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Mehr Unordnung für Ordnung

Für mich ist beim Einrichten und Gestalten weniger eindeutig mehr. Ein buntes Sammelsurium herumstehender Dinge? Mein absoluter Albtraum. Viel lieber platziere ich bewusst ausgesuchte Deko-Gegenstände auf den Oberflächen meiner Möbel. So fühle ich mich wohl, habe schöne Blickpunkte und eine pflegeleichte Einrichtung.

Sich selbst dafür zu entscheiden, ausschließlich ausgesuchte Dinge ins Haus zu holen, funktioniert wunderbar einfach. Bedeutend schwieriger wird es, mit all den Sachen, die tagtäglich von anderen an einen herangetragen werden, umzugehen. Familie, Freunde, Bekannte: Alle, die mich kennen, wissen beispielsweise von meinem Faible für gut gebaute Wohngegenstände. Deshalb werde ich regelmäßig mit Deko überrascht – in welcher Form und Farbe auch immer; bekomme ungefragt Vasen, Sammelfiguren, Blumentöpfe, Deko-Teller etc. Früher brachte mich das regelmäßig in eine moralische Zwickmühle: Einerseits freute es mich natürlich, wenn jemand an mich und meine Interessen dachte. Andererseits nervte es mit der Zeit immer heftiger, wenn ich ungefragt mit Dingen zwangsbeglückt wurde, für die ich mich niemals freiwillig entschieden hätte.

Eure besten Tipps rund um das Thema „Minimalismus“ in unserer neuen Blogserie

Was soll ich mit all dem Zeug?
Lange Zeit habe ich für jedes erhaltene Deko-Stück in Regalfächern, auf Kommoden und Fensterbänken den besten Platz gesucht. Dazu fühlte ich mich als Beschenkte verpflichtet. Doch irgendwann hat es mir gereicht: Ich wollte all diese Dinge einfach nicht mehr sehen. Also begann ich, meine Möbeloberflächen, Regalfächer, Fensterbänke, Schränke und Kommoden systematisch ab- und auszuräumen und mich von Dingen, die ich weder mochte noch brauchte, zu verabschieden. Übrig blieben nur meine Möbel, ausgesuchte Deko-Gegenstände, persönliche Sachen, wichtige Unterlagen und nützliche Dinge.

Die sortierte ich – soweit sinnvoll – in Aufbewahrungsboxen ein und verstaute sie in Schränken und Schubladen. Schließlich wollte ich meine Sachen nicht nur geordnet unterbringen, sondern auch schnell und einfach auf sie zugreifen können. Der Rest wurde gespendet, verschenkt oder verkauft. Ich war richtig glücklich und zufrieden mit mir selbst, als ich mich nach meiner rigorosen Ausmist-Aktion entspannt zurücklehnte und mein Werk betrachtete. Ich fühle mich richtig wohl in meiner neuen Wohnumgebung. „So kann es bleiben“, dachte ich mir. Blieb es aber nicht. Zumindest nicht lange. Irgendwie kam und kommt ständig neues Zeug an. „Da habe ich ausgemistet, sortiert, geordnet – und dann flattern von außen wieder Dinge ins Haus. Ständig. Fast täglich. Das darf doch nicht wahr sein.“

Wo kommt mein ganzes Zeug laufend her?

  • Familie, Freunde, Bekannte
    Liebe Menschen, die mich zu diversen Anlässen beschenken oder zu Besuchen gerne „bleibende Gastgeschenke“ ganz nach IHREM Geschmack mitbringen, obwohl sie wissen, dass ich wunschlos glücklich bin.
  • Post
    Prospekte, Kataloge und Broschüren, viel zu schön, um sie einfach wegzuwerfen. Oder womöglich beruflich noch einmal wichtig.
  • Werbegeschenke, Goodies
    Egal ob Kugelschreiber, Notizblock, Käppi oder Plüschfigur: Zu vielen Einkäufen und bei diversen Veranstaltungen gibt es Extras wie diese obendrauf.

