauen haben muss, wenn man loslassen möchte, in sich selbst, in den Gang der Dinge.

Und doch gibt es sie, die externen Markierungen, die Schranken, die alles Irdische begrenzen, die uns Endlichkeit und Zerbrechlichkeit vor Augen führen. Heute Mittag auf dem Friedhof ist mir wieder einmal klar geworden: Loslassen passiert lebenslang, freiwillig und gezwungenermaßen, im Wechsel und parallel, auf vielen Ebenen. Und nicht immer führen wir in diesem Prozess Regie, übernehmen die Hauptrolle oder können am Drehbuch mitschreiben. Und nicht immer können wir so einfach auf die Dinge verzichten, vor allem, wenn sie uns stützen und Halt geben. Äußerlich und innerlich.

Die alte Dame setzt sich noch ein wenig auf die Bank vor der Halle und wartet.

App ins Netz: minimalistische Anwendungen

Ich gebe zu: Ich mag mein Smartphone. Sehr. Dabei habe ich mich dieser Technikneuerung lange verwehrt. Fast schon trotzig landete mein total verschrammtes Nokia bei Treffen mit Freunden neben schicken Smartphones auf dem Kneipentisch. Mobiles Internet? So ein Quatsch! Nach einem missglückten Versuch mit sündhaft teuren Minutenpreisen dauerhaft auf dem Nokia deaktiviert.

App ins Netz
Trotzdem strahlten diese modernen Wunder der Kommunikation eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Vor einem guten Jahr dann die Wende – mein Handyvertrag lief aus. Entsprechend empfänglich war ich für das verlockende Angebot des Kundenservices. Normalerweise ist es nicht mein Ding, mich am Telefon bequatschen zu lassen. Aber ich musste mir eingestehen, dass es bereits beschlossene Sache war: Auch ich wollte endlich in die mobile Internetwelt vordringen. Pure Konsumlust siegte gegen minimalistische Vernunft.

Minimalist_App

Ein Screenshot aus vergangenen Tagen:
30 Tips for a Minimalistic Life

Bis heute habe ich meine Entscheidung keinen Tag bereut. Obwohl mir dieses Gerät durchaus Selbstdisziplin abverlangt: Besonders für abendliches Surfen im Bett bin ich leider anfällig. Ansonsten hat sich die Nutzung rasch auf ein sinnvolles Maß eingependelt… und die Freiheit, den stationären Rechner zur Seite legen zu können, möchte ich tatsächlich nicht mehr missen. Selbst mein privater Internetkonsum hat sich kaum verändert. Der tägliche Zeitaufwand ist nicht größer geworden, nur dass ich jetzt oftmals E-Mails, News und Blogs direkt auf dem Smartphone lese und das Notebook hauptsächlich für die Arbeit benutze.

Appgetaucht
Wenn ich in der Vergangenheit doch einmal Gefahr gelaufen bin, unnötig viel Zeit im (mobilen) Internet zu vertrödeln, habe ich mir wiederholt eine kostenlose Anwendungssoftware zunutze gemacht: Die App „Minimalist. 30 Tips for a Minimalistic Life” beinhaltet eine gelungene Sammlung lebensnaher Alltagstipps. „The wonderful thing about minimalistic lifestyles is that there are no concrete rules on how you need to live. Everyone has their own style of minimalism that works best for them”, hieß es da beispielsweise an einer Stelle. Hieß?

Seit Kurzem ist die App nicht mehr verfügbar. Ist weg, einfach verschwunden. Fast scheint es, als hätte sich der Minimalismus hier selbst geschluckt, als sei die Anwendung Opfer ihrer eigenen Philosophie geworden: „The minimalistic lifestyle allows people to rid themselves of these unnecessary aspects”. Weniger ist eben doch mehr.

Kennt ihr Alternativen? Welche Apps könnt ihr stattdessen empfehlen?