Ich habe lange hin und her überlegt und herumprobiert, wie ich es schaffe, dieses Zeug nicht mehr (dauerhaft) ins Haus zu lassen. Meine alte Methode: Dinge, mit denen ich im Moment nichts anzufangen wusste, in irgendeinen Schrank zu legen, wo gerade Platz ist.

  • Nachteil 1: Das Zeug verteilt sich, zwar unsichtbar, über den ganzen Raum.
  • Nachteil 2: Legt und stellt man Zeug einfach so zwischen ordentlich Verstautem ab, wird es mühsam, in einen Schrank zu greifen und einfach etwas herauszunehmen.
  • Nachteil 3: Immer, wenn neues Zeug ankommt, muss überlegt werden, in welchem Schrank man es unterbringt.
  • Nachteil 4: Einmal unsichtbar weggeräumt, weiß man innerhalb kürzester Zeit nicht mehr, wo man das Zeug untergebracht hat: Und wird es deshalb nicht mehr los.

Meine neue, erfolgreiche Taktik: Ganz bewusst einen unordentlichen Bereich für Dinge reservieren, um die ich mich aktuell nicht kümmern will. Ich habe mir ein Kommodenfach speziell für regelmäßig eintrudelndes Zeug eingerichtet, das ich „Sammelstelle“ nenne. In diese Sammelstelle lege ich alles Ankommende ungefiltert hinein. Was nicht in das Fach passt, kommt mir nicht ins Haus. Einmal im Monat mache ich Inventur. Da sehe ich mir die gesammelten Dinge genauer an und beginne mit meiner Ausmist-Routine. Sprich: Von Dingen, die ich weder mag noch brauche, verabschiede ich mich. Den kleinen Rest, der nur ganz, ganz selten bleibt, ordne ich passend ein.

  • Vorteil 1: Etwas Zeug ist zwar ständig da, breitet sich aber nicht über den ganzen Wohnraum aus, da es an einem fixen Platz zwischengelagert wird.
  • Vorteil 2: Man muss sich nicht ständig Gedanken machen, was man mit dem Zeug anfängt, sondern erledigt diese Aufgabe einmal im Monat während der Inventur.
  • Vorteil 3: Kümmert man sich nur einmal im Monat um sein Zeug, gewinnt man Abstand und kann sich deutlich einfacher davon trennen.
  • Vorteil 4: Das Zeug bleibt mengenmäßig überschaubar, weil es regelmäßig aussortiert wird.

Mittlerweile habe ich begriffen: Ein Leben ohne Zeug gibt es nicht. Man kann aber fast schon nebenbei dafür sorgen, dass es nicht dauerhaft bleibt. Einfach ca. vier Wochen unsichtbar aufbewahren, mit etwas Abstand betrachten und abschließend kurzerhand endgültig aus seinen vier Wänden verbannen.

Wie gehst Du mit Dingen um, die ungefragt bei Dir zu Hause ankommen? Wendest Du etwas Ähnliches wie mein Sammelstellen-Prinzip an? Oder verrate mir Deine Methode bzw. Praxistipps.

Sonja hilft Menschen, ihr Zuhause schnell und einfach schöner zu machen © diemoebelbloggerin

Über die Autorin
Sonja Dworzak alias diemobelbloggerin bringt Menschen, die schöner wohnen möchten, via Einzelcoachings und Onlinekursen mit den richtigen Möbeln und Accessoires zusammen und zeigt ihnen, wie sie am besten zur Geltung kommen. Immer einfach mit Hausverstand.

Mehr von Sonja gibt’s auch auf ihrem Blog sowie auf Twitter und Pinterest. Beitragsbild © diemoebelbloggerin.

Praxistipps Minimalismus: Mitmachen
Wie lebt Ihr minimalistisch(er)? Schreibt uns eine E-Mail oder meldet Euch direkt über unsere Mitmachen-Seite. Gerne veröffentlichen wir Eure Erfahrungen auf unserem Blog. Wer mag, packt noch ein kurzes Foto von und ein paar Worte über sich dazu. Auch Vorher-Nachher-Aufnahmen sind herzlich willkommen.

Nachlese: Herrschaft der Dinge (Frank Trentmann)

Wie schreibt man eigentlich Konsumgeschichte in einem Zeitalter, in dem wir von einem stetig wachsenden Berg von Dingen umgeben sind? Vielleicht als Geschichte eines Beziehungs- bzw. Bedeutungswandels, als Historie der Veränderung und als Beitrag zu einer historischen Debatte. Letztgenannte begann übrigens nicht erst im 21. Jahrhundert, wo sich – so der deutsche Historiker Frank Trentmann (Professor für Geschichte am Birkbeck College der Universität London) – zwei Lager gegenüberstehen und mit ihm zwei Arten von Konsumenten. 1. Der passive, durch Kaufen, Billigkredite, Markenbildung und Werbung gelangweilte Konsument. 2. Der demokratische Wohlstandsbürger, der als Teil des Marktes unbehelligt seiner Wahlfreiheit frönt, Kinder und ältere Menschen als besondere Zielgruppen mitgedacht.

Egal, wie die persönliche Einordnung ausfällt: Einkaufen und Konsumieren sind keineswegs Akte geistloser Akkumulation, sondern haben identitätsbildenden Charakter. Menschen finden sich, das zeigen anthropologische Studien in Überflussgesellschaften, in ihren Besitztümern wieder und drücken sich durch sie aus. Dazu gehört auch, Dinge zu personalisieren und sich eine Erinnerungskultur zu schaffen, etwa wenn Materielles von Generation zu Generation weitervererbt wird. Im 15. Jahrhundert genauso wie heute.

Geschmack, Gewohnheiten, Handelsbeziehungen, Konsumkulturen: Kaffee birgt eine vielfältige Geschichte

Erwerb, Nachschub, Verbrauch
Aus diesem Grund (und aus zahlreichen anderen) geht es Trentmann in seinem mehr als 1000-seitigem Mammutwerk weder darum, Urteil in einer moralischen Debatte zu fällen noch eine Entscheidung zu treffen, ob Konsum >>gut<< oder >>schlecht<< ist. Wer Zeit und Muße hat, sich auf sechs Jahrhunderte Konsumgeschichte einzulassen, begibt sich aber dennoch auf eine Reise des menschlichen Verlangens nach immer >>mehr<<, gelenkt, gesteuert und gestutzt in jeweiliger Abhängigkeit vom politischen System, von Ideologie, materiellen Bedingungen uvm. In zwei großen Kapiteln widmet sich der Autor einer aufblühenden Kultur der Dinge im 15. Jahrhundert bis zum Ende des Kalten Krieges in den 1980er Jahren ebenso wie einer Einbettung zentraler, zeitgenössischer Herausforderungen in den historischen Kontext, darunter der sog. „Wegwerfgesellschaft“. Ist ihm diese hehre Wissensvermittlung gelungen?

Komplex, komplexer, Konsum
Das ganze Thema „Konsum“ ist komplex, komplexer, als es die Einleitung erahnen lässt. Viele Schwerpunkte werden lediglich angerissen, manche sogar regelrecht ausgelassen, wie Kritiker bemängeln. Trotzdem ist man um Vollständigkeit bemüht, um illustrierende Beispiele. Sie machen Geschichte zwar lebendig, laufen an der einen oder anderen Stelle aber Gefahr, zu singulär und zu wenig aussagekräftig für ein großes Ganzes und damit für allgemeingültige Ableitungen daherzukommen. Lesefluss und Übersichtlichkeit hätten von einer größeren Anzahl an Absätzen profitiert, Informationsdichte und Schreibstil bewegen sich zum Teil in einem schwergewichtigen Abhängigkeitsverhältnis.

Aller Kritik zum Trotz liefert Die Herrschaft der Dinge einen faszinierenden Einblick in die Welt der Güter und Waren, die seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr in einen globalen Austausch und Umlauf gerieten. Kauf und Auswahl von Dingen nahmen zu, Geschenke und Eigenproduktionen ab. Der interregionale bzw. globale Handel brachte die Kommerzialisierung des Alltagslebens mit sich. Bemerkenswert ist, dass etwa im 16. Jahrhundert zwar nicht von materiellen Neuheiten, wohl aber von einer Verfeinerung der Dinge gesprochen werden konnte, d.h. Kelche wurden bspw. kunstvoller gestaltet, aber die Materialien sowie die Art der Güter unterlagen kaum einer Veränderung. Im Gegensatz zu kurzlebigen Trends der „modernen“ Konsumgesellschaft, mussten Besitztümer eher dauerhaft und hochwertig sein, um als zeitloser Wertspeicher herzuhalten, der in einer bargeldarmen Wirtschaft bei Bedarf zum Pfandleiher wanderte.

Die Geschichte des Konsums ist folglich u.a. eine Geschichte des moralischen Kompass(es), ein kulturelles Konstrukt, in dem es wiederholt zu einer neuen (gefühlsgebundenen) Aufladung kam. Die anhaltende Kritik am Konsum zieht sich dabei parallel wie ein roter Faden durch Hunderte von Seiten, wobei sein interessanter Beitrag als sozialer Gleichmacher im Gegenzug glücklicherweise nicht vergessen wird. Wer im Wohlstand schwimmt, vergisst nur allzu leicht, welche Bedeutung ein neues, sauberes Kleidungsstück für einen anderen Menschen als Zeichen sozialer Inklusion und Selbstachtung besitzen kann.

Die Herrschaft der Dinge ist spannender Entwicklungsroman und fundiertes Sachbuch zugleich

Zugleich entlarvt die Übersichtsdarstellung die verbreitete (Fehl-)Annahme, Massenproduktion, Marketingkampagnen, Werbung und ihre Kontrahenten wie ethischer Konsum, Lokalwährungen sowie explizite Gegenbewegungen zum „Luxusshopping“ seien lediglich ein Phänomen vergangener Jahrzehnte. Bereits im Italien der Renaissance setzen Menschen mit materiellen und moralischen Vorbehalten ein Zeichen gegen Opulenz und Übermaß. Bereits im 18. Jahrhundert dominierten bspw. in württembergischen Gemeinden soziale und institutionelle Zwangsjacke(n), durch die das Verlangen und die Ausgaben im Zaum gehalten wurden. Ein Aufblühen des Konsums war in derartigen Umgebungen kaum möglich, nicht alle Menschen bzw. Schichten hatten – und haben bis heute – jederzeit uneingeschränkten Zugriff auf das vorherrschende Warenangebot. Konsument sein kann am Ende nur, wer Konsument sein darf.

Zeitarmut als Sympton des 21. Jahrhunderts?
Spannend ist es in diesem Gefüge auch zu beobachten, welchen Einfluss die Entwicklung des städtischen Lebens auf den Konsum hatte, wie und warum die Lust auf regionale Waren verschwand, wie Wasser und sogar Rollentreppen neue Sinnbilder und Netzwerke schufen, wie Einkaufen – mitunter – Selbstzweck bzw. Ziel des Lebens wurde und das Medium Radio das Ende der Stille einläutete. Dass unter Konsum nicht nur subsumiert wird, was sich im Allgemeinen zwischen (zu sich) nehmen und kaufen bewegt, ist eine echte Stärke des Opus Magnum. So wirft Trentmann die Frage auf, ob sich unsere Welt tatsächlich immer schneller dreht, und erläutert, warum zeitsparende Produkte in Wirklichkeit zu zeitintensiveren Freizeitbeschäftigungen führen. Seine These: Die Hyperaktiven unter uns besäßen die größte audiovisuelle Ausrüstung (CDs, MCs, LPs), was die symbiotische Beziehung zwischen zeit- und güteraufwendiger Freizeitbeschäftigung belege.

Mit den Folgen unseres Konsums setzt sich das letzte rund 100-seitige Kapitel Wegwerfgesellschaft? auseinander, welches einen breiten Bogen vom Irrsinn des Recyclings und des Überkonsums, vom Horten und von Faitrade-Produkten bis hin zur sog. „Disposophobie“ spannt, also der Angst sich von Dingen zu trennen. Letztgenannter steht paradoxerweise eine Kultur der Beseitigung gegenüber, in der die zunehmende Verschwendung von Ressourcen, wachsende Müllberge und mangelnde Verantwortung für die Gegenstände das Paradoxon in der Konsumenten-Apotheose verdeutlichen: Wachsende Freizügigkeit und Wahlmöglichkeiten in Vergangenheit und Gegenwart schaffen ökologische Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft.

Historiker Frank Trentmann © Jochen Braun

Wer an dieser Stelle ausgereifte Lösungsangebote erwartet, dürfte allerdings enttäuscht werden. Frank Trentmann zeigt globale Zusammenhänge auf, entlarvt die Spezies Mensch als immerwährenden Konsumenten und räumt mit etabliertem Halbwissen rund um die Kultur des Materiellen auf. Sein Anspruch und Angebot an den Leser ist es, eine dichte, informative Diskussionsgrundlage zu schaffen, auf deren Basis wir unseren Konsum in einem neuen Licht betrachten, uns an Debatten fundiert beteiligen und zugleich die dringliche Aufgabe angehen können, einen nachhaltigeren Lebensstil zu finden. History will teach us nothing?

Um die Zukunft zu bewahren, brauchen wir eine umfassende Kenntnis der historischen Prozesse, durch die wir in die Gegenwart gelangt sind, sagt Trentmann. Passender Untertitel des englischen Originals: How we Became a World of Consumers. Für fundierte Minimalismus-Debatten unerlässlich.

Alle Zitate – soweit nicht anders angegeben – nach Frank Trentmann: Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2017 (40,00 Euro)

Für das Rezensionsexemplar bedanken wir uns bei der Deutschen Verlags-Anstalt (DAV).

#MoreMoments 10: Meine Ernte

Meditativer Ausgleich zum Büro, Bewegung an der frischen Luft, sich erden und ernten, was man säht: Ein Stück Acker kann zum grünen Paradies mitten in der großen Stadt werden, wie uns Lili schon im Sommer 2017 erzählt hat. Auf 45 oder 90 qm lässt sich der Traum vom regionalen Eigenanbau an mitlerweile 26 Standorten deutschlandweit für jedermann verwirklichen. Gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben bietet meine ernte Gemüsegärten zum Mieten an, darunter in Berlin, Dresden, Hamburg und Stuttgart. Für das „Experiment Selbstversorgung“ benötigen Slow-Food-Freunde, Natur- und Gartenliebhaber  nicht einmal den sprichwörtlichen  „Grünen Daumen“. Denn ein Landwirt vor Ort pflanzt bereits mehr als 20 Gemüsearten professionell vor, eine Grundausstattung an Geräten wird gestellt. Die Erntezeit liegt saisonal zwischen Mai und November.

Als Studentinnen konnten Natalie und Wanda davon allerdings nur träumen. Denn zu diesem Zeitraum stand „oft ein Fertiggericht oder Fast Food auf dem Speiseplan“, wie sie selbst sagen. Auf Minimalismus21 erzählen die beiden Gründerinnen und Gesichter hinter meine ernte, wie sie Bürostühle gegen Gemüsegärten tauschten und warum das Glück der Erde in eben jener selbst liegt.

Natalie und Wanda sind nicht nur beste Freundinnen, sondern auch die Gründerinnen von meine ernte

Was hat Euch motiviert, meine ernte zu gründen? Wie hat Euer Umfeld reagiert?
Die Idee zu meine ernte kam meiner Freundin Wanda und mir, nachdem wir uns ein paar Jahre nach dem Studium durch einen Zufall in Bonn wiedergetroffen haben und uns mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt haben – im Jahr 2009. Wir haben uns gefragt, wie wir uns regionaler und nachhaltiger ernähren und so das plastikverpackte, lang transportierte und gelagerte Gemüse aus dem Supermarkt vermeiden können. Wo können wir trotz Stadtwohnung unser eigenes Gemüse anbauen? Und wie wäre es, wenn einfach jeder Städter einen eigenen Garten genießen und frisches Gemüse vor Ort ernten könnte? Mit meine ernte möchten wir möglichst vielen Menschen das Erlebnis bieten, auf einfache Weise gesunde Lebensmittel bis zum Teller zu begleiten.

Unsere Familien und Freunde haben sehr positiv auf die Gründung unseres Unternehmens reagiert. Sie haben uns auch von Tag eins an unterstützt. Auch bundesweit haben wir eine große, positive Resonanz erhalten, was uns noch weiter in unserem Vorhaben bestärkt hat.

Welche Ausbildung habt Ihr und welche Inhalte konntet Ihr davon einbringen?
Wir haben gemeinsam Betriebswirtschaftslehre studiert, wodurch wir uns auch kennengelernt haben. Anschließend waren wir beide in verschiedenen größeren Unternehmen beschäftigt. Wanda im Marketing bei Unitymedia und ich im Inhouse Consulting bei der Deutschen Post. Das können wir uns heute nicht mehr vorstellen. Wir haben mit meine ernte eine sinnvolle Aufgabe gefunden, bei der wir sehr viel Positives bewirken können. Wir können unserer Leidenschaft nachgehen und bekommen sehr viel wieder zurück.

Handarbeit statt Computertastatur. Mit den eigenen Händen zur Selbstversorgung

Was macht für Euch die Faszination/ Leidenschaft des Projektes aus?
Wir glauben an eine Welt, in der die Menschen von der Natur lernen, Wissen teilen, selbstständig Nahrung hervorbringen und sich dadurch erden. Deshalb möchten wir noch mehr Menschen die Möglichkeit bieten, eigenes Gemüse anzubauen – ob auf dem Acker, auf dem Balkon, der Terrasse oder im eigenen Garten. Es ist wunderbar zu sehen, wie glücklich und entspannt die Menschen sind, wenn sie ein bis zwei Stunden auf dem Acker waren, den Alltag vergessen. Daher teilen wir unser Wissen über Gemüseanbau und bieten Unterstützung und Produkte an, um den Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, sich ein Stück weit selbst zu versorgen.

Ein grünes Paradies am Rande der Stadt mit meditativer Wirkung

Was unterscheidet meine ernte von anderen Mitbewerbern?
Dass wir unser persönliches Wissen teilen und unsere Gärtner aktiv vor Ort unterstützen. Neben zahlreichen Gartentipps auf unserer Homepage bieten wir auch Whatsapp-Gruppen und Gärtnersprechstunden direkt im Gemüsegarten an. Zudem sind wir bundesweit aktiv und mit Landwirten und Hobbygärtnern aus ganz Deutschland vernetzt.

Warum entscheiden sich Menschen, einen Garten bei meine ernte zu buchen? Welche Veränderungen stellt Ihr bei ihnen am Ende der Saison fest?
In erster Linie ist es für viele unserer Gärtner der Wunsch, ihre Freizeit in der Natur zu verbringen und eigenes, frisches Gemüse anzubauen. Sie lernen viel Neues dazu und wenden dieses Wissen auch außerhalb des Gartens an, zum Beispiel, welches Gemüse in unserer Region wächst und wie lange es zum Gedeihen braucht. Aber unsere Gärtner merken auch, wie gut es tut, draußen zu sein, sich zu bewegen und vom Alltag abzuschalten. Dabei merkt man, wie meditativ das Gärtnern ist.

Was ist die schönste Erfahrung im Zusammenhang mit meine ernte?
Es gibt sehr viele schöne Erfahrungen, die wir dank meine ernte sammeln konnten. Die Eröffnung des ersten Gemüsegartens, die Veröffentlichung unseres ersten eigenen Buches, der Gewinn des Agrarförderpreises kurz nach unserer Unternehmensgründung: Es gibt viele wichtige und entscheidende Momente, auf die wir voller Stolz zurückblicken, und es kommen immer neue dazu. Insgesamt freuen wir, dass so viele Menschen dank meine ernte einen eigenen Gemüsegarten genießen.

Hat sich Eure Sicht auf die Herstellung von Lebensmitteln verändert?
Sehr! Gesunde Ernährung war uns schon immer wichtig. Allerdings merkt man schnell, dass eine bewusste und nachhaltige Ernährung in einer Wegwerfgesellschaft alles andere als einfach ist. Wir haben schon früh nach einer Alternative zu plastikverpacktem und gespritztem Gemüse gesucht, das mit Schiffen und LKWs aus der ganzen Welt angeliefert wird. Irgendwann haben wir dann angefangen, uns mit dem eigenen Anbau von Gemüse auseinanderzusetzen. Heute beschäftigen wir uns mit weiteren Bereichen der Selbstversorgung und stellen sogar erste Kosmetika selbst her.

Die wichtigsten Gartentrends 2018?
Es ist immer wieder spannend, unterschiedliche Gärtnermethoden zu entdecken! Aktuell finde ich das Hochbeetgärtnern und den Gemüseanbau auf dem Balkon super interessant. Aber auch das Wiederentdecken schon älterer und teils fast vergessener Gemüsesorten gehört für mich ganz klar zu den Gartentrends 2018. Das liegt uns auch persönlich am Herzen, weshalb wir viele ältere Sorten in unser Bio-Saatgutsortiment aufgenommen haben.

Liebe Natalie, wir sagen herzlichen Dank für dieses Interview! Alle Abbildungen © meine ernte.

Das Gartenbuch von meine ernte

Für alle Gartenfreunde – und solche, die es werden wollen –, verlosen wir das 100% Ernte Glück-Buch inklusive Bio-Saatgut von demeter und Arche Noah. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit dem BLV Verlag entstanden und enthält u.a. eine Einführung in die Grundlagen des biologischen Gärtnerns sowie Tipps zur richtigen Standortauswahl. Der Gewinn wurde uns von meine ernte zur Verfügung gestellt.

Verrate uns einfach, warum Du Ernte-Glück brauchst bzw. was für Dich das Besondere an der Selbstversorgung und/ oder der Gartenarbeit ist.

Jeder Beitrag samt E-Mail-Adresse (auf dem Blog nicht öffentlich sichtbar!) oder unter dem entsprechenden Facebook-Beitrag wandert in den Lostopf. Teilnahmeschluss ist der 4. März 2018. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren. Viel Glück!

More Moments
Du willst anderen Menschen zeigen, was Dein Leben erfüllt, was Dich wirklich glücklich macht und bereichert? Du „sammelst“ lieber schöne Momente als Dinge und verbringst Zeit mit etwas Wertvollerem als mit „compulsory consumption“? Dann melde Dich bei uns und erzähle Deine (Minimalismus-)Geschichte. Wir freuen uns auf Dich.

#MoreMoments. Was wirklich wertvoll ist im Leben. Die aktuelle Blogserie auf Minimalismus21. Alle (vorherigen) Teile der Serie findet ihr unter dem Suchbegriff #MoreMoments rechts oben (Lupe) und natürlich bei Twitter. Zu Teil 1 und Teil 2 sowie zu Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6, Teil 7 sowie Teil 8 und Teil 9.